Eyeshield 21

Eyeshield 21

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© 2004 Mai Studio Village Studio / Shueisha  TV Tokyo NAS

Daten:

  • Regisseure: Masayoshi Nishidaa (bis Episode 103), Shin Katagai (ab Episode 104)
  • Sprache: Japanisch
  • Untertitel: Englisch
  • Streaming-Plattform: Crunchyroll 
  • Produktionsjahr: 2005
  • Episoden: 145

Eyeshield 21

Dass ich Sport-Anime absolut liebe hat euch mein Artikel von vor einiger Zeit bereits belegt. Aus diesem Grund versuche ich möglichst jeden Genrevertreter anzuschauen, sobald er in Deutschland rauskommt. An „Eyeshield 21“ habe ich mich dabei sehr lange nicht ran getraut, obwohl die Serie sich großer Beliebtheit erfreut. Spätestens nachdem ich den Manga von „One Punch Man“ und die damit wirklich atemberaubenden Zeichnungen von Yusuke Murata gesehen hatte, wollte ich mir die Serie dann aber doch unbedingt anschauen. Auf Crunchyroll wird sie mit englischen Untertiteln auch für deutsche Fans angeboten – deutsche Untertitel gibt es leider nicht. Warum es sich dennoch lohnt, die 145 Episoden anzuschauen, möchte ich euch in der folgenden Review zeigen.

Don’t judge a book by its cover“

Sena Kobayashi ist ein kleiner, unauffälliger Junge. Für sein Alter wirkt er noch ziemlich ängstlich, weshalb er häufig von größeren Schülern geärgert wird. Weil dies auf bisher jeder Schule passierte und Flucht die beste Methode zur Verteidigung ist, hat Sena sich zu einem extrem schnellen und wendigen Läufer entwickelt. Dies bemerkt eines Tages der Kapitän des American Football-Teams „Hiruma“ und versucht Sena aufgrund dessen dazu zu überreden, dem Sport-Klub beizutreten. Sena ist zu Beginn nicht wirklich überzeugt von der Idee, auch weil seine Kindheitsfreundin Mamori ihm davon abrät, da Hiruma der berüchtigte Tyrann der Schule ist.

Hirumas Überredungskünste bringen Sena nach einiger Zeit aber doch dazu, Mitglied des Football-Teams zu werden. Ein weiterer Grund hierfür ist sicherlich auch Kurita, der ebenfalls dem Team beiwohnt und ein sehr netter Typ ist. Damit andere Teams nicht auf Sena aufmerksam werden, spielt er alsbald unter dem Spitznamen „Eyeshield 21“. Doch auch seine Geschwindigkeit kann dem extrem schwachen Team der Deimon Devil Bats nicht dabei helfen, die Ojo White Knights – eines der stärksten Football-Teams in Japan – zu besiegen. Trotzdem beginnt Sena nach und nach Spaß am Football zu finden.

Um beim wichtigsten Turnier des Jahres – dem Christmas Bowl – eine Chance zu haben, müssen Hiruma, Kurita und Sena neue Mitspieler finden, die aus voller Leidenschaft Football spielen möchten. Nach und nach finden sie die Personen für die verschiedenen Positionen. Ob sie damit jedoch wirklich die Ojo White Knights besiegen können, erfahrt ihr nur, wenn ihr euch die Serie selbst anschaut.

Sport im Vordergrund

Sport-Serien können einen unterschiedlichen Fokus setzen. Im Gegensatz zu Serien, bei denen eher die Charakterbeziehungen im Vordergrund stehen wie z.B. „Free!!“, steht bei „Eyeshield 21“ der Sport ganz klar im Vordergrund. Nach den Einführungsepisoden kann man die späteren Folgen häufig in „Spiel-Episoden“ oder „Trainings-Episoden“ einteilen. Nur selten gibt es kurze Verschnaufpausen, in denen die Figuren komplett andere Dinge treiben. Besonders Fans von „Tournament-Arcs“ werden sich sicherlich freuen, dass die zweite Hälfte der Serie größtenteils von Turnierspiel zu Turnierspiel springt. Das führt zu einem sehr stark hoch gehaltenem Spannungsbogen und dazu, dass man als Zuschauer nur wirklich selten abschalten möchte.

Ähnlich wie andere Sport-Anime wie z.B. „Kuroko no Basuke“ oder „Prince of Tennis“ ist auch „Eyeshield 21“ keine realistische Darstellung von American Football. Man lernt zwar einige Regeln kennen – insbesondere in den kurzen Zwischenmomenten, der sogenannten „Amefto-Clinic“, in denen die Regeln des Spiels erklärt werden – die Charakter erhalten nach und nach aber bestimmte Spezialfähigkeiten, die sich der Realität entziehen. Sind es zu Beginn noch eher einfache Bewegungen, so können Charaktere später große Mauern aufbauen oder sogar Gegner von nahezu jedem Punkt des Feldes angreifen. Echte Sportler würden sich sicher freuen, wenn sie dies ebenso einfach tun könnten.

Abgedrehter Humor

Die Geschichte von „Eyeshield 21“ ist schnell erzählt. Ein relativ schwaches Team versucht mit einem bis dato unbekannten Spieler alle bekannten Teams zu besiegen. Eine ähnliche Handlung erzählen auch andere gängige Sport-Anime (beispielsweise „Captain Tsubasa“ oder „Kickers“). Bestimmte Kleinigkeiten der Geschichte können sogar teilweise nerven und unrealistisch wirken. Ich fragte mich beispielsweise sehr lange, warum Mamori nicht rausfindet, dass Sena in Wirklichkeit Eyeshield 21 ist. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass andere Aspekte der Serie funktionieren und zum Weiterschauen animieren.

Die wohl größte Stärke der Serie ist der Humor. Viele Serien aus dem Shounen Jump-Magazin arbeiten mit humoristischen Episoden. Insbesondere neuere Sportanime wie „Haikyuu!!“ zeigen, dass gerade Sportserien von humoristischen Szenen profitieren können. „Eyeshield 21“ geht aber viel weiter. Ähnlich wie bei „Gintama“ steht der Humor hier häufig im Vordergrund und ist – besonders Abseits des Spielfelds – die wichtigste Komponente der Serie. Das Timing dieser Gags ist fast immer perfekt und bringt auch Nicht-Football-Fans zum Lachen.

Der Humor ist dabei absichtlich extrem übertrieben dargestellt. Hier können Charaktere mit Raketenwerfern um sich schießen, Hunde Menschen fressen oder Bälle bis ins Weltall fliegen. Der Humor der Serie übertrifft sich jedes Mal wieder selbst, weil man als Zuschauer nicht erwarten kann, was in der nächsten Szene passieren wird. Teil des Humors sind auch einige Running-Gags wie die „Ha-Ha-Ha-Brüder“ oder die nicht vorhandene Präsenz von Ishimaru. Durch das unfassbar gute Timing des Humors wirken die Running-Gags nie langweilig, sondern werden nur an den genau richtigen Stellen genutzt und bringen mich jedes Mal wieder zum Lachen.

Ist Sena überhaupt Hauptcharakter?

Der Humor kann nur funktionieren, weil die Charaktere der Serie so gut ausgearbeitet sind und zusammenarbeiten. Glücklicherweise existieren fast alle Figuren nicht nur für Running Gags, sondern besitzen mehrere auszeichnende Eigenschaften und entwickeln sich weiter. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Hauptcharakter Sena. Denkt man zu Beginn noch, dass er eine komplette Heulsuse ist, kann er durch seine Erfolge im Football mit der Zeit an Selbstvertrauen gewinnen. Dadurch ist der Sena aus Episode 1 überhaupt nicht mehr mit dem aus Episode 145 vergleichbar. Somit verändert sich auch seine Beziehung zu den anderen Figuren. Diesen Schritt vergessen viele Sportanime häufig. Auch wenn sich Figuren entwickeln, verändert sich das Verhalten in Interaktionen mit den Kameraden häufig leider nicht.

Auch wenn man Sena eigentlich als Hauptcharakter der Serie beschreiben würde, ist er nicht die wichtigste Figur der Serie. Der Team-Kapitän Yoichi Hiruma ist in Fankreisen weitaus beliebter. Er ist das genaue Gegenteil von Sena: Ein Tyrann, der durch verschiedene Metaphern häufig mit dem Teufel verglichen wird. Der Großteil aller witzigen Szenen des Anime wird von Hiruma initiiert. Immer wieder versucht er beispielsweise andere Schüler zu erpressen, um sie zum Mitspielen zu bringen. Auch läuft er wiederkehrend mit Pistolen und anderen Waffen durch die Schule und scheut nicht davor, sie auch zu benutzen.

Hiruma ist unberechenbar und gerade deshalb so interessant. Denkt man meistens, dass er ein verrückter Psychopath ist, dem man am liebsten niemals begegnen würde, sieht man in einzelnen Episoden (beispielsweise in Teilen des „Death March“), dass er eigentlich ein guter Mensch ist. Er hat einen Traum – der Sieg beim Christmas Bowl – und möchte alles versuchen, um sich diesen zu erfüllen. Wäre Hiruma ein Comic-Relief-Charakter könnte man nur über ihn lachen, diese wenigen ernsten Szenen helfen dem Zuschauer aber dabei, Sympathien ihm gegenüber aufzubauen.

Ein riesiger Nebencast

Wie jeder Sportanime besitzt auch „Eyeshield 21“ einen unfassbar großen Cast an Nebencharakteren. Am häufigsten sieht man sicherlich Senas Mitspieler der Deimon Devil Bats. Komosubi, Musashi, die Hahaha-Brüder, Taro und Yukimitsu sind jeweils stark unterschiedliche Figuren. Auf den ersten Blick erkennt man eventuell nur ihre stereotypen Eigenschaften, die für viele Running Gags – beispielsweise Taros Ähnlichkeit zu einem Affen – genutzt werden. All diese Figuren erhalten aber eine vernünftige Hintergrundgeschichte und mehrere Episoden, in denen sie im Vordergrund stehen. Hier unterscheidet sich „Eyeshield 21“ stark von älteren Vertretern des Genres wie „Captain Tsubasa“, bei denen die Mitspieler nur Beiwerk sind. Jeder Spieler hat seine Stärken und Schwächen, die in den unterschiedlichen Spielen realistisch eingesetzt werden.

Insbesondere „Haikyuu!“ (https://jimoku.de/review/haikyuu-episode-1/) und „Yowamushi Pedal“ haben gezeigt, dass nicht nur die Hauptfiguren in Sport-Anime wichtig sind. Wirklich gute Rivalen sind häufig beliebter und tragen stark zur Entwicklung der Charaktere dabei. Hierzu habe ich bei „Eyeshield 21“ sehr gemischte Gefühle. Auf der einen Seite bietet die Serie sehr abwechslungsreiche Teams, an die man sich auch nach dem Schauen des Anime noch erinnert, auf der anderen Seite sind die einzelnen Spieler der Gegner-Teams nur selten wirklich spannend. Abgesehen von einigen wenigen (z.B. Shin, Panther, Kid) kann man die gegnerischen Spieler oft auf ein einziges Gimmick runterbrechen. Für die Spiele selbst funktioniert das gut, eine emotionale Bindung zu den Gegnern kann man so aber nur selten aufbauen.

Etwas negativ aufgefallen sind auch die einzelnen Filler-Episoden. Zwischen den Spielen gibt es immer wieder Folgen, die so wirken, als ob sie nicht in den Anime gehören. Etwas Recherche zeigte, dass ein Teil dieser Episoden auch nicht Teil des Original-Manga waren.

Animationen als Schwachpunkt

Im Gegensatz zu den neueren Sportanime (insbesondere „Hanebado“ aus der Sommer Season 2018), sieht „Eyeshield 21“ leider nicht besonders gut aus, obwohl der Manga wirklich dynamisch gezeichnet ist. Der Anime hingegen hat ähnliche Probleme wie andere längere Serien: Es gibt sehr viele „Still-Frames“ und einzelne Animationen werden häufig wiederholt. Dies wird getan, um Ressourcen zu sparen, fällt aber trotzdem negativ auf. Zusätzlich scheint die Qualität der Animationen leider im Verlaufe der Serie etwas abzunehmen. Gab es zu Beginn noch viele große Explosionen und Bewegung im Hintergrund, hat sich das im Verlauf der Serie immer weiter verschlechtert.

Positiv hat mir das Charakter-Design gefallen. Die Figuren haben alle Eigenschaften, durch die man sie klar unterscheiden kann; häufig ist ihr Charakter sogar durch das Aussehen erkennbar. Hiruma sieht beispielsweise aus wie ein Teufel. Das Charakter-Design orientiert sich dabei auch eher am männlichen Publikum, das bedeutet, dass man hier keine „schönen Jungs“ (Bishounen) wie in „Haikyuu!“ erwarten sollte. Negativ fällt zusätzlich auf, dass Crunchyroll die Serie leider nur in 480p anbietet, die Bildqualität lässt also – auch auf einem gutem Fernseher – zu wünschen übrig.

Der Soundtrack hingegen hat mir gefallen. Insbesondere in den Spielen selbst passt sich der Soundtrack sehr gut an die Atmosphäre an. Wenn man die Serie am Stück schaut, fällt einem aber leider auf, dass viele Songs sehr oft genutzt werden. Es könnte also passieren, dass man sich an einigen von ihnen „überhört“. Die japanischen Synchronsprecher machen einen guten Job. Insbesondere Atsushi Tamura als Hiruma bleibt mit seinem ikonischen „Ya-Ha!“ im Gedächtnis hängen. Es ist verwunderlich, warum man seine Stimme nicht öfter in anderen Anime gehört hat. Etwas enttäuscht war ich hingegen von Shoko Nakagawa als Suzuna. Sie sprach die Rolle extrem nasal, wodurch sie sich zu stark von den anderen abgehoben hat und besonders in den ersten Folgen, in denen sie auftauchte, stark störte.

Für Fans von Sport und Comedy!

Vor vielen Jahren gehörte „Eyeshield 21“ zu den beliebtesten Manga im Shounen Jump, heutzutage redet kaum jemand mehr über ihn. Man merkt dem Anime – insbesondere den Animationen – sein Alter sicherlich etwas an, trotzdem sollte jeder Sport-Fan ihm unbedingt eine Chance geben, besonders wenn man gerne lacht. Der Anime erzählt eine simple Geschichte mit sympathischen Charakteren und vermischt dies mit sehr abgedrehtem Humor und wird dadurch zu einer ganz besonderen Erfahrung.

Solltet ihr Fans von „Gintama“ oder „Yowamushi Pedal“ sein, müsst ihr „Eyeshield 21“ unbedingt eine Chance geben. Ich freue mich, dass Crunchyroll mir die Chance gegeben hat, den Anime endlich nachzuholen und hoffe, dass wir auch weitere ältere Sport-Serien bald in Deutschland sehen können.

Meine Bewertung: 7,5/10 Punkte

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

Kommentare (1)

  1. […] zwei Wochen habe ich euch „Eyeshield 21“ vorgestellt. Auch diese Review handelt wieder von einem etwas älteren Sportanime. „Ace of […]

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