Aggretsuko Staffel 1

Aggretsuko Staffel 1

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© 2015, 2018 Aggretsuko, Yeti, Sanrio/ TBS Fanworks.

Daten:

  • Regisseur: Rarecho
  • Sprachen: Japanisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch
  • Untertitel: Japanisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Türkisch
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Fanworks
  • Streaming-Plattform: Netflix
  • Erscheinungstermin: 20. April 2018
  • Produktionsjahr: 2015/ 2018
  • Spieldauer pro Folge: 15 Minuten

Aggretsuko Staffel 1

Im April 2018 erschien weltweit auf Netflix die 10-episödige Animationsserie „Agressive Retsuko“ oder auch „Aggretsuko“, nach dem Vorbild des von Designerin Yeti gezeichneten, titelgebenden Sanrio-Charakters. Hello Kitty hat also sozusagen eine Schwester bekommen, nur dass diese keine Katze ist, sondern ein Roter Panda namens Retsuko, mit jeder Menge unterdrückter Emotionen aufgrund ihrer harschen Arbeitssituation. Mit diesem neuen Charakter versucht Großkonzern Sanrio einen weiteren Entwurf eines „Anti-Helden-Maskottchens“, so wie es bereits das stets müde und abgespannte Eigelb „Gudetama“ war. Wie uns die Serie über das Rotpanda-Fräulein mit dem düsteren Geheimnis auf Netflix gefallen hat, lest ihr in dieser Review.

Sanrio meets Stromberg

Eigentlich steht Retsuko mit ihren 25 Jahren in der Blüte ihres Lebens: Sie ist Single, Sternzeichen Skorpion und hat Blutgruppe A. Mit dem Weckerklingeln eines jeden Morgens um 7 Uhr macht sie sich auf den Weg ins Büro der Buchhaltungsabteilung einer großen Firma. Doch so durchschnittlich wie ihr Leben bisher klingen mag, umso schrecklicher sind die Begleitumstände: Sie muss täglich in einem stark überfüllten Zug pendeln und auf der Arbeit triezen sie Kollegen und ihr Vorgesetzter namens Ton, der nicht nur charakterlich ein Chauvinisten-Schwein ist, sondern -wortwörtlich- als selbiges Tier dargestellt wird! Die scheinbar schüchterne Rotpanda-Dame bekommt somit immer öfter Strafaufgaben und Sticheleien bis hin zu unfassbar vielen Überstunden aufgebrummt. Und so leidet Retsuko trotz kleinerer Lichtblicke mit ihren Freunden Fenneko (einer Wüstenfuchs-Dame) und Haida-san (einem Hyänen-Mann) stark unter der großen beruflichen Belastung. Ihr einziger Trost: der Gang zur Karaoke-Box nach Feierabend, wo sie in Form des Singens brutaler Death Metal-Songs ihrem gesamten Frust über ihr Leben freien Lauf lässt! In diesem Moment erwacht dann das Alter-Ego von Retsuko: „Aggretsuko“, also ein aggressives Ich, das kein Blatt mehr vor den Mund nimmt und die angestaute Wut musikalisch verarbeiten kann.

Life of Retsuko

Die Geschichte beginnt 5 Jahre nachdem Retsuko ihre Stelle im Büro angetreten hat und zeigt, in welchen festgefahrenen Alltagsstrukturen sie sich mittlerweile befindet. Obwohl sie sich sicher ist, dass sie keinerlei Freude an der Ausübung ihres Jobs empfindet, geht Retsuko trotzdem an die Arbeit. Da sie sich sehr devot gibt und niemals ihrem Unmut direkt Luft macht, befindet sie sich in mehreren toxische Beziehungen zu ihren Mitarbeitern und ihrem Vorgesetzten. Lediglich zwei ihrer Co-Worker, Fenneko und Haida-san, beschäftigen sich mit ihr. Weitere Mitarbeiter, wie beispielsweise das Erdmännchen Komiya und die Reh-Dame Tsunoda-san, manipulieren den sexistischen Abteilungsleiter rund um die Uhr zu Retsukos Nachteil, sodass sie deren unerledigte Arbeiten annehmen muss. Eine kleine Änderung gibt es erst, als Retsuko die Sekretärin Washimi und Marketingdirektorin Gori in einem gemeinsamen Yogakurs (und später auch beim Karaoke) besser kennenlernt. Durch ihren Einfluss gelingt es ihr sogar kurzzeitig auf einer Trinkparty mit den Angestellten und ihrem Chef Ton scharfe Kritik zu äußern und Dampf abzulassen. Nur leider ist der öffentliche Ausraster aufgrund des hohen Alkoholkonsums am nächsten Abend bereits vergessen. Angesichts der Hoffnungslosigkeit beschließt Retsuko sich im Büro nur noch wie ein Roboter zu verhalten, der seine Aufgaben erledigt und jegliche Sozialkontakte ablehnt. Dies geht letztendlich so weit, dass sie mit einem Mitarbeiter aus der Verkaufsabteilung, Resasuke-san, zusammenkommt, der nur am Tagträumen ist und über keinerlei soziale Kompetenzen verfügt. Die Story endet jedoch nicht tragisch: Retsuko wird sich ihres Fehlers bewusst und nimmt sich vor, ihren Mitarbeitern Fenneko und Haida-san eine bessere Freundin zu sein.

Die Ideen hinter & im Anime

Laut einem Interview von Designerin Yeti mit CNN existiert Aggretsuko als Stimme all jener, die von ihrer Arbeit frustriert sind, aber nicht aussprechen können, was sie belastet. Und in der Tat ist Aggretsuko ein Maskottchen, mit dem man sich durchaus gut identifizieren kann: Alle tierischen Charaktere in der Serie besitzen anthropomorphische Züge, sprich: sie sind Menschen-ähnlich gestaltet, was eine Identifikation noch einfacher macht. Doch auch ihr naives Gemüt, das angesichts aller Widrigkeiten immer wieder positiv der Zukunft entgegenblickt, kann Anlass zur Selbstfindung geben. Retsukos Problembewältigungsstrategie per Musi hingegen wirkt außerordentlich bedrohlich, sodass man froh sein kann, dass sie ihren Stress und die Anspannung nicht irgendwie anders herauslässt. Fraglich ist jedoch, ob es ihr mit dieser Variante wirklich besser geht, denn am Ende eines Tages beruhigt sie sich doch nur selbst mit dem Gedanken an den neuen Tag. Die sehr devote Haltung des Hauptcharakters gegenüber Vorgesetzten und Mitmenschen ist allerdings ein Punkt, der mich zum Anime hin gezogen hat. Sie wirft große Fragen darüber auf, wo man seine persönliche Grenze ziehen sollte- unabhängig davon, ob man in Japan oder einem anderen Land arbeitet. Die Überforderung, mit welcher sich Menschen konfrontiert sehen können, die immer nur den Erwartungen ihres Umfeldes entsprechen wollen, ist letztendlich kein reines Japaner-Problem. Sicher ist, dass wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt hat, dass sich die Wut über verschiedenste Dinge anstaut und sich irgendwann auch wieder in unterschiedlichen Formen entlädt. Diese Tatsache macht Retsuko zu einer sehr guten Identifikationsfigur.

Death Metal Panda

Die Musik in Aggretsuko gefällt mir außerordentlich gut, obwohl ich sonst nie Metal höre! Es ist dazu noch wahnsinnig witzig, die Lyrics zu verfolgen, wenn sie sich ihre Wut vom Leib singt, da man schon im Vorfeld erwarten kann, welche Situationen sie auf die Palme gebracht haben. Allerdings sollte man auch erwähnen, dass ihre Ausbrüche von sehr „starken“ Worten geprägt sind. Die weitere Untermalung der Serie ist ebenfalls ultra-catchy, da teilweise Alltagsgeräusche und solche elektronischer Geräte zu ganzen Songs gesampelt werden. Die Themenmusik, die spielt, wenn Sekretärin Washimi und Marketingdirektorin Gori den Flur entlangschreiten, ist einfach nur episch! Ich habe mir die Serie im japanischen Originalton mit englischen Untertiteln angesehen und war begeistert von der Synchro, obwohl die Seiyuus (jap. für „Synchronsprecher“) die dort mitsprechen, bisher eher nur Nebenrollen in anderen Anime eingenommen haben. Wer will, kann sich jedoch auch die deutsche Synchronisation auf Netflix anschauen.

Das Fazit für Sanrios neuestes „Anti-Maskottchen“

Mit einer durchschnittlichen Dauer von nur 15 Minuten pro Folge ist Aggretsuko ein kurzweiliges Vergnügen. Jedoch sind die tiefgründigen Botschaften wunderbar verpackt, da kompakt, und haben hohes Suchtpotential. Ich habe die Serie innerhalb von 2 Tagen durchgeschaut und war begeistert. Gudetama war Sanrios erster Versuch des „Anti-Helden-Maskottchens“ – mittlerweile hat er mehr Twitter-Follower als Hello Kitty! Bleibt nur zu wünschen, dass Retsuko sich ebenso etablieren kann. Wenn euch trashige Animationsserien wie beispielsweise „Nyanpire the Animation“ oder „Bananya“ gefallen haben, müsst ihr euch Aggretsuko unbedingt ansehen!

Bewertung: 9/10

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About Tsu

Tsu ist studierte Japanologin und in Kassels soziokulturellem Geschehen tätig. Als ehemaliger Convention-Showact und Radiomoderatorin bei Kibo.FM juckt ihr manchmal immer noch der kreative, schreibwütige Finger, weswegen man seit Oktober 2016 die eine oder andere Review von ihr bei Jimoku findet. Tsus Lieblingsanime sind „Fullmetal Alchemist Brotherhood“ und „Chikyuu Shoujo Arjuna".
Tsu

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