The Eccentric Family Volume 1

The Eccentric Family Volume 1

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© 2013 Tomihiko Morimi / Gentosha / The Eccentric Family Production Committee

Daten:

  • Regisseur: Masayuki Yoshihara
  • Sprache: Japanisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Universum Anime
  • Erscheinungstermin: 25. Mai 2018
  • Produktionsjahr: 2013
  • Spieldauer: 136 Minuten
  • Preis: 33,99€ (Blu-ray), 29,99€ (DVD)

The Eccentric Family Volume 1

Vor einiger Zeit hat sich Universum Anime die Rechte an dem Anime Kult-Hit „The Eccentric Family“ gesichert. Ab dem 25.05.2018 können sich deutsche Fans endlich die ersten sechs Folgen dieser Serie anschauen. Das Werk von Studio P.A. Works (bekannt durch Titel wie „Shirobako“ und „Angel Beats“) und Regisseur Masayuki Yoshihara (u.a. Episode Director von „Ghost in the Shell: Stand Alone Complex“ und „Eden of the East“) genießt in der Anime-Szene einen sehr guten Ruf, ist aber der breiten Masse nicht wirklich bekannt. Ob es sich für die deutschen Fans lohnt, die knapp 5 Jahre alte Serie zu schauen, werde ich im Folgenden für euch herausarbeiten.

Die Welt der Tanuki

„The Eccentric Family“ spielt in Japans beliebter Touristenstadt Kyoto. Doch die Stadt des Anime unterscheidet sich von der uns bekannten: Hier leben nämlich nicht nur Menschen, sondern auch Tengus und Tanukis verbringen ihr Leben hier. Tengus sind vogelähnliche Dämonen, die in vielen alten japanischen Geschichten auftauchen. In „The Eccentric Family“ können sie eine menschenähnliche Gestalt annehmen, aber trotzdem durch die Lüfte fliegen. Tanukis wiederum sind eine japanische Form der Marderhunde und auch Teil vieler alter japanischer Märchen. Sie werden zumeist als sehr hinterlistig (ähnlich wie der Fuchs in deutschen Märchen) dargestellt. Tanukis können sich sehr gut tarnen und sogar in andere Kreaturen und Dinge verwandeln. Die meisten Bewohner Kyotos wissen jedoch überhaupt nicht, dass Tanukis und Tengus existieren.

In „The Eccentric Family“ begleiten wir den Tanuki-Jungen Yasaburou Shimogamo und seine Familie. Diese ist für die Gemeinschaft der Tanuki von starker Bedeutung, da der Vater sehr lange Zeit der Chef dieser war. Leider wurde er vor einiger Zeit von den Mitgliedern des sogenannten „Freitag-Klubs“ in Form eines Eintopfs gegessen. Aus diesem Grund müssen Yasaburou und seine Freunde nun selbst mehr Verantwortung übernehmen. Leider ist er überhaupt nicht der Typ dafür, denn er verbringt seine Zeit am liebsten damit, Menschen und Tengus zu beobachten und sonst einfach nur rumzuhängen. Seine einzige Verpflichtung ist, seinen Lehrer Akadama (einen Tengu) zu besuchen und sich um ihn zu kümmern. Wie Yasaburou und seine Brüder nach und nach verstehen lernen, was das Zusammenleben der drei unterschiedlichen Spezies bedeutet und was der wirkliche Grund für den Tod seines Vaters war, könnt ihr nur erfahren, wenn ihr euch die Serie selbst anschaut.

Etwas komplett Neues

Zu Beginn habe ich noch nicht verstanden, in welche Richtung sich „The Eccentric Family“ entwickeln wird. Besonders skeptisch machte mich der Aspekt der japanischen Folklore mit den Tengus und Tanukis, da es Anime wirklich nur selten schaffen, diese mystischen Elemente mit der Realität so zu vermischen, dass es glaubwürdig wird. Hierin hat der Anime aber sicherlich seine Stärke. Die Magie wird nicht für Kämpfe oder als einfaches „Deus Ex Machina“ verwendet, vielmehr werden Charaktere geschaffen, die sehr menschlich sind und somit ihre Fähigkeiten so einsetzen, wie man es selbst tun würde. Yasaburou benutzt seine Verwandlungen beispielsweise um sich vor Feinden zu verstecken oder auch mal als Mädchen durch die Stadt laufen zu können.

Zu Beginn ist der Anime eher eine witzige Slice of Life Serie. Die einzelnen Episoden erzählen Kurzgeschichten und sind größtenteils witzig gehalten. Man lernt beispielsweise die Rivalen-Familie, die Ebisugawas kennen und sieht, auf welche Weise die Kinder dieser Familie versuchen, den Shimogamos zu zeigen, dass sie die Leitung der Tanuki-Gemeinschaft übernehmen sollten. Der Humor ist in allen Episoden wirklich sehr gut, wobei insbesondere die Situationskomik überzeugen kann. Eine sich durchziehende Story besitzt der Anime aber – wie viele andere Slice of Life Serien – eher nicht.

Ähnliche Handlungsstränge kennt man schon, trotzdem wirken die Folgen sehr erfrischend. Das liegt an dem völlig neuem Setting, das bisher noch kein anderer Anime genutzt hat. Die meisten Slice of Life Serien beschäftigen sich mit Oberschülerinnen und Oberschülern oder neuerdings (dank P.A. Works) mit erwachsenen Menschen. In diesen tauchen immer wieder die gleichen Probleme und somit auch die gleichen Lösungen auf. Ähnlich wie in „Hakumei und Mikochi“ bietet das neue Setting aber die Möglichkeit, die Szenen anders zu gestalten als in bekannten Serien. Beispielsweise wird ein Konflikt nicht durch eine Diskussion oder einen Faustkampf gelöst: Hier können sich die Tanuki in wilde Tiere verwandeln und sich dadurch gegenseitig angreifen oder austricksen.

Ein ernster Ton

Nachdem mir die erste Episode sehr gut gefallen hat, hatte ich bei Episode 3 die Angst, dass mir ein roter Faden fehlen würde. Glücklicherweise änderte sich dies komplett in den letzten beiden Folgen. Geht es zu Beginn nur darum, die Shimogamo-Familie sowie die Umgebung, in der sie leben, kennenzulernen, so beschäftigen sich die späteren Episoden der ersten Volume mit Themen wie beispielsweise dem Tod des Vaters.

Besonders hervorheben sollte man hier die sechste Episode. Yasaburou wird darin in den Freitags-Klub eingeladen und besucht ihn, obwohl die Mitglieder liebend gern Tanuki-Eintopf essen. Er lernt einen älteren Mann kennen, mit dem er sogar ein Gespräch darüber führt. Dieses zeigt auf, dass der Mann seinen Vater gegessen hat, obwohl er sich mit ihm angefreundet hat. In diesem Gespräch werden viele interessante Fragen aufgeworfen, die auch zur aktuellen Vegetarier/Veganer-Debatte passen. Der Mann liebt das niedliche Aussehen der Tanukis, findet das Fleisch aber auch köstlich. Er ist traurig darüber, dass er sie isst, denkt aber, dass es respektlos gegenüber Lebewesen wäre, sie nicht zu essen, beziehungsweise Unterschiede zwischen verschiedenen Tieren zu machen. Er selbst denkt sogar, dass ein Tod auf diese Weise ein „guter Tod“ sei, da man damit anderen Wesen noch helfen könnte. In diesem Gespräch ist viel japanische Gesellschaftskonvention enthalten. Darin wird allen Menschen immer vorgekaut, dass die Gemeinschaft wichtiger als das Individuum ist und dass jeder seinen Teil zur Aufrechterhaltung dieser leisten muss. In einer westlichen Serie wäre die Argumentation hier sicherlich anders verlaufen. Die Szene zeigt (wie weitere andere), dass „The Eccentric Family“ kein einfacher Slice of Life Anime ist, sondern auch spannende Fragen aufwirft, die die Zuschauer zum Denken anregen. Ich bin mir sicher, dass die Serie dies auch weiterhin auszeichnen wird. Insbesondere der Tod des Vaters wird sicherlich später noch eine große Rolle spielen.

Beziehungen im Vordergrund

Die wohl wichtigste Komponente der Serie bisher sind die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren. Im Fokus steht dabei natürlich Yasaburou – der Protagonist. Er ist auf den ersten Blick nicht besonders sympathisch, da er gefühlt rein egoistisch handelt. Ich selbst fand es aber sehr erfrischend, dass einmal ein rauchender, trinkender fauler Junge die Hauptrolle spielt – eine gute Abwechslung gegenüber den sonstigen Alleskönnern in anderen Serien. Erst durch Yasaburous Beziehungen zu den unterschiedlichen Charakteren kann man nach und nach seine Beweggründe wirklich verstehen. Besonders gut haben mir insbesondere die Szenen mit seinem Bruder Yajirou (der sich in einen Frosch verwandelt hat und es nicht wieder umkehren kann) gefallen, da sie neben dem üblichen Humor auch dramatische Elemente enthalten. Die restlichen Mitglieder der Familie konnte man bisher nur wenig kennenlernen, die Mutter scheint aber ebenfalls eine interessante Geschichte zu haben.

Viel interessanter als die Familienbeziehungen (trotz des Namens des Anime) sind aber Yasaburous Begegnungen mit anderen Charakteren. Durch sein Verhalten gegenüber Akadama lernt man beispielsweise, dass er doch ein guter Tanuki ist. Seine Szenen mit den Ebisugawa-Brüdern hingegen sind ein Beispiel dafür, wie viel ihm seine Familie bedeutet.

Die wohl spannendsten Momente sind sicherlich die, in denen Yasaburou auf Benten, die einzige wirkliche Antagonistin, trifft. Im Gegensatz zu den meisten anderen Charakteren ist sie „nur“ ein Mensch. Trotzdem ist sie die furchterregendste Person. Sie ist sehr intelligent und hat sogar Tengu-Magie gemeistert. Bisher versteht man den Großteil ihrer Handlungen noch nicht, da ihre Motivation nur sehr sporadisch beleuchtet wurde. Gerade dadurch ist sie aber auch interessant, da man nie genau weiß, wie sie handeln wird.

Ein besonderer Stil

Die Animationen sind – wie von P.A. Works gewohnt – auf einem guten Niveau. Im Gegensatz zu ihren anderen Serien, in denen die Hauptfiguren sehr süß („Moe“) gezeichnet werden, ist das Charakter-Design bei „The Eccentric Family“ weitaus schlichter gehalten. Dies ist aber sicherlich nicht negativ, da dadurch die Gesichtszüge sowie die Besonderheiten der Figuren noch stärker zum Vorschein kommen. Die große Vielfalt der Kleidung der Figuren hilft dabei, ihre Charaktereigenschaften zu unterstreichen. Beeindruckend sind auch die sehr bunten Hintergründe. Insgesamt ist dies sicherlich eine der am besten animierten Serien von P.A. Works.

Die Musik wurde passend ausgewählt, hat aber nicht das qualitativ hohe Niveau der Animationen. Erwähnenswert ist aber das Opening der Band „milktub“, das zu Beginn einer jeden Folge ertönt und sehr „catchy“ ist und vom Stil her eher an ein Naruto-Opening als an ein Slice of Life Opening erinnert.

Die deutsche Umsetzung ist – wie bei eigentlich allen Serien von Universum Anime – gut gelungen. Auch wenn ich es zuerst nicht glauben konnte, kann man hier insbesondere Farina Brock (die deutsche Stimme von Alison Brie) loben, die ihre Interpretation zwar stark an das japanische Original anpasst, aber durch verschiedene Betonungen dem Charakter ihre eigene Note gibt. Die einzigen Irritationen gibt es bei der Aussprache der Konsonanten „S“ und „Z“ bei japanischen Wörtern. Das „S“ wird zumeist etwas zu weich ausgesprochen, wodurch besonders bekannte Wörter wie „Osaka“ sich anders anhören als man es gewohnt ist.

Eine klare Kaufempfehlung

Universum Anime bringt uns mit „The Eccentric Family“ eine wirklich starke Slice of Life Serie nach Deutschland. Beginnt sie noch etwas langsam, konnten mich besonders die letzten beiden Folgen überzeugen, weshalb ich denke, dass die zweite Volume sogar noch besser sein könnte.

Wenn ihr über den etwas langsamen Start hinwegsehen könnt und Lust auf eine etwas andere, dramatische Slice of Life Serie habt und kein Problem damit habt, wenn mal keine Oberschülerinnen die Hauptrolle spielen, solltet ihr diesem Anime auf jeden Fall eine Chance geben.

Meine Bewertung: 7/10 Punkte

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About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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