March Comes in like a Lion Season 2

March Comes in like a Lion Season 2

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© 2016 Chica Umino,HAKUSENSHA/March comes in like a lion Animation Committee.
© 2017 Chica Umino,HAKUSENSHA/March comes in like a lion Animation Committee.

Daten:

  • Regisseur(e): Akiyuki Shinbō
  • Sprache: Japanisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Streaming-Plattform: Wakanim
  • Erscheinungstermin: 05.10.2017
  • Produktionsjahr: 2017
  • Episoden: 22

Review March Comes in Like a Lion Season 2

Im Herbst 2016 lief die Serie „March Comes in Like a Lion“ auf AkibaPass. Auch wenn sie in Deutschland keine besonders große Aufmerksamkeit bekam, waren sich die Kritiker einig: Es ist eine der besten Anime-Serien der letzten Jahren (siehe beispielsweise die vielen Nominierungen bei den Crunchyroll Anime-Awards). Seit Herbst 2017 lief die zweite Staffel des Shogi-Anime auf der noch jungen Streaming-Plattform Wakanim.

In der folgenden Review möchte ich nun schauen, ob diese die Qualität des Vorgängers halten konnte.

Ein schwerer Weg zum Glück

Die zweite Staffel setzt genau nach den Ereignissen der ersten Staffel an (für eine Zusammenfassung empfehle ich euch meine vorangegangene Review. Der Anime begleitet immer noch den High-School-Schüler Rei Kiriyama und zeigt seinen Weg als Shogi-Profi. Dabei stehen abermals nicht unbedingt die Matches selbst im Vordergrund, vielmehr wird weiterhin beleuchtet, wie Rei es schafft, mit der Zeit seiner Depressionen Herr zu werden, um in der Folge irgendwann vielleicht ein normales Leben (das heißt ohne soziale Ängste) zu führen.

Hierbei spielen seine Freunde wieder eine große Rolle. Die Kawamoto-Schwestern helfen ihm dabei, eine Welt abseits des Shogis kennenzulernen, Harunobu Nikaidou ist sein erster wirklicher Freund und Kai Shimada agiert als eine Art Lehrer, der Rei zeigt, welches Potential in ihm steckt.

Welchen Herausforderungen Rei sich stellen muss und wie sein erstes Treffen mit dem besten Shogi-Spieler der Welt – Touji Souya – ausgeht, könnt ihr nur erfahren, wenn ihr euch die Serie selbst anschaut.

Schritt für Schritt

Schon in der ersten Episode sieht man, dass sich etwas geändert haben muss. Rei wirkt in der Schule weitaus fröhlicher als noch zu Beginn der ersten Staffel. Das zeigt, dass die Hindernisse, die er in der ersten Staffel überwinden musste, ihn positiv verändert haben. Er begann als ein einsamer, depressiver Shogi-Profi und ist nun fast ein normaler Schüler. Dies erkennt man in vielen kleinen Momenten der Serie. Musste er früher immer noch überredet werden, die Kawamoto-Familie zu besuchen, bringt er ihnen nun selbstständig Leckereien aus dem Convenience-Store vorbei. Auch in den Gesprächen mit seinen Kollegen aus dem Wissenschafts-/Shogi-Klub der Schule verhält er sich fröhlicher und kooperativer, als er es früher tat.

Glücklicherweise behält die Serie ihren Realismus bei. Anstatt eine 100-Grad-Wendung zu erleben, ist Kiriyama zwar wirklich ein anderer Mensch, im Inneren plagen ihn aber immer noch viele Probleme, die sehr einfach getriggert werden können. Schon zu Beginn der ersten Folge kann ein eher beiläufiger Kommentar des Klub-Chefs ihn fast zum Weinen bringen. Diese kleinen Momente der Schwäche helfen dabei, Rei zu einem glaubwürdigen Charakter zu machen. Denn meiner Meinung nach wäre es nicht realistisch, eine depressive Person zu zeigen, die innerhalb kurzer Zeit komplett geheilt wurde. Wie bereits die erste, schafft es auch die zweite Staffel perfekt traurige und witzige Momenten zu vereinen – dies spiegelt die Entwicklung von Rei sehr gut wider.

Trotzdem freut man sich als Zuschauer über jeden Schritt, den er vorwärts geht, weil man ihn schon seit langer Zeit begleitet. Man ist sich sicher, dass es noch sehr lange dauern wird, bis er alle seine Probleme überwunden hat, aber jeder dieser kleinen Momente fühlt sich besser an als seine Siege in den Shogi-Partien. In der Hinsicht ist die Geschichte von Kiriyama sehr gut mit der von Kousei aus „Your lie in April“ vergleichbar, nur dass „March Comes in Like a Lion“ die kleinen Erfolge noch viel stärker in den Vordergrund stellt.

Fokus auf andere Charaktere

Die zweite Staffel zeichnet sich besonders dadurch aus, dass Kiriyama nicht immer der Hauptfokus der Geschichte ist. Schon immer war der starke Cast eine der großen Stärken von „March Comes in Like a Lion“ (Das zeigen die auch die guten Werte bei den „Reddit Anime Awards“ in der Kategorie „Best Ensemble“), die zweite Staffel nutzt dies nun noch besser als die erste Staffel und schafft somit komplett unterschiedliche Episoden, die – je nach Fokus – eine ganz andere Atmosphäre vermitteln.

Ein Beispiel hierfür ist die Beziehung zwischen Gotou und Kiriyamas Schwester Kyouko. In der ersten Staffel lernte man beide Figuren aus der Sicht unseres Protagonisten kennen und bildete sich deshalb eher schlechte Meinungen zu diesen. Man sah nur Ausschnitte ihres Lebens und konnte ihre Verhaltensweisen deshalb nicht wirklich einordnen. Nachdem man mehr über sie erfahren hat, kann man ihre Handlungen nun besser nachvollziehen. Das führt nicht dazu, dass sie sympathisch werden, aber die Charaktere bekommen mehr Tiefe und heben sich von Standard-Bösewichten positiv ab.

Sehr beeindruckt war ich von dem Shogi-Spiel zwischen Yanaghihara und Shimada. Ersterer ist ein alternder Shogi-Profi, der versucht seinen letzten großen Titel zum zehnten Mal zu verteidigen, wohingegen Shimada – Kiriyamas Lehrer – endlich seinen ersten Titel gewinnen möchte. Über zwei Episoden erfahren wir haargenau, welche Gedanken sich in den Köpfen der beiden Spieler abspielen. Yanagihara haben wir bis zu diesem Spiel kaum kennengelernt, Shimada hingegen bekam schon in der ersten Staffel Aufmerksamkeit- trotzdem ist man sich als Zuschauer nicht sicher, wem man den Sieg wirklich gönnt.

„March Comes in Like a Lion“ schafft es also, in wenigen Episoden Charaktere so sympathisch wirken zu lassen, dass man ihnen gerne zusieht. Das habe ich in nur sehr wenigen anderen Serien bisher erleben können.

Ein realistischer Blick auf Mobbing

Die wohl wichtigste Nebenhandlung der zweiten Staffel zeugt von Hinas Schulproblemen. Nachdem sie einer Freundin geholfen hat, die von ihren Klassenkameradinnen gemobbt wurde, wurde sie zum neuen Opfer. Diese Geschichte erinnert sehr stark an das Schicksal von Shoya aus „A Silent Voice“. Auch er wird relativ unerwartet zum Mobbing-Opfer an seiner Schule und muss versuchen damit klarzukommen. Beschäftigt sich „A Silent Voice“ aber eher mit der Frage der Vergebung, steht in „March Comes in Like a Lion“ eher im Vordergrund, wie man es als Opfer schaffen kann, weiterzuleben.

Dabei bleibt „March Comes in Like a Lion“ sehr realistisch. Es gibt keine Universallösung und typische Strategien, die in anderen Auseinandersetzungen mit dem Thema häufig als Heilmittel propagiert werden, bedeuten keinesfalls eine mögliche Konfliktlösung für Hina. Sie freut sich zwar, wenn Kiriyama sich mit ihr unterhält und mit ihr redet, der Schulalltag holt sie aber doch recht schnell immer wieder ein und zeigt, dass es für sie derzeit nicht möglich ist, wirklich glücklich zu sein.

Betrachten viele anderen Medien nur die Schülersicht, sehen wir in diesem Anime auch die verschiedenen Gedanken, die ein Lehrer zu diesem Thema haben kann. Möchte Hinas alte Lehrerin das Problem am liebsten überhaupt nicht sehen und herunterspielen, nutzt ihr neuer Lehrer eine sehr clevere Strategie, um das Problem wirklich anzugehen. Diese Vielschichtigkeit zeichnet die Serie aus.

Langweiliges Shogi?

Man könnte denken, dass die Serie sich in verschiedene Nebenhandlungen verstrickt und dabei das Shogi-Spielen total vergisst. Dies ist aber glücklicherweise nicht der Fall. Kiriyama versucht in der neuen Staffel weiterhin eine neue Beziehung zum Shogi aufzubauen. Er möchte herausfinden, aus welchem Grund er das Spiel eigentlich spielt. Er merkt dabei relativ schnell, dass es nicht nur ein rein materieller Beweggrund sein kann, auch wenn er davon seine Miete bezahlt oder zeitweise plant, seiner Freundin Hina finanziell auszuhelfen.

Die Spiele selbst sind sehr spannend dargestellt. Auch wenn die Regeln im Laufe der ersten Staffel nur sporadisch erklärt wurden, kann man als Zuschauer spüren, wie eine Partie verläuft. Dadurch, dass nicht nur die einzelnen Züge, sondern die Charaktere, die gegeneinander spielen, im Vordergrund stehen, können auch Shogi-Neulinge die Duelle genießen. Alleine die Atmosphäre erzählt uns, wann ein harter Kampf auf dem Brett tobt oder auch, ob das Spiel eigentlich schon entschieden ist.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Wer andere Werke von Studio Shaft (beispielsweise „Bakemonogatari“) oder des Regisseurs Akiyuki Shinbou („Mahou Shoujo Madoka Magica“) kennt, kann erahnen, dass auch in „March Comes in Like a Lion Season 2“ die Bildsprache ein zentrales Kriterium ist. Jedes einzelne Element ist perfekt aufeinander abgestimmt. Die Charakter-Designs sind sehr schön und weich gezeichnet, wodurch die Figuren größtenteils sehr sympathisch wirken. Die Hintergründe gehören zu den schönsten der gesamten Anime-Welt, auch weil sie eine gewisse Wärme und Verträumtheit ausstrahlen.

Richtig stark wird „March Comes in Like a Lion Season 2“ aber in den Szenen, in denen die Emotionen der Charaktere dargestellt werden. Hier verändern sich die Farben, sodass der Zuschauer direkt erkennen kann, wie der Charakter sich fühlt – ohne dass etwas erklärt werden muss. Warme, kräftige Farben im Haus der Kawamotos zeigen, dass Rei sich hier geborgen fühlt und wirklich fröhlich sein kann, wohingegen sehr verschwommene Linien und ein dunkler Grundton eher für eine depressive Stimmung sprechen. Generell ist dies eine Stärke der Serie: Häufig werden keine Worte benötigt, um darzustellen, was gerade passiert oder wie jemand fühlt.

Auch der Ton weiß zu überzeugen

Der Soundtrack von „March Comes in Like a Lion Season 2“ passt sich den Animationen sehr gut an und schafft es, die Emotionen der Szenen noch weiter zu verstärken. Viele Musikstücke der ersten Staffel werden weiter genutzt, die neuen Stücke wissen aber auch zu überzeugen. Das erste Opening „Flag wo Tatero“ von „YUKI“ bewegt sich auf einem ähnlichen hohem Niveau wie das der ersten Staffeln und „Kafune“ von „Brian The Sun“, das erste Ending, wählte ich zu meinem Lieblings-Ending in 2017. Nur das zweite Opening von „UNSIN SQUARE GARDEN“ hat mir nicht so gut gefallen wie die restliche Musik des Anime.

Zusätzlich sollte unbedingt ein Lob an die Synchronsprecher ausgesprochen werden. Ohne die starke Performance von Kengo Kawanishi (bekannt als Satou Shouji aus „Food Wars“) wären Kiriyamas Szenen nur halb so beeindruckend wie sie sind, aber auch die anderen Synchronsprecher (speziell Nobuhiko Okamoto als Nikaidou) liefern eine starke Performance ab.

Eine Empfehlung für Jeden

Schon die erste Staffel von „March Comes in Like a Lion“ gehörte für mich zu den besten Anime, die ich jemals geschaut habe. Die zweite Staffel schafft das Kunststück, qualitativ noch etwas zuzulegen. Ich fühle in jeder Episode sehr stark mit, egal ob es Trauer oder Freude ist. Fans von Romance-Animes wie „Your Lie in April“, Slice of Life Serien wie „Usagi Drop“ oder generell gut geschriebenen Anime sollten Kiriyama und Co. eine Chance geben.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenige Personen diese Serie wirklich kennen und geschaut haben. Ich würde mich freuen, wenn sich mehr Leute an die Serie (und die erste Staffel) ran trauen würden- gerade auch um AkibaPass dafür zu honorieren, eine eher kleinere, unbekanntere Serie nach Deutschland gebracht zu haben. Für mich ist „March Comes in Like a Lion Season 2“ der beste Anime, der bisher in Deutschland erschienen ist und ich bin froh, dass ich diese Serie dank Wakanim und AkibaPass kennenlernen durfte!

Meine Bewertung: 10/10 Punkten

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About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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