Captain Tsubasa: Super Kickers 2006

Captain Tsubasa: Super Kickers 2006

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© 2002 Yōichi Takahashi / Shueisha / Group TAC.

Daten:

  • Regisseur: Hiroyoshi Mitsunobu
  • Sprache: Japanisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
  • Anzahl Disks: 5
  • FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
  • Studio: KSM Anime
  • Erscheinungstermin: 20. Februar 2016
  • Produktionsjahr: 2001
  • Spieldauer: 1092 Minuten
  • Preis: 79,99€

Das Revival von Captain Tsubasa

Captain Tsubasa ist die wohl erfolgreichste Fußball-Manga-Serie aller Zeiten. Die in Deutschland mit dem Namen „Die tollen Fußballstars“ versehene Animeserie lief zum ersten Mal im Jahr 1995 auf RTL 2. Aufgrund der großen Beliebtheit konnte Zeichner Yoichi Takahashi nach Beendigung der Serie weitere Staffeln zu Captain Tsubasa zeichnen. Die dritte Staffel nannte sich „Captain Tsubasa Road to 2002“ und wurde zum Teil der Fußballweltmeisterschaft in Japan und Südkorea gewidmet. Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2006 wurde dieselbe Serie später unter dem Namen „Super Kickers 2006“ auch in Deutschland veröffentlicht. Da es in den 90er-Jahren einen weiteren Fußballanime mit dem Namen „Kickers“ im deutschen TV gab, sorgte diese Umbenennung für große Verwirrung, da viele annahmen, dass die neue Serie eine Fortsetzung der alten „Kickers“ sei. Die neue Veröffentlichung nennt den Anime glücklicherweise: „Captain Tsubasa: Super Kickers 2006“, sodass es eindeutig sein sollte, dass diese Serie ein Teil des Captain Tsubasa Universums ist. Da KSM-Anime dieses Jahr eine Komplettbox zu Captain Tsubasa herausgebracht hat, möchte ich sie Euch in der folgenden Review noch einmal vorstellen.

Super Kickers 2006 handelt – wie Captain Tsubasa – Von Tsubasa Ohzora, einem japanischen Jungen, der den Traum hat, der beste Fußballer aller Zeiten zu werden. Die Serie begleitet Tsubasa und seine Freunde von der Schule bis zu seinem ersten Profivertrag in einer der großen Fußballligen der Welt. Zu Beginn der Serie erfahren wir direkt, dass die Nankatsu Mitteschule – die neue Schule von Tsubasa – einige Probleme hat. Der große Rivale Shutetsu, der einer der stärksten Vereine des Landes ist – möchte Nankatsu ihren Trainingsplatz wegnehmen, damit auch die zweite Mannschaft von Shutetsu dort trainieren kann. Glücklicherweise trifft Tsubasa kurz vor Beginn des Spiels ein und kann der Nankatsu-Mannschaft durch einen Sieg dazu verhelfen, ihren Platz zu behalten. Im Laufe der Geschichte lernt Tsubasa viele andere starke Fußballer kennen: Der Torwart Genzo Wakabayashi, der herzkranke Jun Misugi und sein großer Rivale Kojiro Hyuga sind nur einige Spieler, gegen die Tsubasa im Laufe seiner Karriere spielen muss. Glücklicherweise lernt er auch Taro Misaki kennen, der sehr schnell sein bester Freund und ihm dabei hilft, den Rivalen die Stirn zu bieten. Als goldenes Duo schaffen sie es, im ganzen Land bekannt zu werden. Nach den Schulturnieren trennen sich die Wege von Misaki, Wakabayashi, Tsubasa und Hyuga. Wer erfahren möchte wie die einzelnen Karrieren weitergehen, muss selber in Super Kickers 2006 hineinschauen.

Super Kickers 2006 besteht aus 52 Episoden. Mehr als die Hälfte des Anime wird dabei dafür genutzt, die Geschehnisse der vorherigen Manga-Serien („Captain Tsubasa und „Captain Tsubasa World Youth“) zu rekapitulieren. Die ersten 19 Episoden beschäftigen sich mit den Schulturnieren aus der Originalserie und die Episoden 20 bis 31 behandeln die U16-Weltmeisterschaft in der sich die japanische Auswahl gegen starke Gegner wie Frankreich und Deutschland beweisen muss. Nachdem die Episoden 32 bis 35 ein Spiel aus der Serie Captain Tsubasa World Youth zeigen, beginnt erst ab Episode 36 die neue Geschichte.

Super Kickers 2006 löst immer wieder gemischte Gefühle bei mir aus. Ich bin ein sehr großer Fan von der Originalserie, die Neuinterpretation gefällt mir leider nur bedingt. Zuerst muss beachtet werden, dass die Serie versucht die Originalgeschichte von Captain Tsubasa in nur 19 Episoden zu erzählen. Aufgrund dessen müssen sehr viele Einzelheiten ausgelassen werden. Die meisten dieser Änderungen erscheinen zwar sinnvoll, das Pacing der einzelnen Folgen stimmt dadurch aber nicht. Auf der einen Seite möchte man natürlich nicht – wie im Original – das einzelne Fußballspiele über zehn Episoden gestreckt werden, auf der anderen Seite leidet die Spannung an viel zu schnellen Spielen. Weiterhin wurden alle Episoden herausgenommen, die etwas für die Entwicklung der einzelnen Charaktere getan haben. Man erfährt von vielen Charakteren nur sehr wenig und kann sich aus diesem Grund nicht richtig mit ihnen identifizieren. In diesem Anime stehen ganz klar die Fußballspiele im Mittelpunkt. Da diese wirklich gut animiert sind, macht das Schauen auch sehr viel Spaß, trotz einiger Schwächen.

Die größte Stärke des Anime sind sicherlich die Episoden 20 bis 31, die die U16-Weltmeiterschaft behandeln. Diese Folgen sind besser animiert als die damalige (nicht in Deutschland erschienene) OVA „Shin Captain Tsubasa“, die auch das Turnier behandelt und schafft es, die gezeigten Spiele spannend darzustellen. In diesen Spielen kann man viele Spieler, die man im Mittelschulturnier kennengelernt hat, noch einmal sehen und sie dadurch besser kennenlernen. Gemeinsame Spielzüge, neue Spezialtechniken und extrem starke Gegner machen diese elf Episoden zu einem Highlight des kompletten Captain Tsubasa-Franchise.

Daneben wirken die wenigen Episoden, welche Tsubasa in Brasilien zeigen, leider sehr langweilig. Man hat kaum Zeit, sich an die neue Umgebung und die neuen Charaktere zu gewöhnen und wird einfach in ein Spiel-Szenario „geschmissen“, dessen Wichtigkeit man gar nicht richtig einschätzen kann. Hier hätte man sich sicherlich viel mehr Zeit nehmen müssen.

Die Mangavorlage „Captain Tsubasa Road to 2002“ beginnt erst nach diesen Geschehnissen. In den wenigen neuen Episoden erfährt man, wie Tsubasa versucht in Spanien beim FC Katalonien (Äquivalent zu FC Barcelona) Fuß zu fassen. Des Weiteren sieht man auch, wie Kojiro Hyuga in Italien und Genzo Wakabyashi in Deutschland spielt. Diese Episoden wirken deutlich realistischer als die Vorherigen. Man merkt, dass Yoichi Takahashi versucht hat, Inspiration bei realen Spielern zu suchen und einige dieser Spieler sogar in den Anime integriert hat. Trotz einiger Schwächen in der Umsetzung ist es interessant zu sehen, wie gut Tsubasa und seine Freunde im Ausland klarkommen. Sie lernen relativ schnell, dass der Fußball in Japan lange noch nicht so weit ist, wie sie denken und dass es im Ausland viele Spieler gibt, die noch viel besser spielen als sie selbst. Es ist sehr erfrischend zu sehen, dass Tsubasa auch einmal scheitern kann und nicht immer sofort der beste Fußballer in seiner Mannschaft ist. Das Ende des Anime ist hingegen wirklich frustrierend, da die Serie relativ abrupt endet. Der Zeichner brach diese Staffel ab, da Japan bei der Weltmeisterschaft 2002 nicht sehr weit kam.

Die deutsche Umsetzung hat mir mittelmäßig gefallen. Das Skript ist an einigen Stellen nicht perfekt und lässt die Dialoge teils schwammig und unausgereift wirken. Die wichtigen Synchronsprecher leisten gute Arbeit (besonders Nico Sablik als erwachsener Tsubasa, Konrad Bösherz als Taro Misaki und Sebastian Schulz als Kojiro Hyuga), die Nebencharaktere sind aber eher schwächer besetzt und wirken oftmals sehr unmotiviert. Die größte Schwäche der deutschen Synchro ist die Aussprache der japanischen Namen. Es ist zwar sehr schön zu hören, dass Tsubasa Ohzora richtig ausgesprochen wird, die Aussprache von Kojiro Hyuga als „Hüga“ stört aber sehr und bringt Personen, die das Original kennen schnell zum Lachen. In diesem Sinne ist es schade, dass man sich bei der Umsetzung nicht eine japanisch-sprechende Beratung oder den Originalton als Hilfestellung dazu genommen hat, da wirklich viele gute Synchronsprecher Teil der deutschen Produktion waren und man somit sehr gute Voraussetzungen hatte. Das deutsche Opening ist – im Gegensatz zu den japanischen Originalen – leider auch eher langweilig.

Die Mangavorlage zu Super Kickers 2006 ist zwar schwächer als die beiden Vorgängerserien, trotzdem hätte man sicherlich eine vernünftige Animeserie aus der Vorlage machen können. Leider entschied man sich dafür, die Handlung der vorherigen Serien zusammenzufassen, sodass man nur wenige Folgen hat, die wirklich eine neue Geschichte erzählen. Der Rückblick ist für Neulinge zwar interessant, fokussiert aber nur die einzelnen Fußballspiele, sodass die neuen Zuschauer sich mit den Charakteren nicht vernünftig identifizieren können. Dies ist traurig, da die Serie doch als ein Klassiker im Fußballgenre gilt. So kriegt man nur eine spannende U16-Weltmeisterschaft zu sehen und muss sich den Rest anschauen, der weitaus schwächer wirkt.

Als Fan der Captain Tsubasa-Reihe kann ich euch Super Kickers 2006 leider nicht unbedingt empfehlen. Die Fußballspiele sind zwar gut animiert und besonders die U16-Weltmeisterschaft ist wirklich spannend, die fehlende Tiefe und das schlechte Pacing hindern den Anime aber daran, wirklich gut zu sein. Zusätzlich kann die deutsche Umsetzung leider nur bedingt überzeugen. Personen, die sich mit der Geschichte von Tsubasa Ohzora beschäftigen wollen, sollten deshalb meiner Meinung nach lieber die Originalserie Die Tollen Fußballstars schauen. Die Komplettbox ist auch bei KSM-Anime erschienen und kann in der Standard Version schon für sehr günstige 42,99 Euro gekauft werden. Personen, die die Originalserie schon besitzen, könnten darüber nachdenken sich auch die Super Kickers 2006-Komplettbox zu kaufen, da man als Fan die Charaktere schon kennengelernt hat und die fehlende Tiefe deswegen etwas weniger ins Gewicht fällt. Außerdem sind die Serien Shin Captain Tsubasa und Captain Tsubasa J in Deutschland nicht erschienen, sodass Super Kickers 2006 die einzige Möglichkeit ist, Tsubasa auch nach seiner Schulkarriere weiter zu verfolgen.

Wer möchte kann auch gerne auf Clipfish in die Serie hineinschauen, da KSM-Anime diese hier komplett kostenlos zur Verfügung stellt.

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About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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