„A.I.C.O. – Incarnation“

„A.I.C.O. – Incarnation“

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© Hiroaki Michiaki, Studio Bones, Netflix

Daten:

  • Regisseur(e): Kazuya Murata
  • Sprache: Japanisch, Deutsch
  • Untertitel: Deutsch
  • Streamingdienst: Netflix
  • FSK: ab 12 Jahre
  • Studio: Bones
  • Erscheinungstermin: 09. März 2018
  • Produktionsjahr: 2018
  • Spieldauer: 12 Folgen a 25 Minuten

Japan im Jahr 2035. Die Wissenschaft kann mithilfe künstlich erzeugter Organismen die Medizintechnik revolutionieren. Nicht nur Gliedmaßen, sondern ganze Körper können künstlich erschaffen werden, um so todkranke Menschen zu „heilen“. Das ist die Prämisse der Serie „A.I.C.O. Incarnation“.

Die Kehrseite der Medaille

Mithilfe der Zellzusammensetzer-Technologie können Mediziner problemlos Organe erschaffen, die dann kranken Menschen eingesetzt werden. Doch bei einem Experiment kommt es zu einem fatalen Zwischenfall. Die künstliche Materie entwickelt ein Eigenleben, zerstört das Labor, tötet die Wissenschaftler und breitet sich danach im gesamten Tal aus. Mit Mühe gelingt es den Wissenschaftlern, die Substanz einzudämmen. Dieser Vorfall wird seither als „der Ausbruch“ bezeichnet.

Währenddessen lebt die Schülerin Aiko Tachibana ein relativ ruhiges Leben. Nach einem Autounfall sitzt sie im Rollstuhl, und macht nur langsam Fortschritte, wieder laufen zu können.

Ihr Vater wurde bei dem Unfall getötet, ihre Mutter und ihr Bruder verschwanden in den Wirrungen des Ausbruchs.

Als sie eines morgens vom Krankenhaus mit ihrem Rollstuhl zur Schule fahren will, stößt sie mit einem Jungen zusammen. Dieser hilft ihr, doch bevor sie sich bedanken kann, wird sie von einer Freundin bereits dazu gedrängt, sich zu beeilen, da sie spät dran seien.

Als genau jener Junge, Yuya Kanzaki, ihr neuer Mitschüler wird, erschrickt Aiko darüber so sehr, dass sie plötzlich wieder stehen kann. Verwundert, aber irgendwie auch froh, genießt sie ihre neue Freiheit.

Yuyas Geheimnis

Als sie abends in das leere Zuhause zurückkehrt, muss sie feststellen, dass sie gar nicht so alleine ist wie gedacht. Yuya hat bereits auf sie gewartet und drängt darauf, dass sie mit ihm kommt. Er behauptet, dass sie die Einzige sei, die den Ausbruch beenden kann. In einer waghalsigen Verfolgungsjagd gelangen sie in letzter Sekunde in ein militärisches Sperrgebiet. Dort erklärt Yuya Aiko, dass sie in Wahrheit nicht die echte Aiko sei, sondern nur ein künstlicher Körper. Lediglich ihr Gehirn sei echt. Um ihren, vom Unfall zerstörten Körper, zu heilen, habe man ihr Gehirn in einen künstlichen Körper transferiert. Ein künstliches Gehirn würde sich darum kümmern, dass ihre Wunden verheilen. Doch genau diese Operation, so Yuya, war der Auslöser des Ausbruchs. Und nun sei Aiko die einzige, die die Katastrophe stoppen könne. Zusammen mit vier Freiwilligen einer Spezialeinheit namens „Diver“ soll sie sich zum Ausgangspunkt des Ausbruchs, dem „Primärpunkt“ begeben, und dem Ganzen ein Ende setzen. Ein gefährliches Abenteuer beginnt

Sci-Fi erfrischend anders

Zugegeben, ich war anfangs etwas skeptisch, denn die Beschreibung der Netflix Original-Serie war zunächst sehr dürftig. Da ich aber allem was Sci-Fi ist, eine Chance gebe, ließ ich mich auf die Serie ein und wurde nicht enttäuscht. Die Zeichnungen sind großartig. Hier merkt man die Qualität aus dem Hause Studio Bones sofort, der Zeichenstil ist Bones-typisch detailliert und flüssig. Die eingesetzten Spezialeffekte, die zweifelsohne am Computer entstanden sind, stören – im Gegensatz zu vielen anderen Serien – überhaupt nicht und fügen sich nahtlos in die handgezeichneten Szenen ein.

Der Soundtrack erinnert entfernt an Yuki Kajiura, stammt jedoch von Taro Iwashiro, der auch schon für „Kikis kleiner Lieferservice“ verantwortlich war.  Das Opening stammt von der hierzulande relativ unbekannten Sängerin „True“, die ohne weiteres ebenfalls zu Yuki Kajiuras Ensemble gehören könnte. Das Ending wird von Aikos Synchronsprecherin Haruka Shiraishi gesungen.

Die Story erinnert mich entfernt an eine Folge der Serie „Doctor Who“, ist aber keinesfalls stumpf abgekupfert. Gerade in der heutigen Zeit, in der 3D-Drucker auch organisches Material drucken können, sind wir von der Handlung von „A.I.C.O.“ nicht mehr weit entfernt. Die Serie wirft aber die Frage auf, wie weit Wissenschaftler gehen dürfen und was passiert, wenn ein Experiment kapital schiefläuft. Auch das Thema „Gehirne verpflanzen“ ist seit „Ghost in the Shell“ nichts neues mehr, spielt aber hier auch nur eine untergeordnete Rolle. Ferner stellt sich die Frage: Was passiert, wenn ein künstlicher Organismus „echte Gefühle“ entwickelt? Alle diese Fragen werden durch die Serie nicht beantwortet, geben aber die Grundstimmung wieder, auf die man sich beim Schauen dieser 12 Folgen einstellen muss.

Hirn: Geschüttelt, nicht gerührt

Während die Serie zunächst noch relativ dahinplätschert, und einen mit Pseudo-Technik-Gebrabbel  zum Grübeln bringt, entwickelt sie sich nach und nach zu einem ausgewachsenen „Inception“. Denn plötzlich fällt es einem schwer, dem Protagonisten Yuya und seinen Motiven zu vertrauen. Sagt er wirklich die Wahrheit? Oder steckt hinter der Expedition an den Ursprungsort des „Ausbruchs“ mehr, als man zunächst meinen mag?

Auch die anderen Nebenfiguren, wie etwa der Klinikleiter Dr. Isazu, und die Leiterin der Behörde für künstliche Wesen, Frau Akiko Nanbara, schwanken stets zwischen vertrauenswürdig und „bloß weg hier“.

Obendrein kommen gerade zum Ende der Staffel (Achtung, winziger Spoiler) Wendungen, die das Hirn gut durchpüriert zurücklassen. Und das alles in 12 Folgen. Glückwunsch, Studio Bones, da ist euch ein echter Erfolgskracher gelungen.

Für Cosplayer (ja, auch an die denke ich heute mal) ist die Serie allerdings ein echter Dauerlutscher, an dem sie sich schwer die Zähne ausbeißen werden. Die Uniformen der „Diver“ stellen die Plugsuits der „Evangelion“-Piloten locker in den Schatten, statt „Fanservice“ (der in dieser Serie glücklicherweise nur an einer Stelle vorkommt) setzt die Serie (meine Meinung: ENDLICH) auf funktionale und sinnvolle Kleidung. Mädels in hautengen Gymnastikanzügen (wie etwa bei Darling in the FranXX) werden euch in diesem Anime jedenfalls nicht begegnen.
Wo Licht ist, ist auch Schatten

Bei soviel Lob für einen Anime stellt sich doch die Frage: Gibt es eigentlich gar nichts Negatives?

Doch. Leider muss ich der Serie das eine oder andere Fleißsternchen wieder abziehen. Das liegt nicht an der Serie an sich, die wirklich großartig geworden ist.

Den Punktabzug muss ich leider für die miserable Deutsche Tonfassung geben. Ich habe nichts gegen Deutsche Synchronisationen an sich, mit guten Beispielen wie zuletzt dem „Fullmetal Alchemist“-Realfilm. Aber bei diesem Anime stimmt einfach so gut wie gar nichts. So mancher Sprecher bekam von der Dialogregie offenbar die Anweisung, überdeutlich zu sprechen. Anders lässt sich die Überbetonung jedenfalls nicht erklären, die schonmal einen Teil des guten Eindrucks des Animes zerstört. Dazu kommt, dass selbst in emotionalen Szenen keine wirkliche Emotion rüberkommt. Und wenn dann auch noch Pausen gemacht werden, bei denen man sich fragt „Welcher normale Mensch redet bitte so?“, dann ist, denke ich, alles über die deutsche Synchronfassung gesagt. Das heißt, wenn man denn überhaupt versteht, was sie sagen. Denn auch der Mix des Tons lässt an der einen oder anderen Stelle doch arg zu wünschen übrig. Um dann, der Coolness wegen, auch noch Englische Begriffe wie „Wilco“ (ich musste meinen Mann, einen passionierten Flugsimulator-Fan, fragen, was das heißt)  einzustreuen, die man genauso gut auch mit „Roger“ oder „Geht klar“ hätte übersetzen können.

Nein, liebe Leser, die Deutsche Synchronfassung bekommt von mir nicht mal Bronze, da ist Wellblech noch zu gut. Dann lieber die japanische Originalfassung mit Untertiteln.

Fazit

„A.I.C.O. Incarnation” ist ein großartiger Anime und ein toller Start in das Animejahr 2018. Beim Ende wird der eine oder andere meiner Meinung sein, dass eine zweite Staffel, oder eine Doppelstaffel (24 statt 12 Episode) dieser Serie auch ganz gut getan hätten, aber auch so ist die Serie rund abgeschlossen und ein toller Kandidat für einen wochenendlichen Marathon.

Leider ist – wie erwähnt – die deutsche Sprachfassung überhaupt nicht gelungen, und rangiert mit „Digimon Fusion“ irgendwo im unteren Drittel des Rankings. Man kann aber darüber hinwegsehen, und wer es gar nicht aushalten kann, hat immernoch die Option, auf Original mit Untertiteln zu wechseln.

Zusammenfassend kann ich „A.I.C.O.“ nur jedem empfehlen, der auf actiongeladene Sci-Fi steht und bereit ist, die Hauptcharaktere tief in sein Herz (oder Hirn) zu lassen.

Kari

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Freak, Otaku, Leseratte, Waffelschaden, Cosplayerin, Fotografin und das alles mit rosa Zuckerwatte im Kopf. Erwachsen ist man noch oft genug, ich geh mal schaukeln!

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