Bleach

Bleach

Startseite » Review » Action » Bleach
© Tite Kubo/Shueisha, TV TOKYO, dentsu, Pierrot

Daten:

  • Regisseur(e): Noriyuki Abe
  • Sprache: Japanisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
  • Anzahl Disks: 3
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: KAZÉ Anime (AV Visionen)
  • Erscheinungstermin: 16. Juni 2017 (Box 1)
  • Produktionsjahr: 2013
  • Spieldauer: 500 Minuten
  • Preis: 50,99 € (Box 1)

Über viele Jahre hinweg gab es eine klare Hierarchie im Shounen Jump. Die sogenannten „Big 3“ dominierten die Verkäufe sowie die internen Charts. Konnten deutsche Fans sich schon länger an den Anime-Umsetzungen von „Naruto“ und „One Piece“ erfreuen, dauerte es einige Zeit, bis der Anime „Bleach“ endlich in Deutschland zu sehen war (2009 auf Animax). Seit Mitte 2017 veröffentlicht der Publisher KAZÉ die Serie endlich in schicken, großen Boxen mit jeweils 20 Episoden. Dabei veröffentlicht er auch die bisher nicht synchronisierten Episoden 53 – 63 in der dritten Box. Geplant ist, mindestens die ersten 123 Episoden erscheinen zu lassen. Ein Grund genug für uns, nach langer Zeit wieder einmal in die Serie rein zu schauen. Die folgende Review bezieht sich auf die gesamte Bleach-Serie, durch die nette Unterstützung von KAZÉ betrachten wir aber insbesondere die ersten 20 Episoden. Für Personen, die Bleach bisher noch nicht gesehen haben, werden wir Spoiler markieren.

Von Todesgöttern und Geistern

Menschen denken häufig, dass sie der Mittelpunkt des Universums sind. In „Bleach“ ist dies aber nicht der Fall. Neben der Welt der Menschen existieren noch viele weitere Paralleldimensionen, in denen andere Wesen leben. Eine dieser Dimensionen ist die „Soul Society“. In ihr leben die sogenannten „Shinigami“ (japanisch für Todesgötter). Sie sehen auf den ersten Blick aus wie Menschen, sind in Wirklichkeit aber Seelen verstorbener Menschen, die bestimmte Prüfungen bestanden haben. Sie können von normalen Menschen nicht gesehen werden, weshalb sie sich frei in der Menschenwelt bewegen können. In einer weiteren Dimension („Hueco Mundo“) leben die sogenannten Hollows. Hollows sind Seelen verstorbener Menschen, die durch negative Emotionen so sehr zerfressen wurden, dass sie zu einer Art Monster geworden sind. Auch sie können von normalen Menschen nicht gesehen werden. Diese Wesen suchen häufig die Menschenwelt heim, um Seelen von Verstorbenen zu fressen, um neue Hollows zu erschaffen oder um generell Chaos zu verursachen. Es ist nun die Aufgabe der Shinigami, Hollows aufzuspüren und zu reinigen.

Hauptcharakter des Anime ist der 15-jährige Ichigo Kurosaki. Er unterscheidet sich von anderen Menschen: Er kann Hollows und Shinigami ganz genau sehen. Eines Tages begegnet er zufällig der Shinigami Rukia Kuchiki und beobachtet ihren Kampf gegen einen starken Hollow. Als Rukia im Kampf schwer verletzt wird, sieht sie nur eine Möglichkeit: Sie muss ihre Kräfte auf Ichigo übertragen. Hierdurch wird Ichigo selbst ein Shinigami.

Solange Rukia sich von ihrer Verletzung erholt, muss Ichigo nun ihre Aufgaben als Hollow-Jäger erledigen. Relativ schnell merkt er, dass er nicht die einzige Person in seiner Schulklasse ist, die besondere Fähigkeiten hat. Spätestens als dann Rukias Bruder Byakuya Kuchiki ins Geschehen tritt, erkennt Ichigo, in was für eine seltsame Situation er geraten ist und wie sich seine Weltsicht verändert.

Bleach Staffel 1 – Ein eher langsamer Start

In der ersten Folge von Bleach wird das relativ simple Setting erklärt, man erfährt welche Charaktereigenschaften der Hauptcharakter hat und sieht mit eigenen Augen welche Kräfte er bekommt. Das Konzept der Shinigami ist einfach genug, um es direkt zu verstehen, zugleich aber so spannend, dass man als Zuschauer mehr von der Welt der Shinigami sehen möchte. Zusätzlich ist schon die erste Episode von Bleach – besonders der große Kampf sowie Rukias Verletzung – weitaus düsterer als andere Vertreter des Shounen-Genres. Durch diese Mischung gefällt mir die erste Episode von Bleach besser als beispielsweise die erste Folge von „One Piece“, in der man viel weniger über die Welt und die Charaktere erfährt.

Im weiteren Verlauf verlangsamt sich das Pacing leider stark. Lernt man zu Beginn noch Ichigos Klassenkameraden Orihime, Chad und Ishida kennen, hat man nach einigen Folgen schon das Gefühl, dass sich die Nebenplots wiederholen. Es wirkt so, als ob in jeder Folge ein neuer Gegner eingeführt wird, den Ichigo am Ende besiegen kann. Hierdurch entsteht relativ schnell Langeweile, da man sich wie in einer typischen „Filler-Arc“ wie bei auch anderen Shounen-Anime fühlt. Man hat außerdem das Gefühl, dass der Anime kein wirkliches Ziel hat.

Ab Folge 15 beginnt die Serie langsam an Fahrt aufzunehmen. Man erfährt mehr zu den Hintergründen der Soul Society und lernt schrittweise, dass Rukia einen riesigen Fehler gemacht hat. Hierdurch entsteht ein Konflikt zwischen den Shinigami und Ichigo, wodurch endlich ein wirkliches Ziel zu erkennen ist. Die neuen Charaktere sowie die neuen Handlungsstränge bringen eine Dynamik in die Geschichte, die den ersten Episoden gefehlt hat. Man hätte die ersten 14 Episode sicherlich etwas kürzen können, um Zuschauer nicht abzuschrecken, die sich zu sehr langweilen. Das Ende der ersten Staffel zeigt letztendlich, das Bleach durchaus in der Lage dazu ist, sehr gut zu unterhalten. Die ersten Episoden werden nur durch den ziemlich guten Humor gerettet, welchen Ichigos Vater und der Charakter Kon einbringen.

Bleach nach Staffel 1 – Es geht bergauf

AB HIER BEFINDEN SICH KLEINE SPOILER ZUM WEITEREN STORYVERLAUF

Glücklicherweise kann Bleach den positiven Trend fortführen. Staffel 2 und 3 unterscheiden sich stark von den ersten 20 Episden. Ichigo betritt die Soul Society, ein mysteriöser und interessanter Ort mit vielen unterschiedlichen Charakteren. Endlich besitzt er auch ein Ziel: Er möchte Rukia retten. Hierdurch nimmt die Handlung der Serie Fahrt auf und man hat endlich das Gefühl, dass jede Episode einen Teil zu einer Gesamthandlung beiträgt. Zu verdanken ist dies sicherlich auch Charakteren wie Zaraki Kenpachi, Mayuri Kurotsuchi oder Ikakku Madarame, deren Geschichte häufig interessanter ist als die der Hauptcharaktere. Spätestens ab dem großen „Plot Twist“ in Staffel 3 hat mir die Serie dann sehr gut gefallen. Sie bietet interessante Kämpfe (Ichigo gegen Kenpachi gehört immer noch zu den besten Anime Duellen, die ich jemals gesehen haben) und eine spannende Geschichte.

Fans des Manga wissen, dass dies leider nicht anhält. Ähnlich wie andere Shounen-Jump Serien schafft Bleach es nicht, die Power-Level seiner Charaktere zu kontrollieren. Um die Leser bei der Stange zu halten werden immer stärkere Gegner eingeführt, weshalb Ichigo selbst noch stärker werden muss. Das führt dazu, dass Mangazeichner Kubo sehr verwirrende und oftmals unlogische Power-Ups erfindet. Daraus folgt nicht nur, dass die Kämpfe nicht mehr ernst genommen werden können, sondern auch, dass alle Story-Arcs nach einem ähnlichen Prinzip verlaufen. Zusätzlich ist Ichigo dadurch jedes Mal der einzige Charakter, der den großen Bösewicht besiegen kann. Auch das macht die gesamte Story vorhersehbar. Diese Entwicklung ist besonders traurig, wenn man die sehr hohe Qualität der zweiten und dritten Staffel betrachtet.

Sehr viele Charaktere

Wie in fast jedem Action-Shounen-Anime lernen wir auch in Bleach relativ schnell viele verschiedene Charaktere kennen. Ichigo erinnert mich dabei eher an Yusuke aus „Yu Yu Hakusho“ und nicht etwa an typische Shounen-Helden wie zum Beispiel Naruto. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein ganz normaler, etwas rabiater, Jugendlicher der das Herz am rechten Fleck hat. Nachdem Rukia ihre Kräfte auf ihn übertragen hat, zögert er keine Sekunde sondern beginnt direkt, die Hollows zu jagen, insbesondere weil er dadurch Menschen helfen kann. Gepaart mit dem normalen Schulleben kann man als Zuschauer dadurch einfach starke Sympathie gegenüber Ichigo aufbauen. Leider hat aber auch er einen Fehler: Er ist zu stark. Jeder andere Mensch, der Rukias Kräfte bekommen hätte, könnte sicherlich nicht so gut mit ihnen umgehen wie Ichigo. Hierdurch fehlen den Kämpfen (jedenfalls in den ersten 14 Episoden) die Spannung: Man geht davon aus, dass Ichigo niemals verlieren kann. Das ändert sich im Verlauf der Serie fast gar nicht, sodass man nur selten wirklich Angst um den Hauptcharakter hat.

Es ist durchaus erwähnenswert, dass es in Bleach sehr viele interessante Charaktere gibt. Wie in anderen großen Shounen Jump Serien kann somit jeder Zuschauer seinen Liebling finden. Leider wirkt sich der große Cast aber stark auf die Charakterisierung dieser Figuren aus. Einige wenige davon bekommen eine Hintergrundgeschichte, die meisten waren aber einfach nur uninteressant. Durch die immer größeren Power-Level werden die Nebencharaktere zusätzlich im Zeitverlauf immer unwichtiger. Waren Ichigos Freunde zu Beginn noch eine Hilfe, sind sie gegen Ende nur noch „Altlasten“, die mitgeschleppt werden müssen – dies erinnert mich an die Ninja-Kollegen von Naruto, denen leider größtenteils ein ähnliches Schicksal wiederfährt.

Um diesen Charakteren wenigstens etwas Screen-Time einzuräumen, werden in den späteren Kapiteln des Manga sehr viele schwache Untergebene des Hauptbösewichts eingeführt. Gegen diese Gegner können auch Ikkaku und Co. bestehen. Dadurch, dass es aber so viele Charaktere gibt, entstehen auch viel zu viele unwichtige Nebenkämpfe, wodurch sich die Geschichte zu sehr in die Länge zieht. Auch hier wäre wieder weniger mehr gewesen.

Technische Umsetzung

Bleach kann größtenteils durch – für seine Entstehungszeit – sehr gute Animationen überzeugen. Verglichen mit neueren Serien wie „Mob Psycho 100“ wirken die Hintergründe zwar etwas farblos und die Charaktere außerhalb der Kämpfe ziemlich steif, gegenüber den älteren Episoden von One Piece oder Naruto muss sich die Serie aber keinesfalls verstecken. Neben den dynamischen Kampfszenen kann speziell die Animation der Charaktere gelobt werden. Das Design – insbesondere der Shinigami in der Soul Society – ist schön abwechslungsreich und durch die ausdrucksstarken Mimiken und Gestiken werden sehr viele Comedy-Szenen überhaupt erst witzig. Ein besonderes Lob hat die Musik verdient. Neben schöner Hintergrundmusik können bei Bleach speziell die Openings und Endings überzeugen. Dies ist meiner Meinung nach der einzige Punkt, in dem Bleach gegen die anderen beiden Anime der „Big 3“ gewinnen kann.

Das letzte Lob gebührt der deutschen Synchronisation. Musste beispielsweise „Naruto“ stark zensiert werden, um im Nachmittagsprogramm laufen zu können, konnten die Übersetzer von Bleach viel freier agieren. Hierdurch entsteht eine genauere Übersetzung, die Fans sicherlich zufriedenstellt. Auch die deutsche Stimmbesetzung ist sehr gelungen. Mit Konrad Bösherz (bekannt als Yugi Muto aus „Yu-Gi-Oh!“ oder Takato aus „Digimon Tamers“) als Ichigo konnte ein sehr erfahrener Sprecher engagiert werden, der seinem japanischen Kollegen in Nichts nachsteht. Doch auch die Sprecher der Nebenrollen (beispielsweise David Nathan als Renji) können überzeugen.

Glücklicherweise konnte KAZÉ für seine Neuauflage den Großteil der alten Sprecher wieder verpflichten, sodass man sich sicher sein kann, dass die Qualität in diesem Punkt nicht abnehmen wird. Bleach zeigt somit, dass es sich auf jeden Fall lohnt, sehr erfahrene Sprecher für die wichtigsten Rollen einzustellen.

Eine Empfehlung mit Einschränkungen

Es ist sehr schwierig, eine Empfehlung für „Bleach“ auszusprechen. Nach einem etwas langsamen Start beginnt die Serie ab Folge 15 Fahrt aufzunehmen und entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einem sehr guten Anime, mit dem jeder Fan von Action-Anime seinen Spaß haben wird. Fans des Manga wissen leider, dass die Qualität mit den weiteren Staffeln immer weiter abnehmen wird, sodass ich „Bleach am Ende nicht mehr wirklich gut nennen kann.

Aus diesem Grund empfehle ich Anime-Fans immer wieder: „Schaut euch die ersten 63 Episoden von Bleach an!“ (dies entspricht den ersten 3 DVD-Boxen von KAZÉ). Mit diesen Folgen kann man kaum etwas falsch machen. Fans werden sicherlich auch in die weiteren Staffeln reinschauen, sollten aber gewarnt sein, da die Qualität rapide abnimmt.

„Bleach“ ist einer der einflussreichsten Anime der letzten 20 Jahre. Aus diesem Grund freuen wir uns über die Entscheidung von KAZÉ, ihn endlich in Deutschland auf DVD zu veröffentlichen, auch wenn ich Neulingen eher andere Shounen-Jump Serien wie „One Piece“ oder „HunterXHunter“ empfehlen würde. Falls ihr diese Serien aber kennt und Nachschub wollt, oder wenn ihr einen der einflussreichsten Anime der letzten Jahrzehnte sehen wollt, solltet ihr euch Bleach unbedingt anschauen.

Avatar

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.