Nagi no Asukara Volume 1

Nagi no Asukara Volume 1

Startseite » Review » Drama » Nagi no Asukara Volume 1
nagi-no-asukara1-bd-1
© 2013 Project-118/Nagi no Asukara Production Committee.

Daten:

  • Regisseur: Toshiya Shinohara
  • Sprache: Japanisch (DTS-HD Master Audio 2.0), Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
  • Studio: KSM Anime
  • Erscheinungstermin: 15. März 2018
  • Produktionsjahr: 2013
  • Spieldauer: 142 Minuten
  • Preis: 44,99 € (Blu-ray), 42,99 € (DVD)

Lange Zeit war KSM Anime insbesondere für Action-Anime bekannt. Spätestens seit der Veröffentlichung von Shirobako haben sie aber bewiesen, dass sie sich auch in andere Genre-Gefilde trauen. Mit „Nagi no Asukara“ erscheint einer der beliebtesten Slice of Life/Drama Anime der letzten Jahre nun auch endlich in Deutschland. Das erfolgreiche Werk von Studio „P.A. Works“ (bekannt durch Angel Beats! oder Tari Tari) und Regisseur Toshiya Shinohara (bekannt als Regisseur der Inuyasha Filme und „Black Butler“) konnte in Japan schon viele Fans begeistern. Ab dem 15. März dürfen sich auch die deutschen Anime-Liebhaber auf die ersten sechs Episoden freuen.

Unter dem Meer!

Lange Zeit vor der Handlung von „Nagi no Asukara“ lebten alle Menschen der Erde unter Wasser. Hier bauten sie Häuser und lebten ihr Leben genauso, wie wir es vom Land kennen. Für einige Bewohner war die Unterwasserwelt aber nicht genug: Sie wollten die komplette Erde kennenlernen und an Land leben. Auf den ersten Blick würde man denken, dass dies nicht problematisch sei, mit der Zeit entfernten sich die Land- und Wasserbewohner aber immer weiter voneinander, bis sie getrennt voneinander lebten.

Unsere vier 14-jährigen Hauptcharaktere leben noch im Wasser, hatten bisher aber kaum Probleme mit Landbewohnern, da sie nur sehr selten Kontakt zu diesen haben. Das ändert sich schlagartig, als sie erfahren, dass ihre Mittelschule schließt und sie deshalb nun die Mihama Mittelschule auf dem Land besuchen müssen. Relativ schnell merken sie, dass hierdurch weitaus mehr Probleme folgen, als sie erwartet haben. Der Anime zeigt, wie die Freunde Hikari, Manaka, Chisaki und Kaname versuchen, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen. Hierbei spielen insbesondere ihre Beziehungen zu den Landbewohnern sowie ihre aktuelle Lebensphase der Pubertät eine besondere Rolle.

Eine atemberaubende Welt

Meinen ersten Kontakt mit „Nagi no Asukara“ kann ich nur mit einem Ausdruck beschreiben: „Wow!“. Der Anime schafft es beeindruckend gut, seine Welt vorzustellen. Zu Beginn fragt man sich noch, warum Fische in der Luft schwimmen können, relativ schnell kann man aber erahnen, dass diese Serie nicht (nur) auf der Erdoberfläche spielt. Nach und nach sieht der Zuschauer schon in der ersten Episode, welche Eigenarten das Leben unter dem Wasser mit sich bringt: Der wichtigste Unterschied ist, dass man schwimmen und somit bestimmte Orte viel schneller erreichen kann als die Landbewohner.

Bereits in den ersten Episoden spielt „Nagi no Asukara“ mit vielen Elementen seiner Welt und nutzt die Möglichkeiten eines „Unterwasser-Anime“ sehr gut aus. Manaka wird beispielsweise zu Beginn von Uroko, dem Beschützer des See-Dorfs verflucht. Entgegen jeder vorstellbaren Art eines handelsüblichen Fluches wächst ihr daraufhin einfach ein Fisch aus dem Knie! Da sie im Wasser lebt, kann dieser natürlich auch an ihrem Körper überleben und ihr das Leben schwer machen. Die Unterschiede zwischen den beiden unterschiedlichen Lebensräumen werden noch einmal besonders deutlich, nachdem die vier Freunde die Oberfläche betreten haben und diese wegen der Schule öfter besuchen.

Trotzdem wirkt Alles aber auch unglaublich realistisch; die Menschen haben einen ähnlichen Lebensstil wie wir es aus der normalen Welt gewohnt sind, weshalb die Charaktere nachvollziehbare Probleme haben und man sich deshalb besser in diese hineinversetzen kann. Sie ähneln eher normalen Schulkindern als beispielsweise Disneys „Arielle“. Die Welt funktioniert nur so gut, weil die Animationen der Hintergründe sehr detailliert und schön sind. Auch nachdem ich die erste Folge ein drittes Mal angestellt habe, habe ich immer noch neue Dinge gefunden, die mich erfreut haben. Dies ist sicherlich eine der größten Stärken der Serie.

Rassismus?

Die Unterschiede zwischen den Welten führen zu den verschiedensten Konflikten. Die vier Freunde wollen selbstverständlich lieber weiter in ihre alte Schule gehen, sind aber trotzdem auf die Umgebung an ihrer neuen Lernstätte gespannt. Dort angekommen erleben sie aber etwas Schreckliches: Die Kinder, die auf dem Land aufgewachsen sind, wollen nichts mit ihnen zu tun haben. Sie werden sogar von der Klassengemeinschaft ausgeschlossen, weil sie „nach Fisch riechen“ und „komisch“ sind. Nur ein einziger Mitschüler namens Tsumugu hilft den Kindern dabei, sich langsam an das Lernen in der neuen Schule zu gewöhnen. Sogar schon Grundschüler haben starke Vorurteile gegenüber Menschen aus dem Wasser und werfen den Freunden gemeine Kommentare hinterher- dabei wissen die meisten Landbewohner kaum etwas über das Leben unter dem Wasser. So wollen sie ihre neuen Mitschüler heimlich auch unbedingt einmal berühren, um zu wissen, wie sich das „Ena“ anfühlt, eine Art zweite Haut, die dafür sorgt, dass die Meeresbewohner unter Wasser überleben können.

Leider herrschen die Vorurteile nicht nur auf dem Land. Auch die Meeresbewohner wollen keinen Kontakt zu den „Anderen“ haben, ohne wirklich viel über sie zu wissen. Großer Hass und Abneigung sind zwischen den Völkern durch die Überlieferung der alten Geschichten entstanden, obwohl es eigentlich kaum noch Gründe dafür geben sollte, diese aufrecht zu erhalten. Das ist sicherlich einer der interessantesten Konflikte der Serie und spricht ein Problem an, welches wir in unserer heutigen Zeit wiederfinden: Sollen wir andere Personen nur aufgrund ihrer Herkunft verurteilen?

Die Frage wird in den ersten Episoden von „Nagi no Asukara“ zwar angerissen, aber nicht konsequent weitergedacht. Akari – Die Schwester von Hikari – versucht beispielsweise eine Beziehung mit dem Landbewohner Itaru einzugehen. Dies wird vom Anime zwar thematisiert, ich hätte mir aber gewünscht, dass diese verbotene Liebe noch stärker in den Vordergrund gerückt worden wäre. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Land versus Meer-Konflikte auch in den nächsten Volumes an Bedeutung gewinnen werden.

Die Charaktere

Ein Drama-Anime funktioniert natürlich nur, wenn die Charaktere gut geschrieben sind. Die ersten Episoden von „Nagi no Asukara“ werfen zwar noch einige Zweifel auf, es wurde aber dennoch eine vernünftige Basis gelegt. Besonders gelungen ist die Einführung der Charaktere in der ersten Episode. Wie in anderen Schul-Anime müssen die neuen Schüler sich vor ihrer Klasse vorstellen. Anstatt sie nur ihre Namen aufsagen zu lassen, kann man schon in dieser Szene durch die verschiedenen Arten der Vorstellung erkennen, auf welche Weise sich die Figuren unterscheiden.

Hierbei findet man auch typische Schul-Anime-Charaktere wieder: Hikari ist eher aggressiv und unbeherrscht, Manaka ist sehr schüchtern und emotional, Chisaki ist die Erwachsene und Kaname ist als eher gelassener Typ ein guter Ausgleich zu Hikari. Abgesehen von diesen Haupteigenschaften lernt man in den ersten Episoden die einzelnen Protagonisten auch noch etwas besser kennen. Trotzdem fehlt mir bisher die emotionale Bindung zu ihnen. Abgesehen von Hikari, dem neben Manaka bisher die meiste Aufmerksamkeit gewidmet wurde, wirken die anderen Figuren sehr blass und eindimensional. Da der Anime 26 Episoden besitzt, kann ich mir aber vorstellen, dass sich das im weiteren Verlauf noch ändert. Speziell Manaka ist mir bisher in einigen Szenen zu emotional. Sie handelt oftmals nicht wirklich glaubwürdig und nervt dadurch leider etwas. Ich würde mir wünschen, dass sie ihre Schüchternheit etwas ablegen kann. Ganz wichtig wäre mir insbesondere auch die Weiterentwicklung der zwischenmenschlichen Beziehung zwischen den vier Freunden und Tsumugu, wobei ich aber hoffe, dass sich hier kein typisches „Love-Triangle“ entwickelt, da man diese Art von Geschichte schon viel zu häufig in anderen Anime gesehen hat. Vielmehr würde ich mich freuen, wenn die weiteren Episoden die Konflikte zwischen den unterschiedlichen Lebensweisen noch stärker in den Vordergrund stellen und uns noch mehr vom Leben der anderen Figuren zeigen.

Das Drumherum

Ich habe schon ein großes Lob für die Hintergründe und die Darstellung der Welt ausgesprochen. Die Welt wirkt unglaublich lebendig und realistisch und erscheint so als ob sie wirklich irgendwann existiert hat. Die vielen witzigen Einfälle – zum Beispiel der Beginn der ersten Episode, in der Manaka von einem Fischer Boot gefangen wird – zeigen, dass unglaublich viel Energie in das Schaffen dieser Welt gesteckt wurde. Das Charakter-Design gefällt mir im Gegensatz zu anderen Titeln von P.A. Works („Shirobako“ oder „Angel Beats“) nicht so gut, insbesondere Hikari ähnelt mir vom Aussehen zu sehr bereits bestehenden Anime-Protagonisten. Im Vergleich mit der Arbeit anderer Studios ist aber auch dies immer noch mindestens durchschnittlich. Der Soundtrack fällt bisher noch nicht besonders auf, da er sehr ruhig ist. Das passt aber gut zur Atmosphäre des Anime.

Die deutsche Version gefällt mir insgesamt ganz gut, einige Kritikpunkte sollten aber trotzdem angebracht werden. Gefallen mir die Stimmen von vier der fünf Hauptcharaktere, kann ich mich mit Manakas deutscher Stimme (Liza Ohm) leider nicht wirklich anfreunden – insbesondere im Vergleich mit Kana Hanazawa im Original. Die Stimme wirkt im Gegensatz zu der ihrer anderen deutschen Kollegen etwas schwach. Dies passt zwar zu Manakas Charakter, ich hätte mir aber doch eine etwas stärkere Aussprache gewünscht, statt des vielen Gehauches und dem nahezu-Geflüstere. Zusätzlich ist die Aussprache einiger Begriffe negativ aufgefallen. Besonders erwähnenswert ist hierbei „Sushi“ – ein in Deutschland relativ häufig benutztes Wort, welches als „Zushi“ ausgesprochen wird. Wenn man bedenkt wie häufig der Begriff bereits im deutschen Alltag genutzt wird, ist dies für mich etwas unverständlich.

Erfreulich finde ich hingegen, dass das Opening mit Untertiteln ins Deutsche übersetzt wird. Dies ist ein großer Pluspunkt gegenüber Simulcasts von deutschen Streaming-Anbietern. Die Extras der Blu-ray sind vergleichbar mit denen anderer Serien. Trailer, Bildergalerien, das Opening sowie das Ending und das Original Promotion-Video sind für Fans zwar nett, mich konnten sie aber nicht wirklich lange begeistern.

Ein interessanter Start

Trotz einiger Schwächen und obwohl ich mich mit den Charakteren noch nicht so sehr angefreundet habe wie ich es gerne getan hätte, haben mir die ersten sechs Episoden von „Nagi no Asukara“ wirklich gut gefallen. Insbesondere das spannende Setting sowie die extrem schönen Hintergründe bringen mich dazu, mich auf die zweite Volume zu freuen. Wenn die Geschichte nicht zu sehr in Richtung „Kitsch“ abdriftet, sondern sich eher mit den interessanten Konzepten auseinandersetzt, könnte KSM Anime hier jetzt schon ein Highlight des Anime-Jahres herausgebracht haben.

Fans von „Shirobako“ oder „AnoHana“ sollten „Nagi no Asukara“ auf jeden Fall eine Chance geben! Ich würde mich freuen, wenn sich dieser Anime wirklich gut verkauft, da KSM Anime (und andere Publisher) dadurch erkennen könnten, dass auch Titel ohne Action und Ecchi-Elemente in Deutschland eine Chance haben.

Bewertung der ersten Volume: 7/10 Punkte

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

Kommentare (1)

  1. […] wir euch vor einiger Zeit die erste Volume von „Nagi no Asukara“ vorgestellt haben, ist Mitte April auch endlich die langersehnte zweite Volume erschienen. Nachdem […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *