Platinum End Band 3

Platinum End Band 3

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© 2016 Takeshi Obata, Shuueisha Inc.

Daten:

  • Autpren: Takeshi Obata (Zeichnungen), Tsugumi Ohba (Story)
  • Verlag: Tokyopop
  • Status: Fortlaufend – bisher 7 Bände erschienen, 5 davon in Deutschland
  • Leseempfehlung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • In Deutschland erschienen ab: November 2016
  • Preis: 6,95 €
  • ISBN: 978-3-8420-3544-7

Vor kurzem veröffentlichten wir eine Review zu „Bakuman“, dem Erfolgsmanga von Takeshi Obata und Tsugumi Ohba. Nach dessen Ende war es lange Zeit sehr still um das geniale Duo geworden. Seit November 2015 erscheint nun aber endlich ihr neuestes Werk namens „Platinum End“. Im Gegensatz zum Vorgänger läuft diese Geschichte aber nicht im Shounen Jump, sondern im Jump Square-Magazin, welches nur monatlich erscheint, weshalb es auch länger dauert bis neuer Lesestoff erscheint. Seit November 2016 erscheint der Manga auch in Deutschland bei Tokyopop. Das Team hat uns netterweise den dritten Band zur Verfügung gestellt, welchen ich Euch nun einmal vorstellen möchte.

Die Handlung

Für Personen, die die ersten zwei Bände nicht gelesen haben, fasse ich im Folgenden die Grundgeschichte von „Platinum End“ zusammen: Der Student Mirai Kakehashi hat kein besonders schönes Leben. Seine Eltern sind bereits verstorben, weshalb ihn sein Onkel und seine Tante aufziehen. Da diese ihn sehr schlecht behandeln möchte er sein Leben eines Tages beenden, wird aber von dem Engel „Nasse“ am Suizid gehindert. Relativ schnell erfährt Mirai, dass Nasse dies nicht aus Zufall getan hat: Er soll an einer Art Spiel teilnehmen. Da der alte Gott seinen Dienst ablegen möchte, wird ein neuer gesucht. Hierfür wurden von unterschiedlichen Engeln 13 Kandidaten erwählt, die in den nächsten 999 Tagen beweisen müssen, dass sie ein guter Gott wären. Einige der Charaktere schrecken dabei nicht davor zurück Alles zu tun, um diesen Kampf zu gewinnen. Eine wichtige Rolle spielt dabei Mirais heimlicher Schwarm Saki Hanakago, die selbst auch ein Gotteskandidat ist.

Ab hier wird der Inhalt des dritten Bands kurz vorgestellt, es finden sich also leichte Spoiler zu den ersten beiden Bänden im folgenden Abschnitt.

Nachdem Mirai und Saki die grausamen Taten des Metropoliman mitansehen mussten, sind sie erst einmal nach Hause gerannt, um die gesehenen Szenen zu verarbeiten. Hierfür bleibt ihnen aber keine Zeit, da ein weiterer Kandidat an ihr Fenster klopft: Nanato Mukaido. Dieser wirkt auf den ersten Blick verdächtig, scheint im Endeffekt aber doch gute Absichten zu haben. Er denkt, dass die Taten des Metropoliman falsch sind und möchte gemeinsam mit Mirai und Saki diesen zur Strecke bringen.

Endlich Action!

Die ersten beiden Bände von „Platinum End“ habe ich sehr unterschiedlich gesehen. Auf der einen Seite hat mir die Grundidee der Geschichte gefallen, die Umsetzung fand ich aber etwas langsam (jedenfalls in den Kapiteln 2 bis 5). Nachdem mir das erste Kapitel sehr gut gefallen hat, werden im Rest der beiden Bände größtenteils Konzepte sowie neue Charaktere vorgestellt. Ähnlich wie bei „Death Note“ schafft es Ohba zwar, eine sehr interessante Umgebung zu schaffen, die Einführung ist aber weitaus weniger spannend, als in dem vielleicht größten Hit des Mangaka-Duos.

Glücklicherweise ändert sich dies im dritten Band. Ähnlich wie das das sechste Kapitel, in dem erstmals die Geschichte wirklich Fahrt aufnehmen kann, stehen insbesondere in Kapitel 8 und 9 Konfrontationen zwischen den Charakteren im Vordergrund. Hierdurch spürt man als Leser das erste Mal, dass die Hauptcharaktere wirklich in Gefahr sind, wodurch die Spannung rapide ansteigt.

Nebencharaktere stehlen die Show

Das größte Problem von „Platinum End“ sind meiner Meinung nach aber die Hauptcharaktere. Schon in „Bakuman“ arbeitete Ohba mit eher schwächeren Hauptcharakteren. Dies passte dort jedoch sehr gut, da die Geschichte weitaus realistischer anmutete, weshalb man sich als Leser einfacher in die „normalen Figuren“ hineinversetzen konnte. Zusätzlich war die Dynamik zwischen Mashiro und Akito so interessant, dass man ihre Schwächen vergessen konnte. Dies funktioniert im neuen Werk leider nicht so einfach.

Mirai ist ein eher stereotypischer Shounen-Manga-Protagonist – vergleichbar mit Yukiteru Amano aus „Mirai Nikki“. Er ist ziemlich ängstlich, schüchtern und besitzt auch sonst wenige hervorstechende Eigenschaften. Dadurch, dass man erfährt, wie grausam sein Onkel ihn behandelt hat, kann man zwar gewisse Sympathien ihm gegenüber entwickeln, in vielen Situationen sind seine Entscheidungen aber sehr fragwürdig In einigen Punkten, beispielsweise bei der Nutzung seiner Pfeile, sogar stark unverständlich und nervig. Auch seine Freundin Saki ist bisher leider langweilig, da sie noch zu sehr „Damsel in Distress“ ist und wenig Eigeninitiative zeigt.

Viel interessanter sind glücklicherweise die anderen Charaktere. Die bisher vorgestellten Engel unterscheiden sich alle sehr stark voneinander. Während Mirais Engel Nasse lieb und süß wirkt, ist Sakis Engel (Revel) bisher sehr rational und planend. Die verschiedensten Beziehungen zwischen den Engeln und den Charakteren gehören aufgrund dieser Unterschiede bisher zu den Highlights des Manga. Doch auch die anderen Gotteskandidaten gefielen mir weitaus besser als die Hauptcharaktere.

Sehr hervorstechend ist für mich der bisherige Antagonist Metropoliman. Im Gegensatz zu Mirai besitzt er wenig Moral. Sein einziges Ziel ist es, den Kampf gegen die anderen Kandidaten zu gewinnen und so schnell wie möglich Gott zu werden. Er agiert bisher sehr intelligent und ist deshalb den anderen Charakteren immer wieder einen Schritt voraus. Nach dem wirklich guten sechsten Kapitel legt der dritte Band glücklicherweise den Fokus stärker auf diesen Charakter und seine Motivationen. Mit ihm zeigt Ohba wieder einmal, dass er ein Meister darin ist, Antihelden zu erschaffen, die ein komplett anderes – oder gar kein – Moralverständnis besitzen. Doch auch andere Figuren wie beispielsweise Mukaido (der direkt zu Beginn des dritten Bandes auftaucht) helfen der Geschichte, da sie die Hauptcharaktere dazu bringen, Risiken einzugehen.

Eine simple Welt mit großem Potential

Die wohl größte Stärke des Manga ist seine Prämisse. Ohba hat ein sehr simples Konstrukt mit nur wenigen Regeln geschaffen, das aber großes Potential besitzt. Gedankenkontrolle ist ein sehr interessantes Konzept – wie beispielsweise „Code Geass“ schon zeigte. Glücklicherweise ist das Zeichnerduo sehr präzise bei der Formulierung dieses Konzeptes, weshalb bisher alles innerhalb diesem Regelwerk schlüssig erstellt wurde, ohne Handlungslücken entstehen zu lassen. Ein kleines Problem ist, dass bisher das volle Potential der Fähigkeiten noch nicht ausgenutzt wurde. Man kann nur hoffen, dass dies in den späteren Bänden der Fall sein wird.

Eine Besonderheit des Manga ist, dass seine Kapitel relativ lang sind (über 60 Seiten), was bestimmt der Tatsache geschuldet ist, dass dieser in Japan nur monatlich erscheint. Dies bietet den Autoren mehr Zeit. Beispielsweise können die Hintergrundgeschichten der einzelnen Charaktere besser aufgearbeitet werden. Auf der anderen Seite unterscheidet sich das Pacing von „Platinum End“ deshalb auch stark von dem anderer Shounen-Manga. In diesen erwartet man in fast jedem Kapitel neue Entwicklungen, spannende Kämpfe oder andere Highlights. „Platinum End“ muss dies nur alle 60 Seiten liefern. Dies kann man auch im dritten Band feststellen: Die Handlung schreitet zwar voran, doch nach dem Ende des neunten Kapitels ist weitaus weniger passiert als man von Konkurrenten gewöhnt ist. Dies macht den Manga zwar nicht langweilig, man sollte sich aber darauf einstellen, dass die Handlung etwas langsamer voranschreitet.

Zeichnungen vom anderen Stern

Takeshi Obata ist wohl einer der einflussreichsten Mangaka unserer Zeit. Er zeichnete drei sehr erfolgreiche Serien („Hikaru no Go“, „Death Note“ und „Bakuman“) und stellte sogar andere erfolgreiche Zeichner (beispielsweise Yusuke Murata – bekannt durch „One Punch Man“) als Assistenten ein. Auch in „Platinum End“ zeigt er, warum er so viele erfolgreiche Serien zeichnen konnte.

Das Charakter-Design wirkt auf den ersten Blick etwas simpel, zutreffen tut dies aber nur auf Mirai und Saki. Die Engel, aber auch die Nebencharaktere wurden alle sehr schön detailliert gezeichnet und ähneln keinen bestehenden Charakteren aus anderen bekannten Manga. Sogar so ausgelutschten Konzepten wie Superheldenanzügen kann Obata eine ganz spezielle Note geben. Eine weitere Stärke des Manga ist – ähnlich wie bei Death Note – die Beleuchtung. Noch stärker als bei „Death Note“ nutzt Obata in diesem Manga unterschiedliche Licht- und Schattenverhältnisse, um Spannung aufzubauen. Auch die Hintergründe sind sehr schön gezeichnet.

Eine Empfehlung mit „aber“

Ich muss sagen, dass mir der dritte Band von „Platinum End“ insgesamt gut gefallen hat. Nachdem die ersten beiden Bände eher langsam waren, ist das Pacing hier glücklicherweise schneller geworden. Weiterhin wurden mehrere neue, interessante Charaktere eingeführt, die die eher schwächeren Hauptcharaktere in den Hintergrund rücken lassen. Die Qualität von den Vorgängern „Bakuman“ oder „Death Note“ kann „Platinum End“ bisher aber noch nicht erreichen. Hierfür hat die Geschichte noch zu viele Schwächen.

Bisher lässt sich nur eines sagen: „Platinum End“ hat auf jeden Fall Potential. Die Prämisse ist spaßig und die Zeichnungen sind sehr gut. Es stellt sich nun die Frage, wohin sich die Story entwickelt. Eine große Rolle werden hier sicher die Kämpfe (physisch sowie psychisch) einnehmen. Ich rate jedem Fan von „Mirai Nikki“, „Death Note“ oder ähnlichen Manga, auf jeden Fall einmal in die ersten drei Bände reinzuschauen.

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About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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