King’s Game – The Animation

King’s Game – The Animation

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Ousama Game
© 2017 HitoriRenda RenjiKuriyama NobuakiKanazawa/Futabasha・EveryStar/“King’s Game“ The Animation“Partners

Daten:

  • Regisseur: Noriyoshi Sasaki
  • Sprache: Japanisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Streaming-Plattform: Wakanim
  • Erscheinungstermin: 25.09.2017
  • Episoden: 12

Eigentlich bin ich kein besonders großer Fan von Horror-Anime. Da mir „Battle-Royal-Konzepte“ wie in „Danganronpa“ oder „Mirai Nikki“ aber ganz gut gefallen, freute ich mich darüber, als angekündigt wurde, dass die Streaming-Plattform „Wakanim“ den Anime „King’s Game – The Animation“ zeigt. Der Anime basiert auf einem japanischen Handy-Roman mit dem Namen „Ousama Game“ und den zahlreichen Manga-Umsetzungen der Geschichte. In Deutschland erschien beispielsweise die erste Geschichte unter dem Namen „Ousama Game – Spiel oder stirb!“ bei Carlsen Manga.

Ob der Mix aus Horror, Splatter und Mystery wirklich überzeugen kann und warum die Rezeption in der Community nicht so positiv ist, werde ich euch in der folgenden Review darlegen.

Nur einer kann überleben!

Die Geschichte von „King’s Game – The Animation“ ist schnell erklärt. Eines Tages erhalten alle 32 Schüler einer Klasse eine Textnachricht auf ihr Handy. Der Absender selbst nennt sich „König“. In den Nachrichten schickt er Aufträge, die die Schüler erfüllen müssen. Falls sie dies nicht innerhalb der nächsten 24 Stunden tun, werden sie mit dem Tod bestraft. Alle Mitglieder der Klasse müssen beim Spiel teilnehmen und es ist auch verboten, das Spiel vorzeitig zu verlassen.

Die Geschichte der Anime-Serie verfolgt die Geschehnisse des „King’s Games“ an der Kure-Schule. Als Nobuaki Kanazawa neu dorthin kommt, verändert sich das Leben der Mitschüler vollkommen. Am Tag des Sport-Festivals bekommen sie alle eine Textnachricht vom „König“. Natürlich glauben die Schüler zuerst nicht an das „Spiel“ und sind der Meinung, dass dies ein übler Scherz ist. Einzig Nobuaki scheint die Nachrichten von Beginn an wirklich ernst zu nehmen. Wie man relativ schnell erfährt, hat er bereits schon einmal bei einem „King’s Game“ mitgespielt. Schon bald merken aber auch die Anderen, dass es kein einfacher Scherz ist: Personen, die den Auftrag nicht erfüllen, kommen um mysteriöse und grausame Weise ums Leben.

Nun stellt sich die Frage, was man tun soll: Versuchen gemeinsamen zu kämpfen oder lieber seine Mitschüler in den Tod stürzen, damit man selbst überleben kann?! Nobuaki entscheidet sich für die erste Option- seine Mitschülerin Natsuko hingegen scheint alles tun zu wollen, damit sie selbst überlebt. Ob es eine Möglichkeit gibt, den „König“ zu besiegen, könnt ihr nur erfahren, wenn ihr selbst den Anime schaut.

Wer sind all diese Leute?

Die Prämisse von „King’s Game- The Animation“ hat mir eigentlich sehr gut gefallen. Man schafft ein Szenario, in dem die schlechtesten Eigenschaften der Menschen hervorkommen. Das führt normalerweise dazu, dass sie sich realistisch verhalten und genau so handeln, wie sie es wirklich möchten. Hierfür ist es aber notwendig Charaktere einzuführen, mit denen man mitfühlen kann, sodass man von einzelnen Entscheidungen überrascht wird. Genau dies ist aber leider eine der großen Schwächen dieser Serie.

Die Klasse besteht aus 32 unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern, weshalb es sehr schwierig ist, den Fokus zu behalten. Serien wie beispielsweise Assassination Classroom stehen vor einem ähnlichen Problem, schaffen es aber durch eine starke Fokussierung auf bestimmte Charaktere, den Zuschauer bei der Stange zu halten. In „King’s Game- The Animation“ werden in jeder Episode neue Charaktere eingeführt, die nach kurzer Zeit schon wieder sterben. So kann man kaum eine Beziehung zu ihnen aufbauen und ist deshalb auch nicht besonders traurig über ihr Ableben. In einigen Szenen wird zwar versucht, den Charakteren Eigenschaften zu geben, dies scheitert jedoch, da sie immer nur eine einzelne Eigenschaft erhalten. Hierdurch folgt, dass es Personen wie: „den Ruhigen“, „die Psychopatin“, oder „der Nette“ gibt, man aber nicht einmal ihre Namen kennt.

Intelligenz der Charaktere

Noch schlimmer ist aber, dass die Charaktere anscheinend alle überhaupt kein Gehirn besitzen. Abgesehen davon, dass sie unsympathisch sind, treffen sie in keiner Situation die richtige oder „vernünftige“ Entscheidung. Viele Charaktere sind auch gegen Ende des Anime immer noch der Meinung, dass das „King’s Game“ nicht real sein kann, auch wenn schon die Hälfte der Klasse gestorben ist. Sie denken weiterhin, dass es nur Zufall sein kann, egal wie viele Argumente dagegen sprechen. Zusätzlich vertrauen sie der Mitschülerin Natsuko immer weiter, auch wenn längst klar geworden ist, dass sie alles dafür tun würde, zu überleben. Den Höhepunkt erreicht diese Tatsache in Folge 9, in der sich eine Schülerin grundlos mehrere Finger abhakt, nur um Natsuko das Leben zu retten, obwohl sie weiß, dass diese alle in der Klasse töten will. Es scheint in diesen Szenen so, als ob die Charaktere überhaupt nicht mitbekommen, was gerade passiert.

Zu Beginn frustriert dies enorm und zerstört viele Szenen der Serie. Man kann sich nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die wirklich so dumm sind. Im Laufe der Geschichte war dies aber letztendlich auch der Grund, den Anime weiterzuschauen. Die Handlungen sind oftmals so irrational, dass es so wirkt, als ob der Regisseur dies mit Absicht gemacht hat, wodurch „King’s Game- The Animation“ zu einem Comedy-Anime wird. Ich habe selten beim Schauen eines Anime aufgrund der Situationskomik so häufig loslachen müssen.

Ähnlich witzig ist die Position von Nobuaki in der Geschichte. Aus irgendeinem Grund behandeln ihn seine Mitschüler – abgesehen von Natsuko – wie einen Heiligen, der ihnen dabei helfen kann, das Spiel zu gewinnen, auch wenn er nur selten wirklich Dinge tut, die der Klasse weiterhelfen. Die Zuschauer sehen aber nur, wie schlecht Nobuaki seine angeblichen Freunde behandelt oder dass er nicht weiß, was er tun möchte. Insbesondere vor Frauen scheint Nobuaki überhaupt keinen Respekt zu haben.

Lücken soweit das Auge reicht

Wären dies die einzigen Probleme, wäre „King’s Game- The Animation“ einfach nur ein schlechter Anime. Doch es gibt leider noch weit mehr kritikwürdige Aspekte. Als Zuschauer fragt man sich sicher zuerst: „Was würde passieren, wenn dieses Spiel wirklich in unserer Welt stattfinden würde?“ Aus diesem Gedanken resultiert dann die logische Fragestellung, warum es anscheinend keinen Außenstehenden (Lehrer, Polizei, Eltern) zu interessieren scheint, wenn die Hälfte einer Schulklasse in einer Nacht stirbt. Mit diesen Fragen hätte der Anime sicherlich sehr spannende Handlungsstränge generieren können, da es aber einfacher ist, ihn in einer geschlossenen Blase spielen zu lassen, werden diese Bereiche nicht thematisiert.

Viele Probleme entstehen durch die irrationalen Entscheidungen der Charaktere, die ich schon beschrieben habe, doch das wohl größte Problem ist die Entstehungsgeschichte des „King’s Game“. Ich wäre damit zufrieden gewesen, keine richtige Erklärung für die Herkunft des „Königs“ zu bekommen, da die übernatürlichen Todesursachen nicht wirklich aus der Welt der Menschen kommen können. Leider wurde versucht gegen Ende der Serie eine erzwungene Erklärung zu finden. Diese ist lächerlich und überhaupt nicht verständlich. Vielmehr wirft sie noch weitere Fragen auf, die dann nicht mehr weiter geklärt werden.

Comedy-Elemente und Flashbacks

Zum Lachen brachten mich auch die „Splatter-Szenen“ des Anime. Ähnlich wie in „Another“ wird versucht, möglichst kreative Todesursachen zu finden, die die Zuschauer schocken sollen. Dies funktioniert aber überhaupt nicht, da die Charaktere so übertrieben abgeschaltet werden, dass man als Zuschauer darüber nur lachen kann. Nicht einmal Gore-Fans werden Spaß an diesen Szenen haben, da diese – jedenfalls in der deutschen Version auf „Wakanim“ – geschnitten sind und man somit häufig nur einen schwarzen Schatten sieht.

Dabei ist die Serie sich auch scheinbar selbst nicht wirklich sicher was ausreicht, damit ein Charakter stirbt. In der letzten Folge können Charaktere auf einmal sogar überleben, auch wenn ihr Körper von einer Kettensäge durchbohrt wurde. Was wie ein Scherz wirkt, soll dafür sorgen, dass die Zuschauer sich nie sicher sein sollen, was wirklich passiert: Das hat der Autor von „King’s Game- The Animation““ auch tatsächlich geschafft.

Man sollte davon ausgehen können, dass 12 Episoden reichen, um diese eher simple Geschichte darzustellen. Leider hatte der Autor die grandiose Idee, dass man in den ersten sieben Episoden auch noch die Vorgeschichte erzählen muss. In unzähligen Flashbacks – die häufig die Spannung aus der wahren Geschichte komplett rausnehmen – wird also das vorherige „King’s Game“ erzählt. Das führt dazu, dass die Hauptgeschichte nicht genug ausgearbeitet werden kann. Die Flashbacks reichen aber ebenfalls auch nicht, um das alte „King’s Game“ spannend darzustellen. Man sieht also nur noch mehr uninteressante Charaktere sterben, wobei erwähnt werden muss, dass die Flashback-Figuren immerhin etwas interessanter wirken als die Schüler aus Nobuakis neuer Klasse.

Animationen wie in den 90ern

Ein weiteres Problem der Flashbacks ist, dass man als Zuschauer häufig die Protagonisten der Geschichten nicht unterscheiden kann. Dies liegt an den langweiligen, stereotypischen Charakter-Designs. Man hat dadurch das Gefühl, dass einige Schüler an beiden „King’s Games“ teilgenommen haben, auch wenn sie eigentlich tot sein sollten. Auch die weiteren technischen Aspekte können nicht überzeugen: Die Hintergründe wirken kahl und die Todesszenen sind so schlecht animiert, dass sie eher lächerlich wirken. Einzig die Mimik der Figuren überzeugt an manchen Stellen.

Immerhin: die Musik hat mir einigermaßen gefallen. Sie versucht eine gruselige Atmosphäre zu schaffen und wird gut eingesetzt. Auch das Opening hat mir sehr gut gefallen. Der zweite positive Punkt ist Mamoru Miyano, der Synchronsprecher von Nobuaki (auch bekannt als Yagami Light aus „Death Note“ oder Rintarou Okabe aus „Steins Gate“). Er versucht dem Charakter immerhin so gut zu verkörpern, wie es geht. Das schlechte Drehbuch hindert ihn aber daran, einen wirklich glaubwürdigen Charakter zu verkörpern.

Ein schlechter Anime, der Spaß macht

„King’s Game- The Animation“ ist sicherlich der schlechteste Anime, den ich dieses Jahr gesehen habe. Langweilige, dumme Charaktere, eine kaum vorhandene Story, viel zu viele Flashbacks und eine schwache technische Umsetzung beschreiben die Serie am besten. Trotzdem hatte ich Spaß beim Schauen. Ähnlich wie „The Lost Village“, der vor einiger Zeit auf „Crunchroll“ lief, ist dieser Anime so schlecht, dass man sich beim Schauen immer wieder dabei ertappt, in Gelächter auszubrechen. Man möchte sehen, welche Begründung sich der Anime nun einfallen lässt, Natsuko am Leben zu lassen und welche Handlungslücke in der nächsten Episode auftaucht.

Ich kann Animefans dennoch empfehlen „King’s Game- The Animation“ eine Chance zu geben. Ihr solltet die Serie aber unbedingt mit ein paar Freunden schauen, da es zusammen weitaus spaßiger ist, sich über die ganzen Fehler der Serie lustig zu machen. Schaut also einmal bei „Wakanim“ vorbei.

Solange ihr keinen guten Anime erwartet, werdet ihr euren Spaß haben.

 

Bewertung Shin: 2,5/10 Punkten

Bewertung Tsu: 3,5/10 Punkten

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Autor: Shin
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