„Lady Oscar – Die Rose von Versaille“

„Lady Oscar – Die Rose von Versaille“

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© 1979 Riyoko Ikeda, TMS, KSM Anime

Daten:

  • Regisseur(e): Tadao Nagaham (Folge 1 – 18), Osamu Dezaki (ab Folge 19)
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • Anzahl Disks: 8
  • FSK: 12
  • Studio: TMS
  • Erscheinungstermin: 2009
  • Produktionsjahr: 1979
  • Spieldauer: 940 Minuten
  • Preis: 33,89€

So macht lernen Spaß. Geschichte kann im Schulunterricht ja doch manchmal dröge und langweilig sein. Das habe ich damals am eigenen Leibe erfahren müssen. Doch ein Thema fand ich wirklich spannend und auch heute kann ich die wichtigen Daten noch auswendig. Und zwar alles rund um die Französische Revolution. Diese Tatsache ist nicht meinem ach so bunten Geschichtsbuch geschuldet, sondern einem ganz besonderen Anime, den ich bis heute liebe und den ich dank KSM Anime noch einmal erleben durfte.
„Lady Oscar – Die Rose von Versaille“ liefert in 940 Minuten Spielzeit, verteilt auf 8 DVDs in einer schön anzusehenden Box alles, was man braucht, um lebendige Geschichte zu erleben.

Eine Frau steht ihren Mann

General de Jarjayes hat bereits fünf Töchter und wünscht sich nun endlich einen Stammhalter, der in der französischen Armee in seine Fußstapfen treten kann. Doch er wird enttäuscht. Oscar Francois de Jarjayes kommt als sechste Tochter zur Welt. Aber der Vater kann das nicht akzeptieren und so wächst Oscar alles andere als damenhaft auf. Fest entschlossen, dass der General zu seinem Erben kommt, wird Oscar als Junge erzogen, lernt reiten, fechten und wird mit 14 in die Armee aufgenommen. Dort bekommt sie nun bald eine ganz besondere Aufgabe. Sie soll sich um Marie-Antoinette, die junge Königin von Frankreich, kümmern.

Die ersten Jahre stellt Oscar ihr Leben nicht in Frage. Sie ist glücklich, als Mann und Gardeoffizier in der Gesellschaft anerkannt zu sein.
Aber dann verliebt sich Oscar das erste Mal. Wie kann sie es schaffen, den Männern auch ihre weibliche Seite zu zeigen? Und kann man sie auch als Frau wertschätzen?
Oscars eigenes Schicksal ist mit den Machenschaften und Schicksalen des Könighofs und mit der Politik verwoben. Die Geschichte von allen findet mit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 ein Ende, das nicht für alle glücklich ausgeht.

Von burschikoser Anmut und graziler Schönheit

Der Anime von 1979 ist natürlich in die Jahre gekommen. Nichts desto trotz sind die Zeichnungen mit Liebe zum Detail ausgearbeitet und alle Charaktere haben ihre eigenen Wesenszüge und Merkmale.

Die Hintergründe von Paris, dem Pariser Schloss, den Schlossgärten sind authentisch und man befindet sich ohne Zweifel in Frankreich im 18. Jahrhundert.
Die Charaktere heben sich gut ab, die Männer sind eher kantig gezeichnet und die Frauen weich und rund. Und Oscar ist tatsächlich etwas dazwischen. Durch ihre sehr kantige und gut strukturierte Uniform wirkt sie burschikos, jedoch merkt man ihr ihre weibliche Anmut an. Sie hat, obwohl sie in der Uniform steckt eine grazile, weibliche Schönheit.

Ich persönlich mag diesen Zeichenstil sehr.

Der Anime kommt sowohl bei den Protagonisten als auch bei den Hintergründen mit wenig Schnörkeln aus, und trotzdem wird die Atmosphäre des königlichen Frankreichs eingefangen.

Im Gegensatz zu den prunkvollen Schlössern, werden aber auch die Bürger der Stadt gezeigt und in Stories begleitet, die unter dem verschwenderischen Leben der Königsfamilie leiden. Diese heben sich in Stimmung und Zeichnung gut ab, so dass der Anime rein zeichnerisch schon viele Kontraste aufzeigt, die Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich herrschten.

Wie aus dem Geschichtsbuch

Die Geschichte von Lady Oscar spielt in der Französischen Revolution. Wir begleiten den Weg von Marie-Antoinette, wir erleben, wie sie sich dem Glückspiel hingibt, wie Steuern verschwendet werden, erleben die Liebeleien mit.
Und wir begleiten zum Beispiel Rosalie, die als Bürgerin von Frankreich unter den zu hohen Steuern leidet.
Der geschichtliche Hintergrund des Animes und auch die Protagonisten sind historisch belegt, wie ein Hans Axel von Fersen und Robes Pierre. Alle Daten und Fakten sind korrekt wiedergegeben und ermöglichen so eine Geschichte, die einfach lebendig wird.
Sogar einen General de Jarjayes gab es. Doch der hatte keine Tochter, die er zum Jungen erzogen hat, so dass Oscar und ihr Abenteuer eines der wenigen ist, was fiktiv hinzugedichtet wurde. Aber wie man auf der französischen Wikipedia-Seite über François Augustin Regnier de Jarjayes lesen kann, basiert die Geschichte von Oscar auf dem Leben von der historischen Person de Jarjayes.

 

Wer bin ich eigentlich?

Hauptprotagonistin Oscar erlebt natürlich die Fakten der französischen Revolution mit.

Doch sie hat eben auch ihr eigenes Päckchen zu tragen. Spätestens nach der Pubertät, als die ersten weiblichen Gefühle aufkommen, hinterfragt sie sich und ihre Erziehung. Wieviel Junge steckt in mir und wer möchte ich sein?

Und gerade heutzutage ist dieses Thema ja aktueller denn je. Genderfragen und Genderidentität ist in unserer Gesellschaft gegenwärtig, wie noch nie.
Wir erleben Oscar, wie sie versucht, einfach beide Geschlechter in einem zu sein. Der mutige General, aber auch die zerbrechliche, liebende Frau. Es ist eine Grandwanderung, auf der sie immer aufpassen muss, sich nicht selbst zu verlieren.

Ende gut, alles gut?
Ich möchte gar nicht spoilern, aber ich kann euch verraten, es gibt mal kein Zuckerwatte, ach ist das Leben schön Happy End. Ich habe viele Tränen vergossen zum Schluss. Aber wie soll es auch ein Happy End geben, wenn die Französische Revolution mit der Enthauptung der Königin endet. Das ist jetzt auch kein Spoiler, das steht ja schon in den Geschichtsbüchern

Der Anime bleibt im Kopf

Ich war damals sehr beeindruckt von diesem Anime und Oscar ist nach wie vor meine größte Heldin und ein Vorbild.

„Wilde Rose, stolz und frei, immer nur sich selber treu…“

So lauten die ersten Worte des deutschen Openings. Und das sollte ja für alle gelten. Dieser Anime ist einfach ein: Egal was du magst, schau ihn dir an, denn er ist wertvoll. Geschichte brauchen wir alle, damit sich geschichtlicher Fehler nicht wiederholen. Und man kann auch glänzen, wenn man geschichtliche Daten einfach so auswendig weiß.

Der Anime bietet Action und Drama und geschichtliches und eine Spur von Romantik. Dabei wird es aber nie kitschig. Alles gibt es in richtigen Dosen für den Zuschauer, so dass der Anime für Jungs und Mädels gleichzeitig spannend sein kann.

Als Extras gibt es Covercards in der Box mit vielen Informationen zur Historie, eine Bildergalerie auf den DVDs und Hintergrundinformationen zum Anime.

Legt einfach eure Büche beiseite und bereitet euch mit Oscar auf den Geschichtsunterricht vor.

Kari

About Kari

Freak, Otaku, Leseratte, Waffelschaden, Cosplayerin, Fotografin und das alles mit rosa Zuckerwatte im Kopf. Erwachsen ist man noch oft genug, ich geh mal schaukeln!

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