Cutie Honey Universe

Cutie Honey Universe

Startseite » Review » Action » Cutie Honey Universe
© 2018 Go Nagai/Dynamic Planning-Project CHU

Daten:

  • Regisseur: Akitoshi Yokoyama
  • Sprache: Japanisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Streaming-Plattform: Anime on Demand
  • Erscheinungstermin: April 2018
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Production Reed
  • Produktionsjahr: 2018
  • Episoden: 12
  • Spieldauer pro Folge: ca. 23 Minuten

Cutie Honey Universe

Zum 50-jährigen Jubiläum des Mangakas Go Nagai erschien am 8. April 2018 in Japan eine Neuauflage des Cutie Honey-Animes mit dem Titel „Cutie Honey Universe“. Hierzulande konnte sich der Streaming Dienst Anime on Demand die Rechte für die bisher 12 Episoden umfassende Serie sichern. Der Neuversuch wirkt visuell wie eine Mischung aus Utena und Katanagatari, hält sich jedoch trotzdem sehr streng an das ursprüngliche Charakterdesign seines Zeichners. Doch kann so ein Re-boot, nur 14 Jahre nach dem letzten wirklich funktionieren? Wir haben uns die Serie für Euch angeschaut und präsentieren im Folgenden unser Fazit.

Eine Gesetzeshüterin auf dem Mädcheninternat

Die junge Honey Kisaragi besucht ein reines Mädcheninternat in den abgelegenen Bergen. Sie verbringt ihre Tage entweder damit, mit ihrer besten Freundin Natsuko Lunchboxen zu vertilgen oder Lehrerinnen beim heimlichen Outdoor-Sex zu beobachten. Doch Honey hat ein Geheimnis, das nur wenige Eingeweihte kennen: Sie ist eigentlich ein Super-Android, welcher zehnmal mehr Kraft als ein normaler Mensch besitzt! Als solcher kann sie sich mithilfe einer in ihrem Körper befindlichen Technologie in viele verschiedene Versionen ihrer selbst oder sogar in eine Kämpferin für die Gerechtigkeit verwandeln. Mit ihrer geheimnisvollen Kraft unterstützt Honey als „Cutie Honey“ die örtliche Polizei („PCIS“) und kämpft gegen die dunkle Organisation „Panther Claw“, welche ihre Technologie stehlen will und bereits Honeys Vater auf dem Gewissen hat. Ihr größter Feind ist dabei die schöne, aber auch sehr gefährliche Anführerin der Terroristentruppe namens „Sister Jill“, die sich einen ganzen Harem an süßen kleinen Mädchen hält, die sie nach Belieben in kampfwütige Monster verwandelt. Ob Honey es schaffen wird, sich an den Mördern ihres Vaters zu rächen? Diese Frage kann euch nur ein Blick in die Serie selbst beantworten.

Soviel Yuri wie noch nie

Womit ich vor dem Schauen in keiner Weise gerechnet habe war, dass ich einen Yuri-Anime mit sehr vielen Ecchi-Elementen vor mir haben würde. Allein die erste Episode des Animes ist schon voll mit expliziten und seltsam anmutenden Szenerien, die mich persönlich etwas verstört haben. Nicht, dass mir Yuri oder Yaoi-Anime grundsätzlich nicht gefallen würden, aber die unsubtile, grobe Art des eingebauten Fanservices ließ mich mehrere Male erschaudern und fühlte sich einfach nicht richtig an.

Schon beim Blick in Sister Jill Hauptquartier ist das Rumgemache der dort eingesperrten jungen Frauen stark im Fokus und sehr geräuschintensiv vertont. Ich konnte noch damit leben, dass Natsuko Honey liebevoll mit einem Stück Zitrone, inklusive Schale, fütterte, aber als die Kamera im nächsten Moment zu den im Park kopulierenden Lehrerinnen schwenkte, war mir mehr als mulmig. Und es wurde auch nicht wirklich besser- Eine Lehrerin mit Peitsche, die ihre Schülerinnen mithilfe des Foltergeräts auszieht, knebelt und foltert, wildes Brüste Begrabschen schon bei der ersten Begegnung mit Agentin Genet oder der Running Gag des sich ständig nackt machenden alten Opas Danbei Hayami sind für mich eindeutig „zu viel des Guten“ gewesen. Fast geweint habe ich über den Fakt, dass die sehr hässlich dargestellte, androgyne Gang-Leaderin an der Schule die Stimme meiner Lieblingssynchronsprecherin Romi Park hat… Es gibt wohl kaum einen Anime, den ich bisher sah, bei dem ich so oft „WAS ZUR HÖLLE?!“ dachte.

Sexismus- gegen alle Männer gerichtet

Während man in vielen Anime oft die schreckliche Darstellung der weiblichen Charaktere bemängeln kann, da sie als hilflose „Damsel in Distress“ dargestellt werden, muss man bei Cutie Honey Universe genau das Gegenteil sagen: Sämtliche männliche Charaktere werden als ekelhafte Lustmolche, dümmliche Idioten oder misshandelnde Schläger gezeigt, die die Welt der Damen eigentlich gar nicht braucht. Dieser Ansatz macht weder vor Nebencharakteren, noch vor dem Polizei-Ermittler Seiji Hayami halt, dessen Verliebtheit in Honey grundsätzlich ins Lächerliche gezogen wird. Wie bereits angeklungen, sind auch Seijis Vater und sein jüngerer Bruder Junpei stets um Schürzenjäger-haftes Auftreten bemüht, sodass man sich wünscht, diese Charaktere hätten es nicht in die Neuauflage der Serie geschafft.

Die Animation- einziger „Lichtflash“…?

Trotz der vielen negativ herausgestellten Punkte von „Cutie Honey Universe“ ist die Animation von Studio Production Reed nicht allzu schlecht ausgefallen. Alle Szenen mit Motorrädern und Autos sind vergleichsweise super animiert und auch Episode 6 glänzt mit einigen sehr experimentellen Visuals. Auftretende Kampfszenen mit Sister Jill haben immer eine kurze, aber knackige Choreographie, jedoch: in den viel häufiger stattfindenden Kämpfen gegen die Monster kommt Honey in eine „Warp-Zone“-ähnliche Umgebung, in der sie kaum direkten physischen Kontakt mit den Gegnern hat und meist nur Schüsse abfeuert. Jedoch wurden auch hier nette Details eingebaut, wie zum Beispiel die Tatsache, dass sich Honeys Haare während eines Kampfes aufgrund der Schwächung halb zurückverwandeln.

Das neue Opening, welches davon abgesehen hat, den Originalsong „Cutie Honey“ zu covern, so wie es viele der Vorgänger getan haben, ist musikalisch und auch visuell nicht so powervoll, wie man es sich wünschen würde. Es besteht aus vielen schnell aneinandergereihten Einzelaufnahmen und erzählt auch keine zusammenhängende Geschichte- eher zeigt es hintereinander alle Charaktere und Bösewichte auf, denen man im Laufe der Serie über den Weg läuft.

Auch wenn ich mich nur begrenzt im Cutie Honey Universum auskenne, finde ich, dass die sehr übertriebene Mimik und Gestik dieser Serie keine gute Wahl ist. Alle menschlichen Nebencharaktere, wie beispielsweise Honeys Freundin Natsuko haben viel einfacher gehaltene und teilweise nicht einmal kolorierte Augen, obwohl so ein starker Designunterschied auch bei den weniger wichtigen Bösewichten nicht auftritt.

Fazit – Quo Vadis, Honey?

Cutie Honey wurde vom selben Autoren verfasst wie Devilman Crybaby, aber während die eine Serie einen guten Erfolg bei Netflix verbuchen konnte, lässt sich für die andere nur sehr schwer eine Empfehlung an Animefans aussprechen. Animationen, Charaktere und Story- alle Elemente sind bestenfalls mittelmäßig umgesetzt und enttäuschen jeden Liebhaber von Retro-Magical-Girl-Serien. Grundsätzlich denke ich zwar, dass der Anime mit einem besseren Direktor auch besser umgesetzt hätte werden können, jedoch ist er in seiner jetzigen Form immer noch eine gescheiterte, moderne Inkarnation – das Beispiel „GeGeGe no Kitaro“ zeigt da eindeutig, wie es besser funktionieren kann.

Tsus Bewertung: 3/10 Punkte

Avatar

About Tsu

Tsu ist studierte Japanologin und in Kassels soziokulturellem Geschehen tätig. Als ehemaliger Convention-Showact und Radiomoderatorin bei Kibo.FM juckt ihr manchmal immer noch der kreative, schreibwütige Finger, weswegen man seit Oktober 2016 die eine oder andere Review von ihr bei Jimoku findet. Tsus Lieblingsanime sind „Fullmetal Alchemist Brotherhood“ und „Chikyuu Shoujo Arjuna".
Tsu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.