Hakumei und Mikochi

Hakumei und Mikochi

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hakumei
© 2017 Takuto Kashiki,KADOKAWA/Hakumei & Mikochi PARTNERS

Daten:

  • Regisseur: Masaomi Andō
  • Sprache: Japanisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Streaming-Plattform: Wakanim
  • Erscheinungstermin: 26. Dezember 2017
  • Produktionsjahr: 2017
  • Episode: 12

Hakumei und Mikochi

Wenn man mich vor drei Monaten gefragt hätte, an welche Anime aus der Winter Season 2018 ich die höchsten Erwartungen habe, hätte ich viele unterschiedliche Titel genannt. „Darling in the Franxx“ oder „Violet Evergarden“ wären wohl meine ersten Antworten gewesen, „Hakumei & Mikochi“ wäre mir in diesem Zuge aber niemals eingefallen. Dank Wakanim konnten wir uns die Serie anschauen und ich würde heute sagen, dass „Hakumei & Mikochi“ eine der besten Anime-Serien der Season ist. Warum ihr euch die Slice of Life Geschichte auf keinen Fall entgehen lassen solltet, könnt ihr in der folgenden Review lesen.

Leben im Wald

Während wir in Deutschland die meisten Asiaten schon als klein bezeichnen, sind diese im Vergleich zu den namensgebenden Protagonisten von „Hakumei & Mikochi“ immer noch wahre Riesen! Die beiden Mitbewohnerinnen sind nämlich nur neun Zentimeter groß, obwohl sie vom Aussehen her den Menschen ähneln. Daraus, so sollte man meinen, ergeben sich im Alltag in der Natur viele Probleme- Sind kleine Insekten für uns nicht gefährlich, können diese für Hakumei und Mikochi doch ziemlich furchteinflößend sein.

Der Großteil der Tiere in der Serie ist glücklicherweise aber nicht gefährlich. Sie können sprechen und verbringen ein ganz „normales“ Leben. Die Menschen-ähnlichen Wesen existieren mit Tieren zusammen und versuchen es sich so schön zu machen, wie es geht. Der Anime begleitet das Leben der beiden Frauen Hakumei und Mikochi. Auf der einen Seite werden dabei Probleme beleuchtet, die wir aus unserem Leben auch kennen, auf der anderen Seite werden aber auch Herausforderungen angesprochen, die sich aufgrund der Größe der Figuren ergeben. Begleiten könnt ihr das Leben der beiden Freundinnen auf Wakanim.

Alltägliche Probleme

Wie in jeder Slice of Life Serie steht das alltägliche Leben der Protagonisten im Vordergrund. In den einzelnen Folgen begleiten wir Hakumei und Mikochi bei ihrer Routine. Auch wenn man denken könnte, dass sich das Leben von so kleinen Wesen stark von unserem unterscheidet, durchlaufen sie sehr viele Erlebnisse, die jedem passieren könnten. Hakumei und Mikochi müssen in die Stadt gehen um einzukaufen, treffen sich mit ihren Freunden und lassen den Tag mit einem genüsslichen Glas Wein ausklingen.

Diese schönen Dinge können sie natürlich nicht ohne Fleiß bekommen: Sie müssen Beide auch einen Job ausüben. Hakumei arbeitet als Handwerkerin und versucht sich mit vielen kleinen Projekten übers Wasser zu halten. Man erkennt, dass sie wirklich gute Fähigkeiten besitzt, aber nur von wenigen ihrer Kollegen – abgesehen von ihrem Chef – wirklich ernst genommen wird, da sie so klein ist und über wenig Erfahrung verfügt. Das sind Probleme, die auch einer echten Handwerkerin widerfahren können. Über Mikochis Arbeit hingegen erfahren wir weniger. Sie produziert verschiedene Waren (beispielsweise Marmelade) für ein Lebensmittelgeschäft und kümmert sich gleichzeitig um den Haushalt.

Durch diese eher bekannten Herausforderungen des alltäglichen Lebens fühlt sich der Zuschauer sehr schnell in der Welt heimisch, auch wenn sie sich stark von der unsrigen unterscheidet.

Eine Welt voller Gefahren?

Neben den uns bekannten Hürden treffen die Beiden immer wieder auf Hindernisse, die sich aufgrund ihrer Größe ergeben… Die Begegnung mit einer Eule könnte für Hakumei und Mikochi den Tod bedeuten, wenn sie nicht ganz genau darauf aufpassen, wie sie sich in ihrer Gegenwart verhalten. Die meisten Probleme sind aber weitaus weniger gefährlich, vielmehr geht es in diesem Anime darum, kreative Wege zu finden, bereits bekannte Schwierigkeiten zu überwinden. Würden Menschen mit dem Auto fahren, um lange Strecken zurückzulegen, müssen die kleinen Waldbewohner sich hingegen auf Tiere verlassen, die sie sicher von A nach B bringen. Ähnlich kreative Lösungen findet man in dieser Serie sehr häufig. In Episode 10 wird beispielsweise ein Bambusrohr zu einer Badewanne umfunktioniert, da das neu eröffnete öffentliche Bad kurzfristig schließen musste.

Generell ist die lauschig gezeichnete Umgebung der Serie sicherlich ihre größte Stärke. Können Zuschauer anderer Slice of Life Serien häufig erwarten, wie sich bestimmte Folgen entwickeln werden, überrascht „Hakumei & Mikochi“ durch die unfassbar vielen Möglichkeiten in einigen Situationen. Ich hätte mir gewünscht, dass sogar noch häufiger solche kreativen Problemlösungen im Vordergrund stehen. In einigen Fällen ähneln die genutzten Strategien doch etwas zu sehr denen, die man aus anderen, normalen Slice of Life Anime kennt.

Ein Grund hierfür sind sicherlich auch die unzähligen Tiere, die als Nebencharaktere in der Serie auftauchen. Diese leben gemeinsam mit den menschenähnlichen Wesen in den Städten und Wäldern und sprechen sogar die menschliche Sprache. Wer wollte denn nicht schon immer in einem Restaurant essen, das von einem Frosch geführt wird? Oder gemeinsam mit einem Dachs Dächer reparieren? Die neuen Möglichkeiten, die sich allein durch die Größe der Hauptfiguren bieten, werden sehr gut ausgenutzt. Auch die Nebencharaktere sind sehr abwechslungsreich und interessant, von beeindruckend bis teilweise sogar etwas langweilig. Es ist aber auch sehr erfrischend, dass man die Figuren nicht nur in einer einzelnen Folge sieht. Sie tauchen größtenteils in späteren Folgen noch einmal auf, wodurch man sie noch ein bisschen besser kennenlernen kann.

Wie ein altes Ehepaar

Die Episoden erzählen grundsätzlich voneinander unabhängige Geschichten, die einzige Gemeinsamkeit ist der Fokus auf Hakumei und Mikochi. Diese Beiden sind einer der wichtigsten Gründe für die Qualität der Serie. Sie sind zwar nicht in jeder Szene sympathisch, wirken aber (eventuell gerade deshalb) sehr menschlich. Hakumei verlässt jeden Tag des Haus, um Geld zu verdienen und kann eher als Draufgängerin beschrieben werden- Mikochi hingegen bleibt die meiste Zeit zu Hause und kümmert sich somit auch um den Haushalt und das Kochen. Sie ist eher die Stimme der Vernunft.

In dieser Hinsicht bilden die Beiden das typische Familienbild ab, welches in Japan auch heutzutage immer noch aktuell ist; nur dass beide eben weiblich sind. Sehr schön ist dabei, dass man niemals so wirklich erfährt, ob die Charaktere wirklich eine Beziehung miteinander führen, oder ob sie einfach nur Freundinnen sind, die gut zusammenleben können. Ich hätte mich gefreut, auch noch mehr über die Vergangenheit der Beiden zu erfahren. Man kann zwar erahnen, was Hakumei vor ihrer Begegnung mit Mikochi widerfahren ist, wirklich aufgelöst wird es aber nicht. Dieses Hintergrundwissen hätte sicherlich dabei geholfen, Beide noch besser zu verstehen.

Studio Lerches Animationen werden immer besser

Anime von Studio Lerche haben mir schon häufiger gefallen (zum Beispiel „Scums‘ Wish“), die ersten ihrer Serien (speziell „Assassination Classroom“) waren zwar gut animiert, konnten sich aber nicht von anderen Anime positiv abheben, da die Charaktermodelle häufig zu einfach waren und die Hintergründe wie aus einem Baukasten wirkten. Die neueren Anime des Studios haben mir hingegen besser gefallen, wobei „Hakumei & Mikochi“ ihr bisher bestes Werk ist.

Besonders die detailreich animierten Charaktere sollten positiv erwähnt werden. Hakumei und Mikochi ähneln Menschen zwar sehr, durch kleine Abweichungen (die Füße zum Beispiel), erkennt man aber relativ gut die Unterschiede. Einen Einfluss auf diesen Eindruck hat auch die sehr spezielle Kleidung. Die Gewänder könnten normale Menschen nicht auf diese Weise tragen, da es beispielsweise nicht möglich wäre, einen Knopf zu finden, der so groß ist, dass er den gesamten Brustkorb bedeckt. Die eher realistisch gehaltenen Tiere bieten einen schönen Kontrast zu den „Menschen“ und fügen sich gut in das Gesamtbild ein.

Der Soundtrack der Serie passt sich an das gute Gesamtbild an. Der Komponist der Serie – Evan Call – ist mir vor dieser Season nicht besonders aufgefallen. Er war zwar schon für die Musik von Anime wie „Symphogear“ oder „Big Order“ zuständig, diese Serien habe ich aber nicht geschaut. In dieser Season konnte er neben dem Soundtrack von „Hakumei & Mikochi“ auch den von „Violet Evergarden“ komponieren und zeigen, dass er genau weiß, wie man Emotionen und Atmosphäre mit Musik unterstützen kann. Auch das Opening und das Ending haben mir gefallen.

Ein unterschätzter Rohdiamant

„Hakumei & Mikochi“ ist für mich eine der besten Serien der Winter Anime Season 2018, auch wenn nicht unbedingt viel in ihr passiert. Ich habe mich jede Woche auf die neue Folge gefreut, da ich nach dem Schauen der neuesten Episode immer fröhlich war. Der Anime verbreitet wirklich gute Laune! Nicht Jedermann wird Spaß mit ihm haben. Viele Zuschauer könnten es sicherlich langweilig finden, dass in den Episoden nur selten wirklich etwas „Großes“ passiert, andere hingegen könnten sich daran stören, dass man relativ wenige Hintergründe zu der Welt sowie den Hauptcharakteren erfährt.

Wer aber Fan von eher ruhigeren Serien wie „Kino’s Journey“ ist, oder wer generell kein Problem mit Slice of Life Serien hat, wird „Hakumei & Mikochi“ sicherlich einiges Positives abgewinnen können. Ich kann auf jeden Fall eine Empfehlung aussprechen!

Meine Bewertung 7,5/10 Punkte

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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