Gintama

Gintama

Startseite » Review » Abenteuer » Gintama
© 2006 Hideaki Sorachi/Shueisha – TV Tokyo – Dentsu – BNP.

Daten:

  • Regisseur: Shinji Takamatsu
  • Sprache: Japanisch (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
  • Anzahl Disks: 2
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: KSM Anime
  • Erscheinungstermin: 10. April 2017
  • Produktionsjahr: 2006
  • Spieldauer: 210 Minuten
  • Preis: 64,99€ (BD/DVD)

Betrachtet man die Anime-Bestenlisten verschiedener Internetseiten, findet man häufig die gleichen Serien an oberster Stelle: Fullmetal Alchemist Brotherhood, Steins Gate oder aber auch Gintama. Letzteres ist auf den ersten Blick ein typischer Fighting-Shounen-Anime wie beispielsweise Naruto, Bleach oder One Piece. Im Gegensatz zu den genannten Serien blieb die Rezeption von Gintama aber mit steigender Episodenzahl überwiegend positiv. Durch den deutschen Publisher KSM-Anime können nun endlich auch deutsche Fans der Serie – über 10 Jahre nach der japanischen Erstveröffentlichung – in den Genuss von Gintama kommen. Die folgende Review bezieht sich auf die ersten 11 Episoden der Serie, welche am 10. April auf DVD und Blu-ray erscheinen werden.

Viele Aufträge für die Alles-Agentur

Die Geschichte von Gintama spielt im 19. Jahrhundert des Edo-Zeitalters in Japan. In dieser alternativen Zeitlinie haben Außerirdische (Amanto) die Herrschaft über die Erde erlangt. Die Aliens haben den Menschen verboten, Schwerter in der Öffentlichkeit zu tragen, wodurch es keine Samurai mehr gibt. Die Menschen müssen sich also den Außerirdischen unterwerfen, versuchen aber ihre Leben möglichst normal weiterzuführen.

Die Hauptrolle in Gintama spielt der Samurai Gintoki Sakata, der trotz dieses Verbotes immer noch ein Holzschwert mit sich führt. Da er seinen früheren Beruf nicht mehr ausüben kann, hat er die sogenannte „Alles-Agentur“ gegründet. Sie ist dafür bekannt, dass sie jeden Job annimmt, solange die Bezahlung stimmt. Aus diesem Grund muss Gintoki sich häufig mit Kriminellen rumschlagen, aber auch vermeintlich einfache Aufgaben – wie das Finden einer Katze – erfüllen. Im Rahmen seiner Arbeit lernt er den Teenager Shinpachi Shimura kennen. Da dieser selbst knapp bei Kasse und von Gintoki beeindruckt ist, wird er Teil der Alles-Agentur, auch wenn er im Gegensatz zu seinem Kollegen körperlich schwach ist und sich in Kämpfen nicht durchsetzen kann. Zusammen retten die Beiden in der vierten Episode das Alien-Mädchen Kagura, die sich daraufhin auch der Agentur anschließt.

Gemeinsam versuchen die drei Geld zu verdienen und treffen dabei allerlei skurrile Gestalten- so häufig auch die Shinsengumi. Diese sind eine Art Polizei, die darum bemüht ist, die Bürger der Stadt vor Aliens und Kriminellen zu schützen. Auch wenn Gintoki und die Shinsengumi sich nicht unbedingt mögen, müssen sie häufig zusammenarbeiten. Welche spannenden Aufträge Gintoki und seine Freunde bekommen und wie sie es schaffen, diese zu erfüllen könnt ihr ab dem 10. April selbst erfahren!

Gefahr für die Lachmuskeln

Im Gegensatz zu vielen anderen Action-Anime, die eher auf eine düstere Atmosphäre setzen, zeigt Gintama zu Beginn der ersten Episode, dass Comedy klar im Vordergrund steht. Gintoki ist ein fauler Nichtsnutz, der am liebsten Manga liest und nicht besonders gerne arbeitet. Dadurch entstehen sehr viele Konflikte zwischen ihm und seinen beiden Gefährten. Neben der Situationskomik setzt Gintama besonders auf popkulturelle Anspielungen sowie Parodieelemente. Animefans werden in jeder Episode Referenzen zu anderen Serien entdecken können und deshalb sicherlich noch mehr Freude mit Gintama haben, als andere Zuschauer. Es werden bekannte Serien wie Naruto und Bleach, aber auch obskure, ältere Titel wie Captain Harlock in den ersten 11 Episoden parodiert. Daneben gibt es auch sehr viele Dinge aus der japanischen Kultur (beispielsweise Personen oder Fernsehsendungen), die veralbert werden. Hierfür liefern Untertitel glücklicherweise Erklärungen, sodass auch Zuschauer, die die japanische Kultur nicht genauer kennen, die Witze verstehen können. Zusätzlich wird häufig die vierte Wand durchbrochen; sogar die Charaktere wissen, dass sie Teil eines Anime sind. Gintama schaffte es damit mich so sehr zum Lachen zu bringen, wie es kaum ein anderer Anime bisher getan hat.

Neben dem Humor sind die auftretenden Personen sicherlich die große Stärke von Gintama. Die Hauptcharaktere sind zwar skurril und auf den ersten Blick nicht besonders sympathisch, im Laufe der 11 Episoden lernt man sie aber besser kennen, sodass man sich am Ende der ersten Volume auch fragt, wie die Vergangenheit dieser Figuren aussieht. Eine große Hilfe dabei ist sicherlich die Episodenstruktur: Die ersten zwei Folgen werfen den Zuschauer direkt in die Action, ohne die Welt oder die Charaktere einzuführen. Aufgrund dieser Episoden wird das Interesse des Zuschauers geweckt. Danach springt die Geschichte jedoch erst einmal zurück und man erfährt, wie die drei Protagonisten sich kennen gelernt haben und wie die Welt von Gintama funktioniert.

Trotz dieser vielen positiven Punkte werden Neueinsteiger sicherlich Schwierigkeiten mit dem Einstieg in Gintama haben. Die ersten 11 Episoden erzählen jeweils abgeschlossene Geschichten, ohne eine große gemeinsame Handlung wiederzugeben. Dies ist gut für Personen, die zwischendurch mal schnell eine Episode schauen wollen, aber hat sicherlich nicht nur positive Seiten. Ohne eine Gesamthandlung wirkt die erste Volume wie eine Aneinanderreihung von Filler-Episoden, bei denen es nicht schlimm ist, wenn man sie verpasst hat (ähnlich wie beispielsweise bei Sailor Moon). Freunde von sich aufbauenden, spannungssteigernden Geschichten werden – jedenfalls bei der ersten Volume – von Gintama sicherlich etwas enttäuscht sein.

Eine grandiose deutsche Umsetzung

Die Animationen und generell die Technik des Anime wirken etwas veraltet, was aber auch seinem Alter geschuldet ist. Im Gegensatz zu vielen neueren Serien kann man Gintama nur im 4:3-Bildseitenformat anschauen, weshalb auf einem Flachbildfernseher schwarze Balken das Bild einrahmen. Die Zeichnungen – zum Beispiel die Charaktere und die Hintergründe – sind sicherlich auch nicht so schön wie die anderer Anime. Sogar ältere Anime der Jump wie One Piece oder Naruto sind viel besser gezeichnet. Die Action und das schnelle Pacing können diese Schwäche aber wieder ausgleichen, sodass das Schauen trotzdem Spaß macht.

Die Musik ist im Gegensatz zur Animation wirklich sehr gut. Sie schafft es die Atmosphäre der Edo-Zeit mit einem Sci-Fi-Setting zu vermischen und dadurch eine Stimmung zu schaffen, die ich bisher in keinem anderen Anime erfahren durfte. Besonders in den Comedy-Szenen wird die Musik auch häufig dazu genutzt, den Wahnsinn der szenischen Inhalte zu unterstreichen.

Das Übersetzen von japanischen Comedy-Serien ist wirklich sehr schwer. Sogar große Fernsehproduktionen haben häufig Probleme, vernünftige deutsche Synchronisationen zu erhalten. Aus diesem Grund war ich zu Beginn skeptisch. Schon nach einigen Minuten konnte ich diese Bedenken aber wieder verwerfen. Die Stimmen sind sehr gut ausgewählt und insbesondere die Übersetzung mit den Erklärungen ist wirklich gelungen. Peer Pfeiffer, der Verfasser des Dialogbuchs, hat hier etwas geschafft, was nur sehr selten möglich ist: Er hat eine gelungene Übersetzung geschaffen, die deutsche Zuschauer verstehen, ohne den Inhalt der Witze groß zu ändern. Falls bestimmte Witze nicht verständlich sind, werden Einblendungen genutzt, welche kulturelle Gegebenheiten erklären oder Personen vorstellen, die das Thema des Witzes waren. Diese Einblendungen verschwinden häufig leider etwas zu schnell, sodass man das Video pausieren muss. Dies unterbricht das sonst wirklich sehr gute Schau-Erlebnis mit Gintama. Es wäre wünschenswert diese Einblendungen in den nächsten Volumes etwas länger auf dem Bildschirm zu lassen.

Bei den Sprechern sticht Jacob Weigert (bekannt als Shikamaru aus den neuen Naruto Shippuuden Filmen) als Gintoki positiv heraus. Er scheint das japanische Original sehr gut studiert zu haben, versucht aber trotzdem seinen eigenen Gintoki zu sprechen.

Der perfekte Anime für Anime-Fans

Mir hat Gintama sehr gut gefallen, auch wenn es bisher noch keine wirklich erkennbare Geschichte gibt. Das Appeal der Serie liegt vorwiegend an dem sehr guten Humor sowie den vielen Referenzen zu anderen Anime. Personen, die neu in das Genre Anime einsteigen, sollten nicht unbedingt mit Gintama anfangen. Die Serie spielt mit dem Vorwissen und den Erwartungen der Animefans und erschafft dadurch den Großteil seiner Witze. Ein Neuling wird viele dieser Szenen gar nicht verstehen.

Jeder fortgeschrittene Animefan sollte diesem Anime eine Chance geben. Gintama gehört wie One Piece, Dragon Ball oder Cowboy Bebop zu den großen Phänomenen der Anime-Kultur, weshalb jeder Fan sich wenigstens einen Teil der Serie angeschaut haben sollte.

Avatar

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.