Just Because!

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© 2017 Kamoshida Hajime, Himura Seki / Just Because! Production Committee

Daten:

  • Regisseur: Kamoshida Hajime
  • Sprache: Japanisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Streaming-Plattform: Anime on Demand
  • Publisher: KAZÉ
  • Erscheinungstermin: 5. Oktober 2017
  • Produktionsjahr: 2017
  • Episoden: 12

Dank der netten Unterstützung von Anime on Demand durften wir von Jimoku uns in der Fall Season 2017 den Anime „Just Because!“ anschauen, der von der deutschen Streaming-Plattform im Simulcast mit deutschen Untertiteln gezeigt wurde. „Just Because“ besitzt – im Gegensatz zu vielen anderen Anime – keine Manga- oder Light Novel-Vorlage. Zusätzlich ist das produzierende Studio „Pine Jam“ bisher noch sehr unerfahren (sie produzierten vorher nur zwei Serien, von denen ich selbst nur „Gamers!“ kenne), weshalb es zu Beginn schwierig war abzuschätzen, wie gut diese Serie wirklich ist.

Da man den Autor Hajime Kamoshida aber schon von einem anderen guten Werk („The Pet Girl of Sakurasou“) kennt, hofften wir auf eine gute Serie.

Ob es sich gelohnt hat, diesen Titel zu verfolgen, werden wir euch in der folgenden Review verraten!

Was passiert nach dem Abschluss?

Viele Anime beschäftigen sich mit der Oberschulzeit, aber nur wenige stellen dabei die Zeit nach dem Abschluss in den Vordergrund. Dies wird höchstens in der letzten Episode thematisiert. „Just Because!“ hingegen versucht genau diese Zeit in den Vordergrund zu stellen:Die Hauptfigur der Geschichte ist der Schüler Eita Izumi. Dieser kehrt nach vier Jahren zu seiner alten Schule zurück, da sein Vater wieder eine Arbeit in der Heimat hat. Das Besondere ist: Eita beginnt sein Leben an der Schule erst gegen Ende des zweiten Semesters. Dies ist besonders an japanischen Schulen eine spezielle Zeit, da die Schüler sich auf ihre Abschlussprüfungen und somit auf ihr Leben als ERwachsener vorbereiten. Ein Großteil möchte natürlich studieren, andere hingegen streben an, direkt arbeiten zu gehen.

Eita trifft auf der Schule mehrere seiner alten Freunde wieder. Durch sein Erscheinen beginnen diese Personen, sich wieder miteinander zu beschäftigen, nachdem sie in letzter Zeit aufgrund der stressigen Gesamtsituation eher wenig Kontakt miteinander hatten. Neben Eitas alten Freunden Mio Natsume und Haruto Souma spielen aber auch neue Personen eine große Rolle in der Handlung. Hazuki Morikawa – ein Mitglied des Bandclubs der Schule – und Ena Komiya (eine Zweitklässlerin, dessen Ziel es ist, den Fotografie-Klub der Schule zu retten) werden im Laufe der Geschichte ein Teil des Lebens von Eita und seinen Freunden.

Wir begleiten also diese Personen auf ihren letzten Schritten vor dem Erwachsenwerden. Wie wird das Leben für die Freunde am Ende der Schulzeit weitergehen? Wird Komiya es schaffen, ihren Fotografie-Klub zu retten? Wie fühlt es sich für einen Schüler an, die Aufnahmeprüfung nicht bestehen zu können? Alle diese Fragen werden in „Just Because!“ behandelt.

Wo genau ist die Handlung?

Vor einiger Zet stellte ich euch die ersten drei Episoden des Anime vor. Am Ende dieses Ersteindrucks war ich zwar positiv gestimmt, fragte mich aber, wann die Geschichte nun endlich Fahrt aufnimmt. Zu Beginn werden nämlich größtenteils nur die einzelnen Charaktere mit ihren Problemen dargestellt, ohne wirklich in eine bestimmte Richtung zu gehen. Ehrlich gesagt ändert sich hieran auch im Laufe des Anime nicht wirklich etwas. Zuschauer sollten kein großes Drama oder besondere Konflikte erwarten. Vielmehr ist „Just Because!“ eine realistische Darstellung des Lebens von Oberschülern in Japan.

Man sollte aber nicht glauben, dass der Anime deshalb schlecht ist. Ich würde „Just Because!“ als eine Charakterstudie beschreiben. Wir begleiten fünf unterschiedliche Jugendliche und sehen, wie diese sich entwickeln. Dabei ist besonders interessant zu beobachten, wie diese Figuren mit dem Erwachsenwerden klarkommen. Stellen Anime häufig Charaktere in den Vordergrund, die bestimmte Traumata überwinden oder besondere Herausforderungen bestehen müssen, geht es bei „Just Because!“ wirklich nur um das Ende der Kindheit.

Zuschauer, die selbst diesen Prozess durchgemacht haben, werden sich deshalb in den Figuren des Anime wiederfinden und ähnliche Probleme entdecken, die realitätsnah dargestellt werden. Die wichtigste Frage, die sich jeder Mensch nach seinem Schulabschluss stellt ist wohl: „Was mache ich nun?“. Dabei gibt es nicht nur die Frage, welchen Job man später einmal ausüben möchte, sondern es ist auch relevant an welchem Ort man bleiben möchte. Ist es sinnvoller an Universität A zu studieren, weil hier meine Freunde sind, oder soll ich lieber an Universität B gehen , um im späteren Beruf bessere Chancen zu haben? Auch diese Fragen sind relevant für die Geschichte.

Gibt es ein Ziel?

Hieraus ergibt sich natürlich, dass die Serie nur funktionieren kann, wenn die Charaktere wirklich interessant sind, da sie der Fokus der Geschichte sind. Eine große Schwäche der Serie ist meiner Meinung nach der Hauptcharakter Eita: Er ist einfach nicht sympathisch. In der gesamten Serie erfahren wir leider nicht wirklich, was sein Lebensziel ist. Er ist zwar häufig das Bindeglied zwischen den Freunden, es ist aber sehr schwierig wirklich einzuschätzen, warum er auf eine bestimmte Weise gehandelt hat. Zusätzlich sind seine Entscheidungen in vielen Situationen sehr fragwürdig. Gegen Ende der Serie entscheidet er sich dafür, kurzfristig die Oberschule zu wechseln, auf die er gehen möchte, um mit Mio die gleiche Schule zu besuchen. Da er dies aber nicht kommuniziert, kommt es im Laufe der Serie zu Problemen. Dabei sollte aber erwähnt werden, dass Mio in der Situation ähnlich komisch handelt.

Man fragt sich sehr lange, warum Eita überhaupt Teil der Geschichte ist, da die Szenen mit den anderen Charakteren deutlich mehr Spaß machen. Ein Beispiel ist hierfür die Zweitklässlerin Komiya. Sie ist weitaus extrovertierter als die anderen Charaktere der Serie, wodurch die Szenen mit ihr viel mehr Spaß machen. Ähnlich wie Mio hat auch sie Gefühle für Eita, kann diese im Gegensatz zu der Freundin vernünftig ausdrücken, wodurch die für sie aufkommenden Probleme realistischer wirken. Leider sehen wir ihre Gefühle größtenteils nur im Bezug zu Eita. Es wäre sicherlich spannend gewesen, noch mehr von ihr zu erfahren.

Was passiert, wenn man zurückgelassen wird?

Die spannensten Szenen der Serie sind meiner Meinung nach die von Souma und Morikawa. Souma unterscheidet sich von seinen Freunden, da er nicht studieren wird. Er wird einen normalen Job ausüben. Aus diesem Grund hat er ganz andere Probleme als seine Freunde und entfernt sich von ihnen im Laufe der Geschichte immer mehr. Er muss nicht für Aufnahmeprüfungen lernen und er beginnt sich schon mit den neuen Arbeitskollegen zu treffen. Hierdurch stellt sich für ihn die Frage, inwieweit eine Freundschaft zwischen ihm und den Anderen überhaupt möglich ist.

Auf der anderen Seite ist er auch neidisch auf seine Freunde. Sie haben ihr gesamtes Leben noch vor sich und können selbst entschiden, wie ihr weiteres Leben verlaufen wird. Er selbst hingegen weiß genau schon, wie sein zukünftiges Leben aussehen wird. Morikawa selbst hat zu Beginn der Geschichte eigentlich kein wirkliches Ziel. Weil ihre Universität keinen Band-Klub haben wird, muss sie ihr einziges wirkliches Hobby aufgeben. Dies ändert sich schlagartig als Souma ihr seine Liebe gesteht und sie sich damit beschäftigen muss. Bisher war sie immer sehr vorsichtig mit Beziehungen, da ihre kleinen Brüder Souma aber sehr gerne haben und auch sie in mehreren Situationen sieht, was für ein netter Mensch er ist, beginnt sie zu grübeln. Beeinflusst wird dies auch von der Tatsache, dass sie nach dem Ende der Schulzeit voneinander getrennt wären, da ihre Universität mehrere 100 Kilometer entfernt ist.

Mit wem beschäftige ich mich?

Trotz der sehr gute Voraussetzungen, schaffen es die Charaktere von „Just Because!“ nicht, mich vollends zu überzeugen. Die Serie erschafft zwar einige sympathische Figuren, diese wirken aber etwas zu eindimensional. Abgesehen von Souma erfahren wir von den Anderen viel zu wenig, um wirklich mit ihnen mitfühlen zu können. Wer sind Eita oder Mio? Warum sind diese Charaktere im Vordergrund der Geschichte und nicht irgendwelche anderen Schüler? Dies fragte ich mich häufiger beim Schauen der Serie.

Im letzten Jahr erschien mit „Tsuki ga Kirei“ auch ein Slice of Life/Romance-Anime ohne Mangavorlage. Dieser stellte die Beziehung zweier Charaktere in den Vordergrund, weshalb ich diese auch jetzt noch relativ klar charakterisieren könnte; die Charaktere von „Just Because!“ kenne ich nicht einmal direkt nachdem ich es beendet habe wirklich gut.

Dennoch habe ich die Serie gerne geschaut. Dies liegt zum größten Teil an der Atmosphäre. Man spürt beim Schauen der einzelnen Episoden, dass der Abschluss immer näher kommt. Ähnelt der Anime zu Beginn noch ähnlichen Genre-Vertretern – wie beispielsweise in der Aquariums-Episode – spürt man gegen Ende, dass die Protagonisten sich mit anderen Problemen beschäftigen müssen als die der typischen Oberschüler in ihrem ersten Jahr. Insbesondere die letzten Episoden vermitteln sehr subtil ein schönes Gefühl von „Abschied“ und „Neuanfang“, welches ich bei nur sehr wenigen anderen Serien spüren konnte. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal, wodurch „Just Because!“ auffällt.

Technische Umsetzung

Ähnlich zwiegespalten bin ich bei der technischen Umsetzung. Auf der einen Seite ist es erstaunlich wie es Studio „Pine Jam“ schafft schon in ihrem dritten Anime so schöne Hintergründe zu animieren, die die Atmosphäre unterstützen. Leider wird das Potential nicht vollends ausgeschöpft. Häufig sind diese Hintergründe nämlich sehr steif und man sieht kaum Bewegung. Besonders ist dies mir in den letzten drei Episoden aufgefallen: Mir fehlte in vielen Szenen die Dynamik.

Die Charakterdesigns gefallen mir eigentlich ganz gut, insbesondere die Idee, die Schuluniformen der einzelnen Charaktere anzupassen hilft dem Zuschauer immerhin etwas dabei, diese zu verstehen. Die Haare und Gesichter hingegen sind eher Anime-typisch gehalten, wodurch die Stärke der Schuluniform nicht komplett genutzt werden kann. Abgesehen von Komiya hat man ähnlich aussehnde Protagonisten auch schon in anderen Anime gesehen. Der Soundtrack ist zwar nicht besonders auffällig, passt sich damit aber dem Anime gut an. Eher ruhige Töne werden genutzt, um die Atmosphäre zu unterstützen.

Positiv aufgefallen ist, dass Anime on Demand – im Gegensatz zu anderen Streaming-Plattformen – den Text des Openings übersetzt. Wir würden uns wünschen, dasss dies auch andere Anbieter machen könnten, da diese Intros häufig ein essentieller Teil des Gesamtbildes sind.

Verschenktes Potential

Ich denke, dass „Just Because!“ sehr gute Ideen hatte, die Umsetzung in einigen Punkten aber leider etwas haperte. Ein Grund hierfür sind sicherlich Probleme bei der Produktion der Serie, die häufiger in Interviews mit beteiligten Personen erwähnt wurden (beispielsweise wurde eine Folge auch um eine Woche verschoben). Zusätzlich sind die Charaktere nicht so gut ausgearbeitet, wie ich es mir gewünscht hätte, wenn diese im Vordergrund stehen. Dieser Anime beschäftigt sich mit Personen, die ihre letzten Wochen als Jugendlicher erleben dürfen und sich auf ihre Zukunft vorbereiten. Für eine wirklich gute Serie wäre es nötig gewesen, Charaktere zu schaffen, dessen Entscheidungen und Probleme man als Zuschauer verstehen kann.

Aufgrund einiger guten Ansätze und der stimmenden Atmosphäre, ist „Just Because!“ aber auch kein schlechter Anime. Ich hatte beim Schauen der Episoden grundsätzlich Spaß und wollte gegen Ende auch sehen, wie sich die Figuren entscheiden. Freunde von Slice of Life Serien wie „Tsuki ga Kirei“ können deshalb einmal in „Just Because!“ reinschauen, sollten aber keine zu hohen Erwartungen haben.

Bewertung Shin: 6 von 10 Punkten

Bewertung Tsu: 6 von 10 Punkten

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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