„Fireworks – Alles eine Frage der Zeit“

„Fireworks – Alles eine Frage der Zeit“

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© 2017 Studio Shaft, Universum Anime

Daten:

  • Regisseur(e): Akiyuki Shinbo
  • Sprache: Japanisch (DTS-HD 5.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: ab 12 Jahre
  • Studio: Shaft
  • Erscheinungstermin: 19. Oktober 2018
  • Produktionsjahr: 2017
  • Spieldauer: 90 Minuten
  • Preis: 21,99€ (Blu-ray), 23,99€ (DVD)

Eine idyllische Kleinstadt an der Küste Japans ist der Handlungsort des Anime. Hier lebt der Schüler Norimichi, der wie sein Mitschüler und bester Freund  Yusuke in die Schülerin Nazuna verliebt ist. Als das alljährliche Feuerwerk ansteht, wollen sie endlich eine existenzielle Frage klären: sieht ein Feuerwerk von der Seite betrachtet rund oder flach aus?

Zu diesem Zweck wollen sie sich das Feuerwerk vom hiesigen Leuchtturm ansehen. Aus diesem Grund vergisst Yusuke, der sich auf ein Date mit Nazuna eingelassen hat, dass sie sich bei diesem Zuhause treffen wollen, weshalb nun Nazuna und Norimichi unfreiwillig zusammenkommen. Dabei eröffnet ihm Nazuna, das sie umziehen muss, jedoch lieber davonlaufen möchte. Norimichi beschließt, das er das auf keinen Fall zulassen kann.

Aber was wäre, wenn Nazuna von Anfang an mit ihm ein Date ausgemacht hätte? Und was wäre, wenn der gemeinsame Fluchtversuch gelingen würde. Mit vielen „was wäre, wenn…?“ und einer mysteriösen Glaskugel, die Nazuna im Meer gefunden hat, beginnt eine Reise durch die Zeit.

 

Großartige Technik

Der Anime basiert auf dem gleichnamigen Film von Shunji Iwai, schlägt jedoch eine etwas andere Richtung ein als der Realfilm.

Die Animationen sind zweifelsohne State of the Art, CGI-Elemente sind vorhanden, fügen sich jedoch nahtlos in die „klassischen“ Animationen ein und sind durchweg von hoher Qualität. Andere Reviewer bemängeln die starken Kontraste zwischen Hinter- und Vordergrund, doch wir können uns dieser Meinung nicht anschließen.

Die Synchronisation ist gut gelungen, wenn allerdings eine gestandene Lehrerin mit einer Klein-Mädchen-Stimme spricht, dann wirkt das etwas deplatziert, was allerdings (Anm. des Autors: leider) dem aktuellen Trend entspricht.

Der Soundtrack ist stimmig und unterstreicht die gezeigten Szenen.

Die Story ist interessant und innovativ, wie man es vom Studio Shaft kennt, die sich auch für „Madoka Magica“ verantwortlich zeigen.

 

Schwache Story

Doch genug des Lobs, kommen wir nun zur Kritik.

Die ist jedoch nicht nur beim Anime selbst, sondern auch bei dessen Marketing zu suchen. Denn leider haben die Macher den Fehler gemacht, diesen Film mit „Your Name“ zu vergleichen, und so extrem hohe Erwartungen zu schüren. Und so schwer es uns auch fällt, an dieses Meisterwerk kommt „Fireworks“ leider nicht heran.

Die Story ist gut, keine Frage, erreicht aber keinesfalls die Tiefe von „Your Name“. Die (Achtung, LEICHTE Spoiler) „Alternativuniversen“ sind stilitisch klar abgegrenzt, aber während man bei „Your Name“ oder auch bei „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ jedes Mal mit Konsequenzen rechnen konnte, wenn Details verändert wurden, und diese Konsequenzen bedrohlich spürbar waren, fehlt dies bei „Fireworks“ leider komplett.

Obendrein ist die Charakterentwicklung, nein, die Charakterausgestaltung besonders von Nazuna sehr merkwürdig. Sie ist einerseits eine sehr ruhige, in sich gekehrte Schülerin, aber wehe, sie ist mit „ihrem“ Norimichi allein, dann kehrt sie den Vamp heraus, und wirft ihm knisternde Blicke zu. Selbst für eine 16-jährige ist mir die ganze Ausgestaltung ihrer Figur doch etwas zu triebmotiviert. Interpretation des Feuerwerks als Erwachen der Libido hin oder her.

Auch die „Selbstverständlichkeit“, mit der Norimichi und Nazuna die Ereignisse um sich herum hinnehmen (ohne viel zu Spoilern: Wibbly Wobbly, Timey Wimey), wirkt seltsam und nicht sehr realistisch.

 

Mehr Programmkino als Mainstream

Wie bewertet man nun so einen Film? Das Studio Shaft ist für seine Experimentierfreudigkeit bekannt und weitaus beliebt,  zählen doch Werke wie „Arakawa Under The Bridge“, „Madoka Magica“, „Maria Holic“ oder „Nisekoi“ zu ihrer Filmografie. Aber so richtig will „Fireworks“ sich nicht in dieses Schema einfügen. Mein Hauptproblem mit diesem Film ist, dass er als Anime irgendwie nicht wirken will. Es kommen Assoziationen zu „Norwegian Woods“ auf, ein Film, der eher durch seine visuelle Ästhetik zu bestechen weiß, als durch einen tiefgehenden, nervenaufreibenden, wendungsdurchdrungenen Plot. Ein Realfilm-Remake von „Fireworks“ wäre sicherlich ebenfalls eine Option gewesen, und hätte meiner Meinung nach besser gepasst.

„Fireworks“ ist kein Film, den man auf einer großen Kinoleinwand bewundern würde, sondern in einem kleinen „Independent“-Kinosaal, dort passt er wunderbar hin. Noch ein Grund, weshalb der Vergleich mit „Your Name“ hinkt. Handwerklich ist der Film gut gemacht, weist jedoch ein paar inhaltliche Schwächen auf.

Wer sich auf das Experiment einlässt erlebt 90 Minuten Unterhaltung, aber nichts, was wirklich im Gedächtnis bleibt und einen noch lange danach bewegt zurücklässt.

Kari

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Freak, Otaku, Leseratte, Waffelschaden, Cosplayerin, Fotografin und das alles mit rosa Zuckerwatte im Kopf. Erwachsen ist man noch oft genug, ich geh mal schaukeln!

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