Bakuman (Manga)

Bakuman (Manga)

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© 2009 Takeshi Obata, Shuueisha Inc.

Daten:

  • Autoren: Takeshi Obata (Zeichnungen), Tsugumi Ohba (Story)
  • Verlag: Tokyopop
  • Status: Abgeschlossen in 20 Bänden
  • Leseempfehlung: Empfohlen ab 13 Jahren
  • In Deutschland erschienen ab: 2009
  • Preis: 6,50€ (pro Band) oder 24,95€ (für fünf Bände in einer Box)

Als ich hörte, dass die Mangaka von „Death Note“ eine neue Serie herausgebracht haben, war mir klar, dass ich sie lesen muss. Zu diesem Zeitpunkt war „Death Note“ mein absoluter Lieblingsmanga und ich hoffte, dass ich ein ähnliches Meisterwerk vorgesetzt bekommen würde. Schon der erste Band zeigte mir aber: „Bakuman“ hat gar nichts mit dem Vorwerk seiner Zeichner zu tun. Vielmehr ähnelt er typischen „Sport-Manga“, in denen die Protagonisten eine Möglichkeit suchen, ihren Traum zu verwirklichen. Dank Tokyopop können wir in Deutschland seit August 2009 selbst erfahren, ob ein Manga über Mangaka wirklich spannend sein kann.

Der Traum vom Mangaka

Moritaka Mashiro wollte früher immer Mangaka werden. Doch als sein Onkel Taro Kawaguchi – ein berühmter Mangaka und Mashiros großes Vorbild – aufgrund von Überarbeitung starb, gab er diesen Traum auf. Nun geht er in die Schule und bereitet sich auf sein Leben in der normalen Arbeitswelt vor. Besonders glücklich ist er mit dieser Situation aber nicht. All das verändert sich schlagartig, als er von seinem Klassenkameraden Akito Takagi angesprochen wird. Akito, der beste Schüler der Klasse, hat ein großes Ziel: Er möchte Mangaka werden. Da er selbst nicht zeichnen kann, sich aber sehr gute Geschichten ausdenken kann, benötigt er hierfür Mashiros Hilfe.

Mashiro ist überrascht. Er kann sich nicht vorstellen, dass der Klassenstreber so einen unrealistischen Wunsch hat. Trotz seiner Liebe zum Zeichnen lehnt er das Angebot ab. Akito akzeptiert diese erste Absage aber nicht, da er Mashiros Potential erkennt. Da Akito nicht so schnell aufgeben will, lädt er seinen zukünftigen Partner ein Klassenkameradin Azuki Miho zu besuchen. Wiederwillig akzeptiert Mashiro dies. Als er dann hört, dass Miho Synchronsprecherin werden will, ergreifen seine Emotionen die Macht über ihn und er macht ihr einen Heiratsantrag Diese Hochzeit soll aber erst stattfinden, wenn sie die Hauptrolle in einem Anime spricht, der auf seiner Mangavorlage basiert.

Zu seiner Überraschung nimmt Miho den Antrag unter der Bedingung an, dass die Beiden sich bis zur Erfüllung dieses Traums nicht wiedersehen. Nun hat er keine Wahl: Er muss Mangaka werden. Gemeinsam mit seinem neuen Partner Akito beginnt er unter dem Künstlernamen „Muto Ashirogi“, Manga zu zeichnen. Dabei wollen sie das höchstmöglichste Ziel erreichen: Einen Manga für das Shounen Jump zeichnen. Wie schwer es wirklich ist, erfolgreicher Mangaka zu werden, erfahren die Beiden erst als sie ihr erstes Manuskript in der Shounen Jump-Redaktion einreichen. Ob sie es wirklich schaffen erfolgreich zu werden könnt ihr nur herausfinden, wenn ihr selbst einen Blick in den Manga werft!

Wie entsteht ein Manga?

Mangafans können in Deutschland zwar viele thematisch bezogene Werke lesen, Hintergrundinformationen zu dem Job „Mangaka“ bekommen sie hier aber nur selten. Es existieren zwar einige Interviews, diese werden aber nur selten übersetzt und enthalten nicht wirklich alle Fakten. Ähnlich wie „Shirobako“ schafft es „Bakuman“, sehr viele Informationen des Berufsbildes in eine spannende Geschichte zu verpacken. Erst durch diesen Manga habe ich erfahren, wie Zeichner mit ihren Assistenten zusammenarbeiten, wie hart die Arbeit wirklich ist und wie viel Druck man durch die Rankings des Shounen Jumps bekommt. Nicht beliebte Serien werden sehr schnell wieder abgesetzt, sehr erfolgreiche Serien können häufig nicht einmal beendet werden, wenn der Zeichner das möchte. Nach dem Lesen von „Bakuman“ versteht man die Hintergründe hinter vielen Entscheidungen besser.

Neben diesen Informationen findet man aber auch lustige Seitenhiebe vor. Die Redakteure wurden beispielsweise jeweils nach echten Vorbildern designet und auch die wichtigsten Mangaka der Serie erinnern geschulte Fans an real existierende Zeichner. Durch diese kleinen Anspielungen wirkt die Welt von „Bakuman“ extrem glaubwürdig, wodurch es dem Leser einfacher fällt, in die Geschichte einzutauchen.

Zusätzlich kann man auch einige Kritik an der Manga- und Anime-Industrie wiederfinden. Beispielsweise prangern Ohba und Obata an, dass Anime-Produzenten häufig viel zu früh Angebote machen, wodurch die Serien viel zu schnell ihre Vorlage einholen. Erst hierdurch entstehen die Filler-Episoden in vielen Animes. Außerdem wird der Einfluss der Redakteure kritisch hinterfragt und die extremen Arbeitsbedingungen der Manga-Industrie werden angeprangert. Alle diese Punkte zeigen, dass Tsugumi Ohba und Takeshi Obata sehr viele Erfahrungen gesammelt haben, die sie in diesem Manga verarbeiten. Auch dies trägt zur Glaubwürdigkeit des Manga bei.

Mitfiebern angesagt!

Bakumans Geschichte ist eigentlich ziemlich einfach: Man begleitet zwei Freunde, die versuchen ihren Traum zu verwirklichen. Hierfür müssen sie viele Hürden überwinden und treffen einige Rivalen sowie Freunde. Im Grunde unterscheidet sich die Story nicht von bekannten Sportanime. Trotzdem ist die Geschichte zu fast keiner Sekunde langweilig. Ein Grund hierfür ist der Beruf selbst: Ein Mangaka kann sich nie sicher sein, dass sein Werk beliebt bleibt, auch wenn er schon sehr viele Fans hat. Man muss versuchen, die Qualität stetig zu verbessern. Dieser Verbesserungsprozess ist sehr spannend verpackt, da man als Leser nach und nach immer mehr Einzelheiten zur Entstehung eines Manga erfährt. Beginnt es relativ einfach mit typischen Genre-Unterschieden, wird am Ende beispielsweise gezeigt, wie man einen Nebenplot so zeichnen kann, dass er Leser besonders gut mitnimmt.

Besonders gelungen sind hierbei die ganzen unterschiedlichen Manga, die die Charaktere innerhalb von „Bakuman“ zeichnen. Ohba und Obata haben sich unzählige verschiedene Geschichten ausgedacht, die jeweils ihren unterschiedlichen Charme und sogar unterschiedliche Zeichenstile haben. Obata imitiert innerhalb von „Bakuman“ sicherlich mindestens 15 verschiedene Zeichenstile. Man ertappt sich häufig dabei, dass man nicht nur die Hauptgeschichte sondern auch die Manga innerhalb der Welt von Bakuman weiterlesen möchte. Viele andere Zeichner hätten sich diese Mühe sicherlich nicht gemacht. Auch insgesamt ist der Manga wirklich sehr schön und sauber gezeichnet.

Langweilige Hauptcharaktere?

Es wird häufig gesagt, dass besonders auffällige Hauptcharaktere sehr wichtig für Shounen-Manga sind, Bakuman zeigt aber das Gegenteil. Mashiro ist eigentlich ziemlich langweilig. In sehr vielen Situationen verhält er sich nicht besonders intelligent, sondern versucht stur seinen Willen durchzusetzen. Abgesehen davon besitzt er – außer seinem Fleiß – keine besonderen Charaktereigenschaften. Dies unterstützt aber den Realismus des Manga. Mashiro ist – abgesehen von seinem Zeichentalent – kein besonderer Mensch. Erst durch Streits, Probleme und seine Beziehung mit Miho lernt er, wie er sich in bestimmten Situationen verhalten sollte. Verspürte ich zu Beginn und in der Mitte des Manga häufig Antipathie gegenüber Mashiro, fand ich ihm im Laufe der Geschichte immer sympathischer.

Auch Akito besitzt nicht so viele besondere Eigenschaften. Wie Mashiro ist er sehr fleißig und würde alles dafür tun, sein Ziel zu erreichen. Im Gegensatz zu seinem Partner ist er aber etwas gelassener. Er kann Situationen häufig auch mit Humor sehen. Dadurch hilft er Mashiro, nicht den Spaß am Leben zu vergessen. Am besten funktionieren diese Beiden aber zusammen. Sie ermutigen sich gegenseitig und schaffen es gemeinsam, an ihren Fehlern zu arbeiten. Aus diesem Grund hofft man als Leser immer, dass sie Erfolg haben.

Freundinnen als Gegenpol

Einen großen Einfluss auf die Kumpels haben ihre Freundinnen. Miho agiert zwar nur selten im Vordergrund, ist durch Mashiros Motivation aber trotzdem ständig anwesend. Man liest häufig Kritiken, dass ihre Beziehung unrealistisch sei. Dies ist sicherlich (auch bezogen auf die Unterschiedlichkeit der Kulturkreise Europa/Asien) wahr und besonders zu Beginn fragte ich mich, warum man diesen Teil der Geschichte überhaupt braucht. Im Zeitverlauf versteht man aber immer mehr, wie wichtig Miho wirklich ist. In vielen Situationen ist sie eine Art Gewissen für Mashiro und hilft ihm die richtige Entscheidung zu treffen. Daneben ist sie selbst ein sehr sympathischer Charakter, sodass man sich freut, wenn sie auftaucht.

Die Geschichte wäre langweilig, wenn alle Charaktere sich zu stark ähneln würden. Im Gegensatz zu den drei anderen hart arbeitenden Talenten, ist Kaya Miyoshi eine ganz normale Schülerin. Sie ist stark extrovertiert, etwas tollpatschig und hat keinen besonderen Traum. Seit langer Zeit ist sie Mihos beste Freundin und hat deshalb sehr großes Interesse an dem Zeichnerduo „Muto Ashirogi“. Hieraufhin verliebt sie sich in Akito. Ihre Beziehung ähnelt eher „normalen Beziehungen“, die man aus dem Alltag kennt und bietet somit eine sehr gute Abwechslung zu der eher unrealistischen Beziehung von Mashiro und Miho.

Zeichner soweit das Auge reicht

Bakuman hat den besten Cast an Nebencharakteren, den ich jemals in einem Manga gesehen habe. Ähnlich wie die unterschiedlichen Serien, sind auch ihre Zeichner komplett verschieden. Obwohl es aufgrund der Menge an Figuren eigentlich nicht möglich sein sollte schafft es „Bakuman“ diesen jeweils ihre eigene kleine Geschichte zu geben. Sogar eher unwichtige Charaktere wie die Assistenten Ogawa oder Orihara bekommen genug Zeit, sodass man als Lehrer keine einzige Person vergisst. Wichtigere Nebencharaktere wie Takuro Nakai, Aiko Iwase oder Yuriko Aoki bekommen genug Zeit zum Story-Aufbau gewidmet. Durch diese unglaublich unterschiedlichen Facetten freute ich mich beim Lesen des Manga häufig sogar mehr auf diese Charaktere als auf die Hauptcharaktere.

Der wohl beliebteste Nebencharakter ist das Genie Eiji Niizuma – Ashirogi Mutos Rivale, da er sehr exzentrisch, gleichzeitig aber auch weise und sympathisch ist. Getoppt wird dieser aber immer noch von dem Zeichner Kazuya Hiramaru, der von seinem Redakteur Yoshida so sehr manipuliert wird, dass er Manga zeichnet, obwohl er dies eigentlich überhaupt nicht machen will. Besonders gegen Ende des Manga entwickeln sich die Szenen mit diesen beiden Charakteren zu den absoluten Highlights der Geschichte. Doch auch die anderen Redakteure (allen voran Miura und Akira Hattori) sind sehr vielschichtig, da sie zwar selbst Mangafans sind, aber gleichzeitig so arbeiten müssen, wie der Verlag es ihnen vorschreibt.

Ein perfekter Manga?

Es ist sehr schwer, wirkliche Fehler bei „Bakuman“ zu finden. Durch die vielen unterschiedlichen Charaktere kann es passieren, dass der eigene Lieblingscharakter nicht genug Screen-Time erhält. Ich hätte beispielsweise gerne mehr von Takahama gesehen. Etwas irritiert war ich auch von dem Nebenplot um den Assistenten Shun Shiratori, der versuchen wollte, einen eigenen Manga zu zeichnen. Es wurde sehr viel Zeit in diese Geschichte investiert, doch nach dem Ende des Plots, taucht dieser kaum noch auf. Diese Zeit hätte ich eher für die Vertiefung anderer Figuren genutzt.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist, wie der einzige wirkliche Antagonist namens Tooru Nanamine genutzt wird. Seine erste Arc gehört zu den Highlights des gesamten Manga, da er wie ein gescheiterter Light Yagami wirkt und in seiner Geschichte unfassbar viele interessante Punkte angesprochen werden. Leider scheint man versucht zu haben, „Bakuman“ künstlich in die Länge zu ziehen, weshalb Nanamine im weiteren Verlauf des Manga noch einmal auftaucht. Hier wiederholt sich die Handlung seines ersten Auftauchens eigentlich nur, sodass man sich diese Kapitel hätte sparen können.

Eine Empfehlung für Jedermann

In „Bakuman“ selbst wird thematisiert wie schwierig es ist, einen erfolgreichen und guten Manga zu zeichnen. Es ist also unfassbar faszinierend, dass Tsugumi Ohba und Takeshi Obata nach „Death Note“ ihr zweites Meisterwerk geschaffen haben – und das in einem ganz anderen Genre. Vor meinem letzten Umzug musste ich leider einen Großteil meiner Manga-Sammlung verkaufen, „Bakuman“ habe ich aber behalten, weil ich mich immer wieder freue, die Charaktere des Universums wiederzusehen.

Ich empfehle „Bakuman“ jedem Mangafan, der mich fragt, welche Serie er als nächstes lesen möchte. Man hat bei diesem Manga nämlich nicht nur eine sehr spannende Geschichte, mit sehr vielen interessanten Charakteren, sondern man erfährt auch eine Menge über die gesamte Manga-Industrie.

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About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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