Shirobako Volume 1 +2

Shirobako Volume 1 +2

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© 2014 SHIROBAKO PROJECT
© 2014 SHIROBAKO PROJECT

Daten:

  • Regisseur: Tsutomu Mizushima
  • Sprache: Japanisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.01)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
  • Studio: KSM Anime
  • Erscheinungstermin: 17. Juli 2017
  • Produktionsjahr: 2014
  • Spieldauer: 97 Minuten (Volume 1)
  • Preis: 41,99 € (Blu-ray)

Der Anime zum beliebten Manga Bakuman, der seinen Zuschauern zeigt wie ein Manga entsteht, erschien leider nie in Deutschland. Glücklicherweise bringt KSM-Anime am 17. Juli die Serie „Shirobako“ nach Deutschland, wodurch deutsche Fans nun wenigstens erfahren können, wie die Produktion einer Anime-Serie aussieht. Die folgende Review basiert auf den ersten acht Episoden der Serie, die uns KSM-Anime zur Verfügung gestellt hat.

Ein typisches Arbeitsleben

Aoi Miyamori hat einen Traum: Sie möchte in der Anime-Industrie arbeiten! Unentschlossen wie der durchschnittliche College-Absolvent nun aber einmal ist, weiß sie noch nicht, welchen Job sie genau ausüben möchte. Ihre Freundinnen hingegen, mit denen sie in der Universität einen Animations-Club gegründet hat, haben ihre beruflichen Ziele wie Synchronsprecherin oder Zeichnerin schon gesteckt. Aufgrund ihrer Unentschlossenheit hat Aoi viele Schwierigkeiten, überhaupt einen Job zu bekommen. Nach Dutzenden Bewerbungsgesprächen landet sie schließlich beim Animationsstudio „Musashino Animation“ als Produktionsassistentin.

„Musashino Animation“ ist ein sehr kleines Studio, das bisher noch keine großen Erfolge erzielen konnte. Aus diesem Grund muss ihr neuer Anime „Exodus!“ unbedingt ein Erfolg werden. Durch den Druck bekommt Aoi – obwohl sie eine neue Mitarbeiterin ist – schon zu Beginn ziemlich viele Aufgaben und erkennt, dass die Arbeit an einem Anime viel anstrengender und schwieriger ist als viele Fans glauben. Sie merkt was für unterschiedliche Personen an der Erstellung von „Exodus!“ beteiligt sind und muss im Laufe der Zeit lernen, welche Möglichkeiten es gibt, die unterschiedlichen, teils exzentrischen Persönlichkeiten dazu zu bringen, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Insbesondere die Zusammenarbeit mit dem verrückten Regisseur Kinoshita bereitet große Probleme.

Aois Freundinnen haben es ebenfalls nicht leicht. Ema erkennt beispielsweise relativ schnell, dass das Zeichnen für ein Unternehmen weitaus schwieriger ist als für einen College-Club und muss lernen, wie man mit anderen Zeichnern zusammenarbeitet. Misa muss erfahren, dass die Arbeit stark repetitiv ist und Shizuka (Spitzname „Zuka“) bekommt zu Beginn überhaupt keine Arbeit als Synchronsprecherin, da die bekannten, alteingesessenen Kollegen bei den Rollen bevorzugt werden. Im weiteren Verlauf der Serie werden die Probleme, die bei einer Anime-Produktion auftauchen können gezeigt und man erfährt, wie die Karrieren der Freundinnen verlaufen.
Ob Exodus! „Musashino Animation“ dabei hilft, sich zu retten und wie die Wege der Freundinnen sich wieder kreuzen könnt ihr nur erfahren, wenn ihr euch „Shirobako“ selbst anschaut.

16-Jährige in der Arbeitswelt?

Als ich die erste Episode von „Shirobako“ gesehen habe, dachte ich, dass es sich um einen typischen, langweiligen High-School-Anime handelt. Der Grund hierfür ist, dass alle Charaktere viel jünger aussehen als sie eigentlich sind. Miyamori Aoi unterscheidet sich vom Aussehen nicht groß von Haruhi Suzumiya, ist aber viele Jahre älter. Man sollte sich jedoch nicht von diesem jugendlichen Stil täuschen lassen. Shirobako ist trotzdessen einer der erwachsensten Anime, der in den letzten Jahren in Deutschland erschienen ist. Darin gibt es keine Fantasy-Elemente, keine großen Kämpfe und auch nichts Übernatürliches- die Serie zeigt schlicht nur das „reale Leben“. Das könnte für einige Zuschauer abschreckend sein, denn genauso wie das „wahre Leben“ ist der Alltag von Aoi eher langweilig. Ihre einzigen Aktivitäten sind: arbeiten, essen und schlafen.

Doch genau das unterscheidet Shirobako von anderen Anime. Die Handlung benötigt keine künstlichen Spannungen, da die Geschichte interessant genug ist. Nur die wenigsten deutschen Fans werden wirklich wissen, wie ein Anime produziert wird. Häufig wird der Prozess glorifiziert und man denkt, dass die Regisseure und Animateure gottähnliche Personen sind. Shirobako zeigt aber genau das Gegenteil. Die Arbeit in der Anime-Industrie unterscheidet sich kaum von der Arbeit in anderen Unternehmen. Häufig müssen langweilige Aufgaben erledigt werden, man kann sich nicht mit allen Mitarbeitern anfreunden und Überstunden sind auch keine Seltenheit. Neben der Arbeit hat man nur selten noch Zeit andere Hobbies auszuüben und auch Freundschaften können darunter leiden.

Echte Charaktere

Durch die vielen unterschiedlichen Charaktere ist es möglich, die Tücken der Animeproduktion nicht nur aus einer, sondern mehreren Perspektiven zu beleuchten: Auf der einen Seite ist es – aus Aois Augen – schrecklich, wie der Regisseur Kinoshita arbeitet, auf der anderen Seite steht er so sehr unter Druck, dass man auch ihn verstehen kann. Trotz des riesigen Casts schafft es „P.A. Works“ jeder Figur individuelle Charakterzüge zu geben. Fast jeder hat eine interessante Hintergrund-Geschichte, der zu folgen es sich lohnt. Jeder Charakter in Shirobako bietet sich sehr gut als Identifikationsfigur an, da er auch Fehler hat. Aoi, ihre Kollegen, die Vorgesetzten und der Regisseur; sie alle entscheiden sich nicht immer richtig, wodurch viele Probleme auftauchen. Dadurch fühlt man mit ihnen noch stärker mit, da sie wie echte Menschen wirken.

Es passiert selten dass –wie in diesem Anime Aoi- 20- bis 30-jährige Frauen der Fokus eines Anime sind. Meistens stehen Männer oder High-School-Schülerinnen im Vordergrund. Dabei zeigt Shirobako ganz genau, warum es durchaus interessant ist, auch ältere Mädchen zu beleuchten. Sehr viele Animefans befinden sich selbst in dem Alter und können deshalb die Probleme der Figuren nachvollziehen und so mit ihnen sympathisieren. Eine große Rolle spielt auch das Charakter-Design. Insbesondere die Mädchen sind sehr süß gezeichnet und wechseln häufiger ihre Outfits, die die Persönlichkeit widerspiegeln. Andere „Moe-Anime“ haben häufig das Problem, dass viele Charaktere sehr ähnlich aussehen. Durch die unterschiedlichen Kleidungsstile und das Design generell tritt dieses Problem bei Shirobako nicht auf.
Die Anime-Industrie

Neben all den genannten positiven Aspekten gibt es noch einen weiteren Punkt, weshalb Shirobako bei Fans so erfolgreich war: Der Blick in die Anime-Industrie. Für Außenstehende ist es nur sehr schwer möglich zu erfahren, wie ein Anime produziert wird. Man muss sich auf Berichte und Interviews verlassen. Darin erfährt man häufig wie alles „formell“ funktioniert, was für eine realitätsnahe Abbildung aber nicht ausreichend ist. Die informellen Strukturen der Produktionsfirmen sind für normale Fans nicht einsehbar. Shirobako zeigt genau dies: Personen, die selbst in einem Animationsstudio arbeiten veröffentlichen einen Anime, dessen Entstehung bis ins Detail gezeigt wird. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Informationen, die der Anime wiedergibt der Wahrheit entsprechen. Besonders interessant sind die Situationen, in denen die Charaktere Herausforderungen überwinden müssen.

Shirobako ist jedoch keine einfache Dokumentation; dies wäre sicherlich zu trocken. Vielmehr ist es eine Hommage an die Anime-Industrie. In vielen Szenen verstecken sich kleine Anspielungen an echte Produktionsstudios, Anime und Personen. Das hilft, tiefer in die Welt einzutauchen. Wichtig dabei ist, dass – ähnlich wie in dem Manga Bakuman – nicht nur die positiven Aspekte der Industrie dargestellt werden. Vielmehr sieht man, dass sich die Arbeit in einem Animationsstudio nicht stark von der in einer anderen Firma unterscheidet. Viele Mitarbeiter wissen selber nicht einmal warum sie überhaupt in der Anime-Szene gelandet sind; hier arbeiten also nicht nur Otakus.

Der einzige negative Punkt von Shirobako ist, dass nicht besonders viel Spannendes passiert. Freunde von Action- oder Fighting-Shounen Anime sind hier definitiv an der falschen Stelle. Man sollte nicht erwarten, dass man sich einfach berieseln lassen kann. Es werden auch keine moralischen Fragen (wie beispielsweise bei Death Note) gestellt. Die Serie wirkt so, als ob das Leben einer echten Mitarbeiterin eines Animationsstudios gefilmt wurde. Lediglich die Szenen mit Aois Plüschtieren unterbrechen den „Realismus“ der Serie und stören dadurch sogar ein wenig.

Schwer zu übersetzen?

Ich war der deutschen Übersetzung gegenüber sehr skeptisch, da im Anime viele unterschiedliche Berufe und Fachbegriffe übertragen werden müssen, um Shirobako vernünftig zu lokalisieren. Glücklicherweise haben die G&G Studios einen sehr guten Job gemacht und es geschafft, die richtige Mischung aus Übersetzungen und dem Beibehalten der originalen Begriffe gefunden. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, weil Animefans sehr häufig eher die englischen oder japanischen Bezeichnungen kennen (z.B. „Moe“ oder „Key Frames“). In der deutschen Version von Shirobako werden glücklicherweise nur selten Übersetzungen genutzt, die etwas unpassend wirken (zum Beispiel „Schlüsselzeichner“ als Berufsbezeichnung in Episode 5).

Die Synchronsprecher machen insgesamt eine gute Arbeit, wobei angemerkt werden muss, dass die Aussprache japanischer Begriffe von einigen Sprechern nicht immer perfekt ist. Wenn man die japanische Synchronisation gewöhnt ist, dauert es auch einige Zeit bis man sich an die deutschen Sprecher gewöhnt hat. Wie leider häufiger in deutschen Versionen sprechen die Nebencharaktere etwas zu monoton und wirken dadurch in einigen Szenen gelangweilt.

Für Fans von Anime!

Mit „Shirobako“ hat KSM-Anime eines der großen Anime-Highlights der letzten Jahre nach Deutschland geholt. Abgesehen von dem eher schwachen Einstieg in Episode 1 konnte ich keine großen Kritikpunkte finden. Denn auch ohne große Spannungsmomente und ohne Action weiß dieser Anime durch seine realistische Darstellung, sympathischen Charaktere sowie die hohe Informationsdichte zu überzeugen. Aoi Miyamori ist eine junge Frau, die gerade ins Arbeitsleben eingestiegen ist. Durch die realgetreue Darstellung kann man relativ schnell eine starke Bindung zu den Charakteren aufbauen. Besonders Personen, denen „Hanasaku Iroha“ oder „Sakura Quest“ gefallen haben, werden Shirobako lieben.

Ich würde jedem deutschen Animefan empfehlen, sich Shirobako zu kaufen. Erstens können sie nur dadurch wirklich erfahren, wie eine Animeserie entsteht und zweitens würden gute Verkaufszahlen der Serie zeigen, dass sich nicht nur bekannte Marken (wie Naruto oder Attack on Titan) oder Action-Serien in Deutschland durchsetzen können, was im Umkehrschluss dazu führen könnte, dass mehr Anime unterschiedlicher Genre eine deutsche Fassung erhalten.

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Autor: Shin
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