Hunter x Hunter Volume 1

Hunter x Hunter Volume 1

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 © POT (Yoshihiro Togashi) 1998 – 2011

Daten:

  • Regisseur: Hiroshi Koujina
  • Sprache: Japanisch (DTS-HD Master Audio 2.0), Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • Anzahl Disks: 2
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: KSM Anime
  • Erscheinungstermin: 23. August 2018
  • Produktionsjahr: 2011
  • Spieldauer: 306 Minuten
  • Preis: 53,99 € (Blu-ray Limited Edition), 39,99€ (DVD)

Review Hunter x Hunter Volume 1

Als ich 2001 das erste mal das Magazin „Banzai!“ in der Hand hielt, war ich sofort von dem Manga „Hunter x Hunter“ fasziniert. Die meisten Personen interessierten sich für „DNA²“ oder „Naruto“, ich hingegen wollte immer nur erfahren, welche Abenteuer Gon und seine Freunde durchleben werden. Leider gab es nie eine Möglichkeit, die originale TV-Serie sich in Deutschland anzuschauen.

Im Jahr 2011 erschien – produziert von Studio Madhouse – eine Anime-Neuauflage. Des Klassikers. Dieser schaffte es, das generelle Interesse der Anime-Community an der Marke „Hunter x Hunter“ wieder aufleben zu lassen. Die generell sehr positiven Kritiken (beispielsweise die hohe Durchschnittsbewertung bei Myanimelist) wiesen darauf hin, dass die Serie einer der besten Anime dieses Jahrzehnt ist. Doch auch diese konnten deutsche Fans lange nicht schauen, da sie auch nie im Simulcast verfügbar war.

Im Jahr 2016 zeigte KSM-Anime den ersten Film zur Serie: „Hunter x Hunter Phantom Rogue“ und später auch den Nachfolger in den deutschen Kinos. Auf der Animagic 2017 verkündeten sie dann, dass sie die Lizenz zur Serie erwerben konnten. Ab dem 23. August erscheint die erste Volume auch in Deutschland. Ab dem 27. August kann man die Serie dann sogar auf Pro7Maxx im deutschen FreeTV sehen.

Die folgende Review bezieht sich nur auf die erste Volume, die uns KSM-Anime netterweise zur Verfügung gestellt hat.

Auf in eine völlig neue Welt

Gon Freecs, ein zwölfjähriger Junge, der gemeinsam mit seiner Tante auf der Walinsel lebt, hat nur einen einzigen Traum: Er möchte ein Hunter werden. Sein Vater Gin Freecs hat ihn vor vielen Jahren verlassen. Als Gon eines Tages erfährt, dass sein Vater immer noch lebt und einer der berühmtesten Hunter der Welt ist, weiß er genau was zu tun ist: Er muss selbst Hunter werden und seinen Vater ausfindig machen. Auch wenn seine Tante nicht besonders davon begeistert ist, schafft er es, sie zu überreden und somit ein großes Abenteuer zu beginnen.

Ein Hunter ist dabei eine Profession, die nur sehr wenige Personen erlangen können. Jedes Jahr versuchen sich tausende Prüflinge an der Hunter-Prüfung; die meisten davon schaffen es nicht einmal den gut versteckten Prüfungsort zu erreichen. Am Ende einer Prüfung können sich meistens höchstens eine handvoll Personen Hunter nennen, die anderen haben entweder frustriert aufgegeben, sind schwer verletzt oder sogar gestorben.

Am Ende dieser harten Prüfung steht aber auch ein besonderer Lohn: Die Hunter-Lizenz. Besitzer dieser Lizenz besitzen sehr viele Vorteile: Sie dürfen in jedes Land ohne besonderes Visum einweisen und man hat sogar die Freiheit andere Menschen ohne große Konsequenzen zu töten. Der Wert einer Lizenz ist so hoch, dass man nach einem Verkauf nie wieder arbeiten müsste.

Aus diesen Gründen wollen viele unterschiedliche Menschen Hunter werden. Auf seiner Reise begegnet Gon vielen unterschiedlichen Personen. Neben vielen netten Personen begegnet er dabei auch vielen Personen, deren Ziel es ist, die Macht der Hunter-Lizenz zu missbrauchen.

Ob Gon es wirklich schafft die Prüfung zu bestehen und welchen Gefahren man als Hunter wirklich ausgesetzt ist, könnt ihr ab dem 23. August auf DVD und Blu-ray oder ab dem 27. August auf Pro7Maxx sehen.

Die Schönheit der Ungewissheit

Die ersten 13 Anime-Umsetzung schaffen es die gleiche Faszination auszustrahlen, wie es damals der Manga getan hat. Einer der wichtigsten Gründe hierfür ist, dass man als Zuschauer nie weiß, was in der nächsten Szene passieren wird, obwohl die Geschichte im Grunde genommen ziemlich simpel ist. Kinder, die versuchen ihren verschollenen Vater wiederzufinden oder die gleiche Professionen auszuüben und ihm im Endeffekt zu überholen kennt man aus Hollywood-Filmen wie auch Anime schon zur Genüge. Man würde also erwarten, dass die Geschichte keine Neuigkeiten bietet. Die erste Episode des Anime macht leider auch den Anschein, dass dies bei „Hunter x Hunter“ der Fall ist. Relativ schnell merkt man aber: Hier ist alles anders.

Der Anime wird häufig als „Deconstruction“ des Shounen-Genres bezeichnet (dies wird aber nicht einheitlich anerkannt. Für weitere Infos empfehle ich euch diesen Blog-Post). Damit wird gemeint, dass in dieser Serie die typischen Elemente von Shounen-Battle-Anime wie „Naruto“ oder „Bleach“ nicht reproduziert werden. Der Zeichner spielt mit den Erwartungen der Zuschauern, um sie zu überraschen.

Es ist nicht wichtig, ob „Hunter x Hunter“ nun wirklich eine „Deconstruction“ des Shounen-Genres ist, wichtig ist aber: er überrascht seine Zuschauer in sehr vielen Momenten.

Ein Beispiel ist die Hunter-Prüfung selbst. Man kennt Turniere aus „Naruto“ oder „My Hero Academia“ und weiß genau wie diese ablaufen: Charaktere kämpfen gegeneinander und die Hauptfiguren schaffen es nach und nach neue Fähigkeiten zu erlangen. Hier läuft die Prüfung aber anders ab. Zu Beginn gibt es erst einmal einen Marathonlauf. Doch auch spätere Prüfungen (besonders der Kochwettbewerb) sind weitaus kreativer als man es von anderen Serien erkennt.

Noch überraschander ist nur die Welt selbst. Hunter x Hunter spielt in einer Art Fantasie-Welt. Teilweise ähneln die Städte zwar denen unserer Welt, in vielen Punkten findet man aber enorme Unterschiede (kaum ein Mensch kennt Sushi in der Serie). Besonders auffällig ist die unfassbar große Vielfalt in der Welt der Tiere und Pflanzen. Das führt dazu, dass man als Zuschauer – wie bei dem Anime „Made in Abyss“ – nie wirklich wissen kann, was hinter der nächsten Ecke lauert. Diesen Vorteil kann der Anime besonders in den ersten Episoden ausspielen.

Kein Schwarz oder Weiß

Kennt man aus ähnlichen Serien eine klare Einteilung in „gute“ und „böse“ Charaktere, zeigen schon die ersten 13 Episoden dieses Anime viel weichere Abstufungen. Gons Freund Killuah ist als Serienmörder aufgewachsen und weiß genau wie er diese Kräfte einsetzen kann, auf der anderen Seite ist er nur ein verspieltes Kind, das versuchen möchte aus den Fängen seiner Familie zu entkommen. Hätten die meisten Anime ihn einfach zu einem Hauptcharakter gemacht, ohne seine Handlungen zu hinterfragen, sieht man hier schon zu Beginn auch negative Seiten des Charakters.

Ähnlich verhält es sich mit dem Zauberer Hisoka. Man lernt ihn zu Beginn der Prüfung kennen und denkt sofort, dass er der Antagonist der Serie werden wird. Mit der Zeit bekommt man aber mit, dass er nicht der typische Anime-Bösewicht ist.

Auch Kurapika zeigt immer wieder unterschiedliche Seiten. Auf der einen Seite ist er Gons Freund und gehört somit automatisch zu den Guten, auf der anderen Seite wird er von Rache angetrieben, eine Eigenschaftn, die meistens Bösewichte besitzen.

All dies führt dazu, dass man relativ einfach mit den Figuren sympathisieren kann, weil sie wie echte Menschen und nicht wie Karikaturen wirken.

Zusätzlich helfen die eher komplexen Charakterisierungen dabei auch die Beziehungen der Hauptfiguren interessanter zu gestalten. Kurapika, Leorio, Killuah und Gon haben sich erst vor einiger Zeit angefreundet, weil sie das gleich Ziel besitzen. In den meisten Punkten ähneln sich ihre Ansichten, teilweise widersprechen sie sich aber. Das führt zu Streitsituationen und somit zu spannenden Dynamiken, da die Figuren wissen, dass sie zusammenarbeiten sollten, um wirklich weiterzukommen, auch wenn sie nicht unbedingt mit allen Entscheidungen der Gegenüber einverstanden sind.

Diese Dynamik führt dazu, dass insbesondere die Episoden 8 bis 12 extrem spannend sind. Hier kämpfen keine Ja-Sager gemeinsam mit ihrem Anführer, hier kämpfen fünf eigenständige Personen mit verschiedenen Hintergründen und Meinungen miteinander, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Ein behäbiger Start?

Ich habe schon von mehreren Personen gehört, dass sie Hunter x Hunter nach der ersten Episode abgebrochen haben. Der Grund dafür war meistens, dass sie gelangweilt waren. Ich kann das teilweise verstehen. Die erste Episode von Hunter x Hunter gibt den Anschein (wie ich bereits oben darstellte), dass man in dieser Serie keine Neuigkeiten erwarten kann. Wir sehen einen kleinen Jungen, der versucht seinen Vater zu finden. In den ersten zwei Episoden sieht man keine spannenden Kämpfe, lernt die Figuren nur oberflächlich kennen – hier machte „Naruto“ beispielsweise einen besseren Job – und fragt sich, ob diese Serie wirklich spannend werden kann. Spätestens ab Episode 3 erkennt man aber, dass die Serie weitaus mehr zu bieten hat als man zu Beginn erwartet hätte.

Etwas enttäuscht war ich nur davon, dass Episode 13 schon nur eine „Recap-Episode“ ist.

Ähnliche Meinungen habe ich häufig zu Gon gelesen. Gon ist kein besonderer Hauptcharakter. Er wirkt eher wie ein normaler kleiner Junge. Er ist neugierig, verspielt und denkt nicht besonders viel nach. Auch diese Art von Figuren haben Animefans schon sehr häufig gesehen. Leider hat der Anime eine sehr wichtige Szene des Original-Manga herausgeschnitten, was dazu führt, dass man Gons Hintergründe nicht so gut verstehen kann.

Ich denke hingegen nicht, dass Gon ein langweiliger Charakter ist. Man merkt relativ schnell, dass er – im Gegensatz zu vielen anderen Shounen-Protagonisten – kein absolut starker Übermensch ist. Vielmehr ist er ein kleiner neugieriger Junge und begeht deshalb viele Fehler. Er muss mit diesen Fehlern umgehen und kann häufig Hindernisse nur überwinden, weil seine Freunde ihn unterstützen.

Besonders gut gefällt mir dabei, dass Gon – wie alle Hauptcharaktere von „Hunter x Hunter“ – im Vergleich mit den anderen Prüflingen nicht unbedingt stark sind. Für ihr Alter scheinen sie sich zwar schon sehr weit entwickelt zu haben, Begegnungen mit anderen Teilnehmern der Prüfung wie Hisoka zeigen aber, dass sie im Vergleich noch relativ schwach sind. Das führt dazu, dass man nicht unbedingt sicher sein kann, ob und wie die Freunde die Prüfung überstehen können.

Bunte und fröhliche Animationen

Wenn man sich Bilder der alten „Hunter x Hunter“-Serie anschaut oder auch den Manga gelesen hat, wird man über die Präsentation des neuen Anime sicherlich etwas erschrocken sein. Im Gegensatz zu der eher düsteren Atmosphäre der Vorlage werden sehr viele fröhliche und warme Farben verwendet. Wenn man sich aber nach einigen Episoden an die Animationen gewöhnt hat, kann man erkennen, dass Studio Madhouse hier wieder eine sehr gute Arbeit leistet. Insbesondere die Darstellung der verschiedenen Lichtverhältnisse haben mich sehr überzeugt. Ein gutes Beispiel hier sind die Episoden 8 bis 12, in denen geschickt die Lichtverhältnisse geschickt dazu genutzt werden, die Atmosphäre der einzelnen Szenen zu unterstützen.

Besonders wenn man bedenkt, dass die Serie über 100 Episoden hat, ist die Animationsqualität der ersten Folgen überraschend hoch.

Der Sound hat mir hingegen nicht so gut gefallen. Auch hier muss ich mich anschinend erst einmal an die fröhlichere Atmosphäre gewöhnen. Kein Song des Soundtracks ist mir nach dem Schauen wirklich im Kopf geblieben. Besonders in den Episoden 4 – 6 hätte ich mir einen etwas düsteren Soundtrack gewünscht. Einige Songs wirkten nicht besonders passend.

Deutsche Umsetzung

Nachdem ich die Filme zur Serie im Kino gesehen habe, ging ich mit gemischten Gefühlen an die deutsche Version von „Hunter x Hunter“. Ich war damal zwar nicht komplett unzufrieden, es gab aber einige Unstimmigkeiten, die negativ aufgefallen sind. Mein Gefühl nach den ersten 13 Episoden der Serie ist: Die meisten wurden behoben und die Serie besitzt eine der besten Synchronisationen aus dem gesamten Portfolio von KSM-Anime.

Zuerst bemerkt habe ich, dass die Synchronsprecherin von Gon geändert wurde. Statt Peggy Polow spricht nun Luisa Wietzorek den Hauptcharakter. Mir hat die Interpretation der neuen Sprecherin von Anfang an besser gefallen. Sie schafft es, den Enthusiasmus von Gon sehr gut darzustellen. Häufig sind mir deutsche Synchronsprecher entweder zu emotional (das klingt dann zu sehr gestellt) oder zu hölzern. Luisa Wietzorek hingegen schafft es die kindliche Seite von Gon perfekt zu treffen.

Auch die anderen Sprecher wurden passend ausgewählt, wobei Ann Vielhaben als Kurapika mir etwas zu weiblich klingt. Das könnte bei Neulingen dazu führen, dass sie ihn für einen weiblichen Charakter halten. Positiv erwähnen sollte man auch noch Hans Bayer, der als Erzähler eine sehr schwierige Aufgabe hat, es aber gut schafft das Geschehen spannend aber neutral zu beschreiben.

Auch das Dialogbuch hat mir in der Serie bisher ausgesprochen gut gefallen. Im Film kritisierte ich noch, dass die Übersetzung häufig wie eine 1:1-Übersetzung aus dem Japanischen wirkte, wodurch Gespräche entstanden, die niemand in Deutschland führen würde. Hier sind mir in keiner Episode ähnlich unrealistische Dialoge aufgefallen. Die Gespräche wirken immer ziemlich realistisch und Figuren benutzen die Wörter, die man von ihnen erwarten kann. Das Wort „lausig“ erwartet man von einem Schiffskapitän, ein Kind würde es hingegen eher nicht benutzen.

Zusammenfassung

„Hunter x Hunter“ ist einer meiner absoluten Lieblingsmanga. Aus diesem Grund hatte ich also große Hoffnungen in die Veröffentlichung von KSM-Anime. Glücklicherweise konnte diese fast meine gesamten Erwartungen erfüllen. Die Umsetzung hält sich (abgesehen von dem Auslassen einer Szene) sehr stark an die Manga-Vorlage. Das führt zwar dazu, dass die ersten zwei Episoden etwas langatmig wirken, spätestens ab Episode 3 kann man aber das Potential der Serie direkt erkennen, weshalb ich hoffe, dass neue Interessenten die Serie nicht direkt nach der ersten Episode abbrechen. Kenner des Manga wissen, dass die Serie im weiteren Verlauf auch immer besser wird.

Jeder Anime-Fan sollte „Hunter x Hunter“ eine Chance geben. Schon die ersten 13 Episoden zeigten das Potential der Serie. Insbesondere Personen, denen „Naruto“ oder „Fullmetal Alchemist Brotherhood“ gefallen haben, sollten sich die erste Volume zulegen, um KSM-Anime zu beweisen, dass es sich lohnt auch längere Serien in Deutschland zu lizenzieren.

Meine Bewertung: 8,5/10 Punkte

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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