Made in Abyss Volume 1

Made in Abyss Volume 1

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©2017 Akihito Tsukushi, TAKE SHOBO/MADE IN ABYSS PARTNERS. All rights reserved.

Daten:

  • Regisseur: Masayuki Kojima
  • Sprache: Japanisch (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 2.0)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Universum Film GmbH
  • Erscheinungstermin: 03. August 2018
  • Produktionsjahr: 2017
  • Spieldauer: 168 Minuten
  • Preis: 46,99 € (Blu-ray), 37,99 € (DVD)

Made in Abyss

Bei den Crunchyroll Anime Awards 2017 gab es eine riesige Überraschung. Nachdem „My Hero Academia“ fast jeden relevanten Preis gewonnen hat, ging der Preis für den besten Anime des Jahres an die Serie „Made in Abyss“, die zu ihrem Start in Japan eher wenige Leute ernsthaft interessiert hat. Nur selten hat es eine Serie geschafft, von einem Geheimtipp so schnell zu einem Szene-Hit aufzusteigen. Eine Umfrage auf Reddit zeigt sehr gut, wie die Durchschnittsbewertung der Fans von 3,91/5 (als Erwartung vor der Season), auf eine 4,67 gestiegen ist. Der deutsche Publisher Universum Anime hat sich relativ schnell die Rechte zu diesem Anime gesichert. Ab dem 3. August 2018 können deutsche Fans deshalb die ersten sieben Episoden anschauen, nachdem wir – im Gegensatz zu der amerikanischen Community – die Serie leider nicht im Simulcast sehen konnten. Ob sie dem Hype gerecht wird, versuchen wir in der folgenden Review herauszufinden.

Eine Reise ins Ungewisse

Die Stadt Orth unterscheidet sich von vielen anderen Städten, die man kennt. In ihrem Mittelpunkt befindet sich eine riesige Schlucht, der sogenannte „Abyss“. Niemand weiß genau, wie diese Schlucht entstanden ist. Die Menschheit stellt sich aber seit Jahrhunderten schon eine Frage: Was befindet sich am Ende des Abyss? Aus diesem Grund reisen Viele in die tiefsten Tiefen des Abgrundes – sogenannte Schatzsucher. Neben unheimlichen Tierwesen und anderen Gefahren befinden sich hier die unterschiedlichsten Relikte vergangener Zeiten. Die Reise ist also sehr gefährlich. Besonders schädigend ist auch der „Fluch“ des Abyss. Umso tiefer man in den Abgrund eintaucht, desto schlimmere Schmerzen erleidet man, wenn man wieder zurück zur Oberfläche klettert. Von Übelkeit über Ohnmacht bis hin zum totalen Verlust menschlicher Züge kann alles passieren!

Die Hauptfigur der Geschichte ist die Schatzsucherin Riko. Sie ist ein 12-jähriges Waisenmädchen, das in einem Heim aufwächst. Wie viele andere Waisenkinder in ihrem Alter wird sie in diesem ausgebildet, um eines Tages zu einer Weißpfeife (die Auszeichnung für die besten Schatzsucher der Welt) zu werden. Als Tochter der legendären Weißpfeife Liza setzen Einige ganz große Hoffnungen in Rikos Zukunft. Eines Tages entdeckt sie im Abyss einen eigenartigen Jungen – Riko gibt ihm den Namen Reg –, der auf den ersten Blick stark wie ein Roboter aussieht und seine Erinnerungen verloren hat. Nachdem er ihr das Leben rettet, begeben sich beide zusammen zurück in die Stadt und auch er beginnt das Training zum Schatzsucher.

Als Riko eine Notiz ihrer verschollenen Mutter in die Hände fällt, beginnt sie gemeinsam mit Reg die Reise in die Tiefen des Abyss. Wie diese Reise ausgeht, erfahrt ihr, wenn ihr euch die Serie selbst anschaut.

Lasst euch überraschen!

Wenn man sehr viele Anime schaut, wird man nur selten von neuen Serien überrascht. Besonders Fantasy und Adventure-Serien hatten in den letzten Jahren das Problem, dass sie sich zu häufig auf bekannte Formeln verlassen haben. Durch den Erfolg von „Sword Art Online“ sind im Fantasy-Genre größtenteils Anime im MMORPG-Setting oder andere „Isekai“-Serien erschienen. Sie können zwar spannende Geschichten erzählen, nutzen aber größtenteils bekannte Regeln. Der Zuschauer weiß – solange er ähnliche Anime geschaut hat – welche Gefahren die Charaktere erwarten und welche Möglichkeiten es gibt, diesen aus dem Weg zu gehen. Man kann beispielsweise erahnen, dass am Ende eines Dungeons in einem MMORPG ein großer Endboss lauert.

„Made in Abyss“ schafft es, eine Welt aufzubauen, die sich nicht der bekannten Tropes und Klischees bedient. Der Zuschauer bereist – gemeinsam mit Riko und Reg – eine unbekannte Welt mit zahlreichen Gefahren. Genau wie die Protagonisten kennt man die wichtigsten Informationen zu den unterschiedlichen Schichten des Abyss, kann aber keinesfalls vorhersehen, wie diese real aussehen. Das führt dazu, dass man mit einer unglaublichen Neugier in jede Episode startet. Leben gefährliche Tiere hinter dem nächsten Baum? Was können Riko und Reg am nächsten Tag essen? All diese Fragen sind nicht so einfach zu beantworten wie beim Schauen anderer Anime.

Eine angsteinflößende Welt

Das führt dazu, dass man auch immer etwas Angst um die beiden Freunde hat. Relativ früh erfährt man, wie gefährlich der Abyss wirklich ist und weiß dadurch genau, dass jeden Moment ein Monster die beiden angreifen und auch töten kann. All dies trägt dazu bei, dass der Anime auch für den Zuschauer ein Abenteuer ist. Man wird in jeder Episode neu überrascht und kann somit nicht vorhersehen, was geschehen wird. Ein gutes Beispiel hierfür ist auch das Treffen mit der legendären Weißpfeife Ozen in Episode 6 und 7, das sicherlich anders verläuft als man es sich vorgestellt hat.

Dieses Gefühl vom Entdecken einer neuen Welt konnte mir bisher nur der Manga Hunter x Hunter geben. Auch hier leben viele unbekannte Lebewesen, deren Gesinnung man nur selten wirklich einschätzen kann. Teile der ersten und zweiten Schicht des Abyss erinnerten mich dabei besonders an das Schwindlernest aus der Hunter-Prüfung; auch hier wurde man als Zuschauer immer wieder von mysteriösen Tierwesen oder sogar Pflanzen überrascht. Es würde mich nicht überraschen, wenn der Mangaka von „Made in Abyss“ sich hier einige Inspiration geholt hat.

Simpel, aber komplex

Die Welt von „Made in Abyss“ funktioniert nur so gut, weil die Serie es schafft, in kurzer Zeit eine sehr spannende Prämisse aufzubauen, gleichzeitig das Szenario aber auch sehr glaubhaft darstellt. Die Geschichte der Serie ist im Grunde ziemlich einfach und erinnert eher an ein Videospiel. Der Abyss ist eine Art Dungeon mit unterschiedlichen Leveln, die man überstehen muss. Ist der Beginn noch relativ einfach, kann man ab dem dritten Level ohne Training (=Grinden) nicht mehr vorankommen. Diese Prämisse ist für jeden Zuschauer einfach verständlich. Dadurch wird nicht viel Exposition benötigt und die Folgen können sich auf andere Elemente konzentrieren.

Trotzdem sind die einzelnen Folgen nicht mit denen anderer eher simpler Fantasy-Geschichten zu vergleichen. Die Folgen laufen nicht nach einem „Schema F“ ab, sondern bieten jedes Mal etwas Neues. Alleine die sehr kreative Nutzung von Regs Roboter-Arm (ähnlich wie in den Videospielen der Reihe „Bionic Commando“) bietet in jeder Folge wieder neue Möglichkeiten der Anwendung. Riko und Reg müssen nicht nur von A nach B laufen, sondern können immer wieder neue Wege suchen, um abzukürzen. Dies ist vergleichbar mit der vorzufindenden Kreativität in Hakumei & Mikochi.

Ganbatte!

Normalerweise bin ich kein großer Freund von sehr jungen Protagonisten in Anime, „Made in Abyss“ schafft es aber, sympathische Kinder zu schaffen, die auf der einen Seite wirklich noch Kinder sind, denen man aber trotzdem anmerkt, dass sie in ihrem Leben schon einiges erlebt haben.

Riko ist sicherlich das beste Beispiel hierfür: relativ schnell denkt man, dass sie für ihr Alter schon relativ reif ist – welches 12-jährige Kind würde sich sonst trauen alleine Ausgrabungen zu machen? – durch weitere, einzelne Szenen merkt man aber auch, dass sie im Herzen ein kleines Mädchen ist. Der Anime charakterisiert Riko dabei nicht plump durch Erzählungen oder eine Backstory, sondern tut dies durch Interaktionen mit den anderen Charakteren. Ein Beispiel hierfür ist Rikos kindliche Neugier, die stark zum Vorschein kommt, als sie Reg das erste Mal sieht und ihn später im Waisenhaus gründlich untersucht. Die eher erwachsenen Charakterzüge wirken dabei nicht unpassend, weil Riko in dem Heim wirklich wie eine Art „Sklavin“ aufgezogen wurde und deshalb komplett andere Werte vermittelt bekommen hat als normale Kinder.

Reg ist, obwohl er viel stärker ist, noch eher ein Kind. Er ist nicht besonders intelligent – teilweise naiv – und eher schüchtern und ängstlich. Stürzt Riko sich in jedes Abenteuer, so versucht Reg sie häufig daran zu hindern. Dieses Zusammenspiel macht den großen Reiz des Anime aus. Man merkt immer wieder, dass sie Kinder sind und deshalb häufig noch Fehler begehen. Diese Fehler haben in der Welt jedoch fatale Konsequenzen; Riko wird beispielsweise fast von einem Monster getötet.

Es gibt sicherlich Momente in der Serie, in denen man Riko verflucht. Immer wenn die beiden in eine Gefahr geraten, war einer ihrer Fehler der Auslöser. Auf der anderen Seite besitzt sie jedoch viel mehr Wissen über den Abyss und kann somit Reg dabei helfen, Essen zu kochen oder Verstecke zu bauen. Insgesamt baut sich nach und nach zwischen den beiden eine sehr enge Freundschaft auf. Man merkt, dass sie einander benötigen, aber auch wirklich mögen. Aus diesem Grund hofft man auch als Zuschauer, dass niemandem der Beiden wirklich etwas zustößt und man kann eine sehr große Empathie zu ihnen entwickeln. Spätestens ab Episode 6 weiß man, dass die tieferen Schichten des Abyss weitaus gefährlicher sind, als man bisher gesehen hat und freut sich deshalb, dass Episoden 6 und 7 etwas Verschnaufpause bieten.

Moe-Charaktere in einer Welt voller Gefahren?

Die Zusammensetzungen der Animationen von „Made in Abyss“ passen auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen. Auf der einen Seite sieht man Charaktermodelle, die eher in eine Slice-of-Life /Moe Serie passen würden. Besonders Riko und Reg erinnern stark an die Charaktermodelle aus Hakumei & Mikochi.

Die eher simplen Zeichnungen führen aber dazu, dass die Zeichner mehr Zeit in die Emotionen der Figuren sowie in andere Details investieren können. Daneben sieht man eine extrem detaillierte Umwelt. Insbesondere die Luftaufnahmen, die häufig genutzt werden, um die Stadt Orth zu zeigen, sind atemberaubend, da man durch sie einen fantastischen Überblick über das Setting bekommt. Lobend erwähnen sollte man auch die unfassbar kreativen Monster und Tiere, die den Abyss bewohnen. Zeichner Kou Yoshinari (bekannt durch die Mitarbeit bei Evangelion 1.0 oder Kizumonogatari) hat hier neue Wesen erschaffen, die uns bekannten Tieren kaum ähneln. Jedes einzelne Haar und jeder Zahn wirken genau abgestimmt. Damit wurden furchteinflößende, neue Kreaturen erschaffen, die der Serie eine ganz besondere Atmosphäre verleihen.

Unterstützt wird dies auch vom Soundtrack des australischen Komponisten Kevin Penkin. Der junge Penkin arbeitete schon vor seinem Uni-Abschluss mit Legende Nobuo Uematsu zusammen (beispielsweise bei „Norn9“). Der Soundtrack schafft es, die gesamte emotionale Bandbreite des Anime wiederzugeben und somit jede einzelne Szene perfekt zu unterstützen. Vom eher fröhlichen Theme von Riko bis zum sehr furchteinflößenden Depths of the Abyss finden Fans von guten Soundtracks bei diesem Anime wirklich jedes Genre passend abgedeckt.

Eine fast perfekte deutsche Umsetzung

Wie von Universum Anime gewohnt kann man die deutsche Umsetzung der ersten Volume nur loben. Nach der ersten Folge war ich von Linda Fölster als Riko nicht besonders überzeugt. Sie versucht, Rikos Enthusiasmus durch vielerlei Schreien darzustellen, dies wirkte meistens aber sehr gestellt und etwas zu steif. Spätestens ab Episode 2 konnte ich diese Probleme aber nicht mehr feststellen. Generell sind die meisten Stimmen relativ hoch, schaffen es aber eine Stimmlage zu finden, die sich für den deutschen Zuschauer nicht piepsig anhört.

Positiv überrascht war ich auch von der Ausstattung der deutschen DVD. 7 Folgen auf einer Volume sind eine Seltenheit (für neuere Serien). Zusätzliche Inhalte wie das „Making of“ von Made in Abyss und ein Video zum Premieren-Event sind mehr als man von anderen Veröffentlichungen erwarten kann. Irritiert war ich nur vom Opening der Serie. Dieses hört sich etwas verzerrt und höher an. Ein Abgleich mit dem Song aus einer anderen Quelle zeigt, dass die Version auf der Blu-ray etwas kürzer – trotz des gleichen Inhalts – ist. Das lässt darauf schließen, dass hier bei der Übertragung etwas schief gegangen ist. Es hört sich auf jeden Fall für das Ohr nicht wirklich gerade und schneller als das Original an.

Eine klare Empfehlung

„Made in Abyss“ wird von allen Seiten gelobt. Ich denke, dass dies durchaus gerechtfertigt ist. Auch wenn die ersten drei Episoden etwas langsam wirken, habe ich beim Schauen dieses Anime so viel Spaß gehabt, dass ich nur sehr schwer aufhören konnte! Die Serie hat bisher eine sehr gute Grundlage dafür gelegt, ein heißer Kandidat auf den Titel „Beste Neu-Veröffentlichung des Jahres“ zu sein, da sie in allen Bereichen (Geschichte, Charaktere, Animation, Musik, Deutsche Umsetzung) absolutes Top-Niveau besitzt.

Wir freuen uns, dass „Made in Abyss“ in Deutschland veröffentlicht wird und hoffen, dass die Serie auch euch so sehr überzeugen kann wie uns. Wir freuen uns auf jeden Fall auf die zweite Volume!

Shins vorläufige Bewertung: 8,5/10 Punkte
Tsus vorläufige Bewertung: 9/10 Punkte

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

Kommentare (1)

  1. […] einiger Zeit haben wir euch die erste Volume von „Made in Abyss“ vorgestellt. Am 7. September – pünktlich zur Connichi in Kassel – erschien nun auch die […]

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