March Comes in like a Lion

March Comes in like a Lion

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© 2016 Chica Umino,HAKUSENSHA/March comes in like a lion Animation Committee.

Daten:

  • Regisseur: Akiyuki Shimbō
  • Sprache: Japanisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Streaming-Plattform: Akiba-Pass
  • Publisher: Peppermint Anime
  • Erscheinungstermin: 01.10.2016
  • Produktionsjahr: 2016
  • Episoden: 22

Häufig gibt es Serien, die zwar sehr gut sind, aber nur selten von Fans wahrgenommen werden. „March Comes In Like A Lion“ gehört dazu. Der Anime lief ab Herbst 2016 im Simulcast auf Akiba Pass. Da die zweite Staffel der Serie in ein paar Tagen auf der neuen Streaming-Plattform „Wakanim“ laufen wird, möchten wir euch vorstellen, warum ihr die erste Staffel unbedingt nachholen solltet, wenn ihr sie noch nicht gesehen habt.

Ein einsamer Shogi-Spieler

„March Comes in like a Lion“ handelt von dem 17-jährigen Shogi Spieler Rei Kiriyama. Seine Eltern sowie seine Schwester verstarben bei einem Autounfall, weshalb er bei einem Freund seines Vaters, der auch ein sehr bekannter Shogispieler ist, aufgewachsen ist. Da er schon in der Mittelschule Shogi-Profi geworden ist, zog er nach seinem Abschluss zu Hause aus. Nachdem er sich anfangs dazu entschied, die Oberschule nicht zu besuchen, beschloss er nach einem Jahr doch in die Schule zu gehen.

Rei war schon immer ein eher ruhiger Mensch. Die größte Zeit seines Lebens verbringt er zu Hause mit dem Lösen von Shogi-Problemen und auch in der Schule konnte er bisher noch keine Freunde finden. Ernähren tut er sich größtenteils von Produkten aus dem Convenience-Store. Seine einzige Schulfreundschaft konnte er mit seinem Lehrer Lehrer Takahashi Hayashida aufbauen, der ein großer Shogi-Fan ist und deshalb die Karriere von Rei ganz genau beobachtet. Der Shogi-Spieler Harunobu Nikaido sieht sich selbst als bester Freund und größter Rivale von Rei; dieser versucht ihm aber größtenteils aus dem Weg zu gehen, da er es vorzieht alleine zu sein.

Den einzigen Kontakt mit der Außenwelt erhält er durch die Kawamoto-Familie. Die drei Schwestern Akari, Hinata und Momo haben sich mit ihm angefreundet und versuchen, ihn immer wieder aus dem Alltag zu ziehen. Insofern agieren die drei Schwestern als Ersatzfamilie. Akari – die größte Schwester – nimmt sogar eine Art Mutterrolle ein.

„March Comes in like a Lion“ zeigt die Entwicklung von Rei als Shogi-Spieler, aber auch als Mensch, in Beziehung zu den anderen Charakteren. Dabei steht insbesondere eine Frage im Raum: „Schafft es Rei, seine eigenen Emotionen zu verstehen?“

Ein Sportanime, der kein Sportanime ist

Es ist schwierig „March Comes in like a Lion“ zu empfehlen. Ähnlich wie bei „Hikaru no Go“ sind viele Fans schon zu Beginn skeptisch, da sie sich nicht für Shogi interessieren. Dabei müssen alle diese Personen wissen: „March Comes in like a Lion“ nicht nur ein Brettspiel-Anime. Vielmehr würde ich ihn als Coming-of-Age Geschichte beschreiben, deren Hauptcharakter gerne Shogi spielt.

Es wird zwar nicht unbedingt direkt erwähnt, es ist aber relativ eindeutig, dass Rei an Depressionen leidet. Im Gegensatz zu anderen Medien, die sich mit dem Thema beschäftigen, wird nicht immer ausgesprochen, wie schlimm es Rei geht. Der Anime schafft es, durch die Bildsprache und die Geschehnisse alles darzustellen, was gesagt werden muss. Ein Beispiel hierfür sind die ersten fünf Minuten der ersten Episode. Man kann an Reis Bewegungsablauf sowie seiner Mimik erkennen, wie es ihm wirklich geht, auch wenn er auf den ersten Blick nur „normale Dinge“ macht (beispielsweise sich anziehen).

Der Zuschauer fragt sich zu Beginn, warum es Rei so schlecht geht. Er verdient sehr viel Geld, ist eines der größten Shogi-Talente des Landes und hat mit den Kawamotos eine Art Ersatzfamilie, die sich um ihn kümmern. Trotzdem ist er nicht glücklich. Er hatte nie eine echte Familie, geschweige denn eine wirkliche Kindheit. Sein ganzes Leben ist Shogi gewidmet, obwohl er das Spiel nicht einmal mag. Er muss gewinnen, um Geld zu verdienen, wenn er dies aber tut, schadet er damit anderen Menschen, die auch ihr Leben für dieses Spiel aufgegeben haben. Da er ein sehr empathischer Mensch ist, macht ihn das traurig und verzweifelt. Da er aber außer Shogi gar nichts im Leben hat (die Beziehungen zu seinem „besten Freund“ sowie seinem Lehrer sind auch an das Spiel gekoppelt), muss er das Spiel weiterspielen.

Dabei wird eindeutig gezeigt, dass Rei nicht die einzige Person ist, die Probleme hat. Die anderen Charaktere der Welt haben häufig selbst große Schwierigkeiten, die sie überwinden müssen. Eine der größten Hürden für Rei ist, zu erkennen, dass andere Menschen auch Schmerz verspüren und dass es normal ist, diese zu haben..

Glücklich und Traurig liegen nah beieinander

Wie kaum ein anderer Anime schafft es „March Comes in like a Lion“ von einer Sekunde auf die nächste die Stimmung zu wechseln. Beispielseweise sieht man Rei in einer Szene verzweifelt durch diei Straßen schlendern, weil er wieder über sein Leben nachdenkt. Zufällig trifft er dabei die Kawamoto-Schwestern, die einkaufen waren und besucht sie daraufhin zu Hause. In dieser Wohnung wirkt die Serie dann eher wie eine fröhliche Slice of Life Geschichte à la Usagi Drop. Rei ist sehr gerne bei der Familie, kann es selbst aber nicht akzeptieren, da er denkt, diesen Familienalltag zu stören. Diese fühlen sich aber gar nicht gestört, sondern möchten einfach nur einen Freund finden. Diese Dynamik ist so interessant, weil Rei aus seiner „Shogi-Welt“ herausgezogen wird und gezeigt bekommt, dass es für ihn auch noch andere Gründe zum Leben gibt.

Ähnlich verhält sich seine Beziehung zu seinem großen Rivalen Nikaidou. Dieser möchte unbedingt Reis Freund sein und zeigt ihm auch damit, dass sein Leben – auch außerhalb von Shogi – einen Sinn hat. Auch Nikaidous Bruder Shimada offenbart Rei, dass er wichtig für andere Personen sein kann, indem er ihn in eine Shogi-Lerngruppe einlädt und immer wieder mit ihm spielen möchte.

All diese kleinen Situationen führen dazu, dass Rei sich im Laufe der Geschichte langsam wandelt. Abgesehen von einer Szene gibt es dabei keine Punkte, an denen sich Rei klar verändert. Vielmehr entwickelt er sich allmählich weiter und lernt von Episode zu Episode besser, auch die positiven Dinge im Leben zu sehen. Diese Entwicklung ist durch das Fehlen eines klaren „Veränderungspunkts“ weitaus glaubthafter. In vielen Anime gibt es diese klar definierten Punkte (beispielsweise der Tod eines anderen Charakters), im echten Leben gibt es diese aber häufig nicht. „March Comes in like a Lion“ wirkt dadurch weitaus realistischer als viele andere Anime.

Dass sich Rei nicht von 0 auf 100 verändert hat, erkennt man beispielsweise in den Szenen mit seiner Schwester Kyouko, die im späteren Verlauf der Serie auftaucht. Durch sie fühlt er sich an seine Vergangenheit erinnert und fällt bei ihrem ersten Auftauchen in seine alten Verhaltensmuster zurück.

Comedyelemente in einer Serie über Depressionen?

Wenn ich andere Personen finde, die „March Comes in like a Lion“ geschaut haben, sagen sie häufig: „Die Serie ist ja gut, aber es gibt zu viele Comedy-Elemente“. In den ersten Momenten wirken diese Comedy-Elemente wirklich fehl am Platz. Ob es nun der „Katzen-Shogi-Song“ ist, oder ob man sich über die Katzen der drei Schwestern ärgert, die wieder einmal ihre komschen Gedanken haben (in einigen Szenen, kann man in die Gedanken der Katzen schauen). Natürlich sind diese Szenen nicht so spannend wie die eher melancholischen Szenen, trotzdem sind sie eine gelungene Abwechslung. Komplett ohne diese Lichtmomente wäre das Schauen von „March Comes in like a Lion“ sicherlich weitaus weniger spaßig.

Ein Mensch besteht aus glücklichen und traurigen Augeblicken und es würde der Glaubwürdigkeit der Serie schaden, wenn man nicht auch diese spaßigen und eher albernen Szenen zeigen würde. Ich freue mich sogar immer, wenn ich Rei in einzelnen Momenten glücklich sehen kann. Wenn er diese nicht erleben könnte, könnte er sich nicht entwickeln und die Serie wäre langweilig.

Eine Starke Bildsprache

Wie man von Studio Shaft gewöhnt ist, sind die Animationen sehr gut gelungen. Reis Charakterdesign unterscheidet sich zwar nicht unbedingt von denen anderer Anime Hauptcharaktere, dies ist aber sicherlich so gewollt, da man als Zuschauer dadurch erkennt, dass er ein ganz normaler Mensch ist; deshalb muss er auch kein besonderes Design haben. Dieses eher „normale Design“ findet man bei fast allen Charakteren wieder. Positiv überrascht bin ich auch von Nikaidou, der zwar stark übergewichtig ist; abgesehen von seinem Körper wird dieses Übergewicht aber nur selten thematisiert. Er ist an erster Stelle ein Charakter, der nur zufällig dick ist, das gibt es in Anime selten.

Die restlichen Animationen befinden sich auf einem – wie man von Shaft gewohnt ist – hohem Niveau. Noch herausragender ist aber die Regieleistung von Akiyuki Shinbou (Regisseur von Madoka und der Monogatari Series) . „March Comes in like a Lion“ kommt in vielen Szenen komplett ohne Dialog aus. In einer Episode kann man beispielsweise die Morgenroutine des Nebencharakters Smith sehen. Hier erfährt man mehr über diesen Charakter als man durch 5 Gespräche hätte herausbekommen können. Doch auch die Shogi-Spiele selbst sind häufig genau so aufgebaut. Da sich die Spieler konzentriere, werden nur sehr wenige Worte während des Spiels ausgetauscht. Diese Szenen kommen manchmal sogar ohne Musik aus, wodurch – gepaart mit der Bildsprache – eine beklemmende Atmosphäre geschaffen wird, die darstellt, wie zermürbend diese langen Spiele wirklich sind.

Wenn Musik zu hören ist, ist sie großartig. Neben dem Soundtrack fallen insbesondere das erste Opening sowie das erste Ending von Bump of Chicken positiv auf.

Eine klare Empfehlung für jeden Animefan

„March Comes in like a Lion“ ist einer meiner absoluten Lieblingsanime. Der Anime hat so viele unterschiedliche Gefühle in mir ausgelöst wie es nur kaum ein anderer geschafft hat. Ich habe geweint, war glücklich, enttäuscht aber auch wütend. Jeder Charakter ist glaubhaft dargestellt und erhält eine eigene Hintergrundgeschichte, die dafür sorgen, dass man die Entscheidungen der Charaktere versteht.

Wer eine Abneigung gegenüber Sportanime hat, sollte sich von der Thematik des Anime nicht abschrecken lassen, da Shogi-Matches nicht im Vordergrund der Geschichte stehen. Der Anime hat mehr Ähnlichkeiten zu „Shigatsu wa Kimi no Uso“ als zu „Haikyuu!“. Fans von Dramen, Coming-of-Age Geschichten, Slice of Life Anime oder generell Animefans, die genug von Action-Serien haben, sollten unbedingt in „March Comes in like a Lion“ reinschauen.

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Autor: Shin
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