Made in Abyss Volume 2

Made in Abyss Volume 2

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©2017 Akihito Tsukushi, TAKE SHOBO/MADE IN ABYSS PARTNERS. All rights reserved.

Daten:

  • Regisseur: Masayuki Kojima
  • Sprache: Japanisch (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 2.0)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Universum Film GmbH
  • Erscheinungstermin: 07. September 2018
  • Produktionsjahr: 2017
  • Spieldauer: 165 Minuten
  • Preis: 46,99€ (Blu-ray), 35,99€ (DVD)

Made in Abyss Volume 2

Vor einiger Zeit haben wir euch die erste Volume von „Made in Abyss“ vorgestellt. Am 7. September – pünktlich zur Connichi in Kassel – erschien nun auch die zweite Volume der Serie bei Universum Anime. Nachdem uns die ersten Episoden schon sehr gut gefallen haben, freuten wir uns sehr auf die letzten 6 Folgen des Anime. Kann auch die zweite Volume des „Anime des Jahres“ überzeugen? Das versuchen wir nun in der folgenden Review herauszufinden. Solltet ihr die erste Volume noch nicht kennen, empfehlen wir euch unseren Text zu dieser, da er einen ersten Einblick in die Geschichte gibt. Die folgende Review bezieht sich nur auf die Episoden 8 bis 13.

Weiter in die Tiefe

Reg und Riko befinden sich zu Beginn der achten Episode immer noch im Training bei Ozen. Diese hat ihnen versichert, dass sie keine Möglichkeit haben werden, in den tieferen Schichten des Abyss zu überleben, wenn sie nicht anfangen zu trainieren. Zu Beginn haben die Beiden noch so einige Probleme- in relativ kurzer Zeit finden sie aber Möglichkeiten zur Stärkung, die ihnen das Überleben sichern sollten. Nach dem Ende des schweren Trainings zeigt Ozen ihnen einen Brief. Das Schriftstück scheint von Lyza – Rikos Mutter – zu sein, es ist jedoch unmöglich, ihn zu öffnen. Er scheint in jedem Fall ein Hinweis darauf zu sein, dass Lyza wirklich noch lebt.

Ab der vierten Schicht sinkt das Überlebensrisiko aller Menschen gewaltig. Warum dies so ist, können Reg und Riko relativ schnell am eigenen Leib erfahren. Als Reg seine Waffe – den Einäscherer – gegen eine gefährliche, fliegende Kreatur einsetzen muss um Riko zu retten, ist diese daraufhin für zwei Stunden auf sich allein gestellt. Kam sie in den ersten Schichten noch relativ gut alleine zurecht, so muss sie schnell feststellen, dass das hier in den tieferen Gefilden nicht mehr so ist. Wie weit die Beiden es in das Abyss hinunter schaffen, wer die mysteriöse dritte Person aus dem Ending ist und was passiert, als ein richtig großes Monster die Beiden angreift, könnt ihr nur erfahren, wenn ihr euch die zweite Volume selbst anschaut!

Noch mehr Angst

Eine der großen Stärken des Anime war schon in der ersten Volume die Atmosphäre. Häufig kranken Abenteuer-Serien daran, dass die Hauptfiguren entweder zu stark, oder die Umgebung zu ungefährlich ist. Das führt dazu, dass man als Zuschauer nie wirklich Angst um die Protagonisten haben muss und deshalb immer genau weiß, dass sie wirklich ihr Ziel erreichen. „Made in Abyss“ hingegen zeigt schon in der ersten Episode wie gefährlich der Schlund wirklich ist. Gut gefallen hat mir dabei der Unterschied zwischen Episode 8 und 9. Fühlt man sich in der siebten Episode noch relativ sicher, da andere Menschen in der Nähe sind und man glaubt, die Monster einigermaßen zu kennen, ändert sich dies mit der neunten Episode schlagartig.

Relativ früh muss Reg seinen Einäscherer benutzen und lässt Riko in der Folge allein. Sie merkt sofort, dass sie kaum keine Chance hat, hier lange zu überleben. Ziemlich jedes Tier der Ebene versucht sie zu fressen und sie hat – trotz ihrer neuen Waffe, die sie von Ozen erhalten hat – keine Chance sich gegen diese zu wehren. Doch nicht nur die Tiere sind gefährlich: Auch der Fluch des Abyss wird in den unteren Schichten immer stärker. Dies alles führt dazu, dass Riko in gewissen Szenen ihre gute Laune verliert und nachdenklich wirkt. Das ist essentiell für das Vorankommen der Beiden, da Riko ohne diese Gedankenentwicklung zu unvorsichtig sein könnte.

Der Schatten des Abyss

Episode 10 bringt diese düstere und beklemmende Atmosphäre dann zum Höhepunkt. Reg und Riko werden von einem Gegner angegriffen der selbst für Reg nicht schlagbar ist. Es kommt wie es kommen muss: Riko wird von dem Angreifer schwerwiegend vergiftet. Die darauffolgenden Szenen zeigen die Schattenseiten des Abyss: Reg und Riko können sich zu keiner Sekunde sicher sein und der Anime beweist und dies in dieser Folge mit voller Wucht. Riko leidet durch die Vergiftung minutenlange Höllenqualen. Den Tod selbst sieht man in vielen Anime, aber das Leiden, welches Riko in dieser Episode verspürt, sieht man nur sehr selten in seinem Gesamtausmaß. Ich selbst habe beim Schauen dieser Episode unglaublichen Schmerz verspürt.

Das liegt ebenso an der sehr spannenden Erzählweise dieser Szenen. Auf der einen Seite sieht man Riko, die schreiend am Boden liegt und literweise Blut verliert, untermalt mit einer Musik, die den Zuschauer denken lässt, dass jeden Moment etwas Schlimmeres passieren kann. Auf der anderen Seite taucht man in Regs Gedankenwelt ein. Er hat zwei Möglichkeiten: Entweder er lässt Riko weiterhin Schmerzen erleiden, oder er hackt ihren Arm ab und versucht somit das Gift zu stoppen. Als sehr ängstlicher Charakter zögert er natürlich, möchte Riko aber auch nicht so sehr leiden sehen. Diese beiden unterschiedlichen Arten des Schmerzes führen dazu, dass es als Zuschauer kaum zu ertragen ist, die Episode wirklich weiter zu schauen. Man weiß aber auch, dass Reg dringend eine Entscheidung treffen muss, etwas was er bisher noch nicht gelernt hat.

Die Episode funktioniert nur so gut, weil man als Zuschauer in den vorherigen 9 Teilen starke Sympathien zu den beiden Figuren aufgebaut hat. Man hat sie kennengelernt und möchte, dass sie ihre Reise überstehen. Selten gab es eine Serie, die so hart dabei war, die Schwäche der Protagonisten zu zeigen. Den Beiden wird gegen Ende zwar geholfen (von einer hasenähnlichen Gestalt namens Nanachi), die Message der Episode bleibt aber klar: Der Abyss ist gefährlich und die Wahrscheinlichkeit, dass Reg und Riko die unterste Schicht lebendig erreichen, ist schwindend gering.

Die Ruhe vor dem Sturm?

Spannend ist, dass direkt mit dem Auftauchen von Nanachi die Stimmung des Animes viel fröhlicher und leichter wird. Zuvor in Episode 10 sah man noch zwei Kinder grausam leiden, in der nächsten Folge schon werden kleine Witze gerissen und man beginnt sich nach und nach wieder wohl zu fühlen. Das ist auch wichtig für den Verlauf der Geschichte. Auf der einen Seite möchte man zeigen, dass der Abyss unfassbar gefährlich ist, würde man aber lediglich von Gefahr zu Gefahr springen, könnte dies mit der Zeit langweilig sein und irgendwann auch zu Fragen bezüglich der Unbesiegbarkeit der Charaktere führen.

Nanachi kennt die vierte Schicht des Abyss so gut wie Riko damals die Erste. Deshalb hat sie weitaus weniger Angst als unsere Hauptfiguren. Sie weiß, welchen Tieren sie sich nähern kann und kann deshalb gelassener in der Welt leben. Auch die Zuschauer können etwas aufatmen. Die letzten Episoden der Volume sind dabei enorm wichtig für Reg und seine Entwicklung. Wie Ozen bereits sagte ist Reg zwar viel stärker, seine Psyche ist aber weitaus schwächer als die von Riko; er ist eigentlich noch ein Kind. Die Zeit, in der Riko ohnmächtig ist, hilft ihm dabei, hierüber nachzudenken und zu erkennen, in welchen Punkten er noch an sich zu arbeiten hat.

Ohne diese Einsicht hätte Reg – wie beim Abschneiden des Armes von Riko – sicherlich auch in späteren Situationen zu sehr gezögert und somit das Leben der Beiden aufs Spiel gesetzt.

Eine dunkle Vergangenheit

Der Zuschauer findet bald heraus, dass auch Nanachi nicht so glücklich ist, wie sie nach außen hin wirkt. Ihre Mitbewohnerin – ein wurmartiges Wesen namens Mitty – spielt dabei sicherlich die wichtigste Rolle. In der letzten Episode erfährt man mehr über die Vergangenheit der Freundinnen. Das führt auch dazu, dass man Nanachi als Figur immer besser versteht. Zu Beginn fragt man sich sicherlich, warum sie Reg und Riko überhaupt geholfen hat, mit etwas Hintergrundwissen kann man dies aber gut nachvollziehen.

Auch Nanachi ist letztendlich ein weiterer Beweis dafür, welche Auswirkungen der Abyss auf einen Menschen haben kann. All dies führt dazu, dass die 13. Episode – neben der zehnten – für mich die Beste der gesamten Serie ist. Der Anime schafft es, dass man – trotz der kurzen Laufzeit – auch starke Sympathien zu Nanachi und Mitty aufbaut. In einem Flashback erzählt er weitaus mehr als andere Animes (wie beispielsweise „Naruto“) in drei ganzen Episoden.

Das Ende der ersten Staffel hat mir auch sehr gut gefallen. Man sieht die Reise eines Pakets, das die drei gemeinsam zur Oberfläche schicken. Hierdurch gibt es ein kurzes Wiedersehen mit allen Schichten und deren Gefahren. Das schönste Bild ist dabei sicherlich das, welches die Stadt sowie den Abyss von weitem zeigt. Man sieht, wie groß der Abyss im Vergleich zu den Häusern ist und das untermauert, wie weit Riko und Reg es bisher schon geschafft haben.

Der Soundtrack bleibt das Highlight

Für eine genauere Beschreibung der technischen Aspekte verweise ich auf meine Review der ersten Volume. Die gute Animationsqualität blieb in dieser Volume glücklicherweise erhalten. Besonders Episode 10 ist technisch gesehen ein Höhepunkt. Häufig wird das Schmerzempfinden von Figuren in Anime sehr übertrieben dargestellt, in „Made in Abyss“ hingegen wirkt es viel realistischer. Der unglaubliche Detailreichtum in Rikos Mimik sowie den Wunden ist sicherlich ein Grund hierfür.

Der Soundtrack von Kevin Penkin besitzt das gleiche hohe Niveau wie in der ersten Volume. Auch hier hat mir besonders der Unterschied zwischen den düsteren und gefährlichen sowie den eher leichteren Momenten gefallen. Kevin Penkins große Stärke ist für mich, dass er die passende Musik zu jeder denkbaren Emotion erstellen kann. Auch die deutsche Synchronisation erfüllt die hohen Ansprüche, die in den ersten 7 Episoden gesetzt wurden. Linda Fölster als Riko schafft es, mich von Folge zu Folge noch mehr zu begeistern. Vergleicht man ihre eher hölzernen und übertriebenen Schreie aus den ersten Episoden mit der bloßen Angst und Verzweiflung aus Episode 10 merkt man, dass sie im Laufe der Aufnahmen wirklich viel gelernt und hat den Charakter noch besser angenommen hat.

Maximiliane Häcke als Nanachi (bekannt als Shuri aus „Black Panther“ oder die deutsche Stimme von Cara Delevingne) fügt sich gut in den Cast ein und schafft es, auch Nanachis emotionale Seite zum Vorschein zu bringen.

Fazit

„Made in Abyss“ wird nicht ohne Grund von vielen Fans als einer der besten Anime der letzten Jahre bezeichnet. Nur selten hat es eine Serie geschafft, ein Abenteuer so spannend zu erzählen. Wir verfolgen sympathische Figuren, die viele Fehler besitzen und deshalb alleine keine Chance zum Überleben hätten und wissen, dass jeden Moment jemand verletzt werden kann. Diese Anspannung und Atmosphäre ist – neben dem Reiz des Mysteriösen – die große Stärke der Serie.

Die zweite Volume hat uns noch einmal besser gefallen als die erste, weshalb wir uns sicher sind, dass „Made in Abyss“ eine der besten Neuerscheinungen der letzten Jahre in Deutschland ist. Wir freuen uns, dass Universum Anime sich die Lizenz dieses Anime gesichert hat und hoffen, dass viele Fans dies würdigen werden.

Solltet ihr Fans von „Hunter x Hunter“ sein oder generell Lust auf ein neues, aber hartes Abenteuer haben, müsst ihr euch „Made in Abyss“ unbedingt anschauen!

Meine Bewertung: 9/10 Punkte

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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