Your Name

Your Name

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Daten:

  • Regisseur: Makoto Shinkai
  • Sprache: Japanisch, Deutsch
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
  • Studio: Universum Film GmbH
  • Erscheinungstermin: 18. Mai 2018
  • Produktionsjahr: 2016
  • Spieldauer: 106 Minuten
  • Preis: 21,99 € (Blu-ray), 19,99 € (DVD)

Review Your Name

 

Mit „Your Name. – Gestern Heute und Für Immer“ von Makoto Shinkai ist am 18. Mai der wohl wichtigste Animefilm der jüngeren Animations-Geschichte in Deutschland auf Blu-ray und DVD erschienen. Der erfolgreichste japanische Anime-Kinofilm aller Zeiten konnte auch international große Erfolge feiern. Mit seinen ersten Vorstellungen an nur einem Wochenende in 150 Einrichtungen konnte er über 20.000 Zuschauer ins Kino locken und somit Platz 3 der Kinocharts erreichen. Derartige Erfolge sind für Animefilme eher Ausnahmen und zeigen, welche Qualität der Film aufweist. Universum Anime hat uns netterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Wir wollen also nun betrachten, ob der Film seinem Hype gerecht wird.

Land vs. Stadt

„Manchmal wenn ich morgens aufwache weine ich, und ich weiß nicht, wieso“. Mit diesem Satz der Protagonistin Mitsuha Miyamizu beginnt die Geschichte. Sie lebt im Schrein der fiktiven japanischen Kleinstadt Itomori, gemeinsam mit ihrer Schwester und Großmutter. Itomori bietet zum Nachteil der jungen Einwohnerin keinerlei Aufregung oder Spannung. Es gibt kein Café, kein schönes Restaurant und erst Recht keine sonstige Möglichkeit seine Freizeit zu verbringen. Mitsuha ist deshalb – und wegen der Arbeit im Schrein – genervt von ihrem Leben und wünscht sich, dass sie in einer Großstadt wie Tokyo leben würde. Als Oberschülerin kann sie aber ihre Großmutter nicht so einfach verlassen, weshalb das wohl für immer nur ein Traum bleiben wird.

Der zweite Hauptcharakter besitzt hingegen genau das, was Mitsuha sich immer vorgestellt hat. Taki Tachibana führt in Tokyo das Leben eines normalen Oberschülers. Gemeinsam mit seinem Vater lebt er in einem Apartmentkomplex in einer kleinen Wohnung. Neben der Schule muss er als Aushilfskraft in einem Restaurant als Kellner arbeiten, kann sich aber dafür auch öfter einmal leisten, mit seinen Freunden auszugehen. Sein Leben ist also genau das Gegenteil von Mitsuhas, da er es selbst bestimmen kann und keine Langweile verspürt.

Zu Beginn des Films scheint es für Mitsuha ein ganz normaler Tag zu sein. Sie geht zur Schule, doch irgendetwas ist anders. Ihre Freunde, ihre Lehrerin und ihre Familie deuten ihr an, dass sie sich am vorherigen Tag irgendwie komisch verhalten habe, obwohl sie sich gar nicht daran erinnern kann. In ihrem Notizbuch liest sie außerdem den Satz „Wer bist du?“, den sie sicher nicht selbst hineingeschrieben hat. Nach und nach erfährt Mitsuha, dass sie an diesem Tag angeblich nicht mehr wusste, wer sie ist, an welchem Platz ihr Schultisch steht und mit untypisch zerzausten Haaren in die Schule gekommen ist. Warum diese seltsamen Dinge passiert sind und welchen Einfluss Taki auf Mitsuhas Leben haben wird, könnt ihr nur erfahren, wenn ihr euch den Film selbst anschaut.

Freaky Friday?

Zu Beginn des Films sieht man Mitsuha, (oder noch nicht Mitsuha?!) wie sie ihre eigenen Brüste seltsam unvertraut abtastet. Wenige Minuten später hört man von ihr, dass sie in letzter Zeit häufiger träumt, dass sie im Körper eines Jungen in Tokyo stecke. „Körpertauschgeschichten“ gab es schon in vielen unterschiedlichen Realfilmen. Von „Das Doppelte Lottchen“ bis hin zu „Freaky Friday“ kann sicher jeder einen Film dieser Art aussuchen, dessen Humor ihm am besten gefallen hat. „Your Name“ macht aber dennoch etwas anderes: Er ist keine Komödie. Geht es in den bisherigen (Hollywood-)Filmen meistens darum, welche witzigen Situationen entstehen können, wenn man in die Rolle einer anderen Person schlüpft, ist dies in Makoto Shinkais neuem Film nur Beiwerk.

Zu Anfang ist so ein Tausch natürlich immer witzig. Taki kann nicht glauben, dass er weibliche Brüste wirklich anfassen kann und Mitsuha kann in Takis Körper auf einmal sehr gut nähen. Sehr schön ist, dass in diesem Film auch auf Kleinigkeiten geachtet wird. Im Japanischen gibt es unterschiedliche Formen des Wortes „Ich“ für Männer und Frauen und Takis Freunde sind direkt verwirrt, als er das weibliche „Watashi“ benutzt. In der deutschen Synchronisation konnte dies natürlich nicht so umgesetzt werden.

Doch wie gesagt: Der Anime hat auch viele andere Stärken. Da Mitsuha und Taki möchten, dass ihr eigenes Leben so normal weiterläuft wie möglich, versuchen sie sich gegenseitig zu helfen, damit der Körpertausch nicht zu viele schlechte Auswirkungen hat. Beispielsweise schreiben sie in einer Art Tagebuch jeden Tag genau auf, was sie erlebt haben, damit keine bösen Überraschungen geschehen. Man kann sich vorstellen, dass dies in der Realität genauso passieren könnte.

Eine Beziehung ohne sich zu sehen?

„Your Name. –  Gestern Heute und Für Immer“ wurde häufig als guter Romantik-Anime beworben. Ich fragte mich relativ schnell im Laufe des Films: „Wie soll das denn gehen? Die Hauptfiguren sehen sich überhaupt nicht“. Trotzdem schafft der Film es wirklich sehr gut aufzuzeigen, wie sich Taki und Mitsuha immer besser kennenlernen. Dies geschieht vorrangig auf zwei Wegen. Zuerst gibt es – die schon erwähnten – Tagebücher in den Smartphones der Charaktere. Mitsuha und Taki haben einen komplett unterschiedlichen Schreibstil und zeigen dadurch dem Gegenüber schon Teile ihrer Persönlichkeiten. Mit der Zeit beginnen die Beiden sich auch innerhalb dieser Nachrichten zu necken, da sie sich immer besser kennenlernen (beispielsweise spricht Mitsuha gerne Takis Beziehung zu seiner Kollegin an).

Der zweite Weg ist aber noch wichtiger. Wenn die Beiden in ihre eigenen Körper zurück schlüpfen, können sie immer wieder vom persönlichen Umfeld hören, wie die andere Person gehandelt hat. Dies erfahren sie meistens von Unterhaltungen mit Freunden (Taki) oder der Familie (Mitsuha). Hierdurch können sie sich wirklich sehr gut kennenlernen und beginnen langsam zu verstehen, was der Andere für eine Person ist. Beide merken, dass sie sich – trotz ihrer Unterschiede – doch sehr gerne mögen. Ich habe bisher keinen anderen Anime gesehen, der eine Beziehung – ohne örtliche Nähe – so clever aufgebaut hat. Man versteht als Zuschauer, warum Taki und Mitsuha sich langsam immer näher kommen und beginnt zu hoffen, dass die Beiden sich wirklich einmal treffen können.

In der heutigen Zeit, in der Beziehungen häufig auch über Online-Bekanntschaften aufgebaut werden, ist der Film in dieser Hinsicht wirklich wichtig, da er zeigt, dass man sich nicht nur kennenlernen kann, wenn man sich wirklich real trifft.

Kein Abhandeln bloßer Klischees

Ein weiteres Problem vieler „Freaky Friday“-Filme ist, dass sie von Klischees Leben. Ein Junge wechselt in den Körper eines Mädchens und macht dann „jungstypische“ Dinge, die dem Mädchen viele Probleme bereiten. Diese bekannten Geschlechts-Klischees sind für den Film überhaupt nicht wichtig. Die Charaktere sind im weitesten Sinne reale Menschen und keine wandelnden Klischees. Sie finden im Laufe der Zeit viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige Unterschiede, die über das Konstrukt „starker Mann versus emotionale Frau“ hinausgeht.

Im Gegensatz zu weiteren Hollywood-Filmen dieser Art gibt es auch eine Geschichte neben dem Körpertausch. Taki und Mitsuha leben beide ihr normales Leben, sind mit diesem aber nicht wirklich zufrieden. Dies gilt insbesondere für Mitsuha, die – wie so typisch für Japan – einen Platz in der Gesellschaft hat, den sie einnehmen muss, auch wenn sie es nicht möchte. Sie scheint das aber nicht so ganz zu akzeptieren und sucht eine Möglichkeit sich zu entfalten. Im Grunde genommen ist „Your Name. – Gestern Heute und für Immer.“ also eine Coming of Age-Story. Der Körpertausch-Aspekt bringt nur eine weitere Ebene in diese Geschichte mit hinein.

Der schönste Animationsfilm aller Zeiten?

Makoto Shinkais Filme sind bekannt dafür, dass sie unfassbar gut animiert sind. Ein Grund hierfür ist das absolut fantastische Team. Mit Kazuchika Kise (Charakterdesign von „Made in Abyss“ und Mitarbeiter bei „Ghost in the Shell“) und Masashi Ando (Animation Director von „Paprika“ und „Chihiros Reise“) arbeiteten einige der talentiertesten Animateure der Anime-Branche an dem Film. Theoretisch eignet sich jeder einzelne Frame dieses Films als wunderschönes Postermotiv. Neben den fabelhaft animierten Hintergründen (insbesondere in Mitsuhas ländlicher Heimatstadt) sollte man die erste Szene des Films hervorheben. Direkt in den ersten Minuten fesselt er allein durch seine Animationen. Wie bei seinen anderen Filmen beweist Shinkai auch hier schon wieder, dass er ein unglaubliches Genie ist. Er schrieb nicht nur das Drehbuch, er war zusätzlich auch Regisseur und für den Schnitt zuständig. Das merkt man dem Film auch an, da diese Aspekte perfekt aufeinander abgestimmt ist.

Auf einem ebenso hohen Niveau bewegt sich die Musik des Films. Die Band Radwimps war in Japan schon lange ziemlich bekannt, in der Anime-Szene waren sie aber ein noch unbeschriebenes Blatt. Der Pop/Rock-Soundtrack der Band unterstützt die Szenen ungemein und ist so einprägsam, dass man auch Wochen nachdem man den Film gesehen hat, sich an die Songs erinnert. Besonders hervorzuheben ist hier sicherlich der Song „Zen Zen Zense“, welcher eine der wichtigsten Szenen des Filmes untermalt.

Synchronisation auf einem hohen Level – in beiden Fassungen

Die japanische Synchronisation ist auf einem genauso hohen Niveau wie die Musik oder die Animationen. Besonders Mone Kamishiraishi als Mitsuha hat mich sehr überzeugt, obwohl sie bisher eher wenige Jobs als Anime-Synchronsprecherin hatte (Wolf Children oder Chihayafuru zum Beispiel). Ryunosuke Kamiki konnte als Taki seine komplette Erfahrung aus anderen Anime-Filmen (zum Beispiel „Chihiros Reise, „Das Wandelnde Schloss“ oder „Summer Wars“) einspielen lassen und auch eine sehr starke Leistung abliefern. Generell merkt man der Synchronisation an, dass es sich hier um einen Anime-Film handelt und keine Serie, da hier nicht die dem Ohr bekannten Sprecher engagiert wurden, die pro Season fünf bis zehn Sprechrollen haben.

Die deutsche Version kann zwar nicht ganz mithalten, da beispielsweise die schon angesprochenen Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen des Wortes „Ich“ nicht ins Deutsche übertragen werden können, ist aber dennoch sehr gut gelungen. Maximilian Belle (der witzigerweise auch im „Freaky Friday“-Remake mitgesprochen hat) als Taki macht einen guten Job. Noch besser hat mir die im Vergleich eher unerfahrene Laura Jenni als Mitsuha gefallen, da sie sich sehr nah am Original orientiert. Kritisieren möchte ich nur den deutschen Titel des Films. Der Titelzusatz „Gestern, Heute und für Immer.“ kann Teile des Films spoilern und einigen Zuschauern somit das Filmvergnügen etwas vermiesen.

Der beste Animefilm aller Zeiten?

Ob „Your Name. Gestern, Heute und für Immer“ wirklich auch der beste Animefilm aller Zeiten ist, müsst ihr selbst entscheiden. Wir können auf jeden Fall nur bestätigen, was andere Reviews auch gesagt haben: Der Film ist wirklich extrem gut. Wir sind sehr froh, dass Universum Anime das Risiko gewagt hat, den Film in die deutschen Kinos zu bringen und freuen uns, dass es sich ausgezahlt hat. Natürlich ist der Film nicht perfekt und hat auch seine Fehlerchen, wir sind uns aber einig, dass er einer der besten Animefilme der letzten Zeit ist!

Der Film erzählt eine sehr schöne Coming of Age- sowie Liebesgeschichte, hat sympathische Charaktere und atemberaubende Animationen und sollte deshalb den Weg in das Regal eines jeden Animefans finden. Insbesondere wenn ihr Fans von „A Silent Voice“ seid, werdet ihr den Film lieben, da er teilweise eine ähnliche Atmosphäre ausstrahlt.

Meine Bewertung: 8,5/10 Punkte

 

 

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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