Saki

Saki

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saki
© 2009 Ritz Kobayashi / Square Enix / Saki Production Committee

Daten:

  • Regisseur: Manabu Ono
  • Sprache: Japanisch
  • Untertitel: Englisch (Staffel 2 auf Deutsch erhältlich)
  • Streamingplattform: Crunchyroll
  • Produktionsjahr: 2009
  • Episoden: 25

Lange Zeit kannte ich Mah-Jongg nur als Computerspiel in dem man versuchen muss, ein Spielfeld von 144 Spielsteinen komplett leerzuräumen, indem man Paare dieser sucht. Der Anime „Saki“ zeigte mir aber, dass dieses Spiel (dessen echter Name „Shanghai“ ist), – abgesehen von den gleichen Spielsteinen – keine Gemeinsamkeit mit dem wirklichen Mah-Jongg besitzt. Als großer Fan von Brettspielmanga und Anime (beispielsweise „March Comes in Like a lion“  oder „Hikaru no Go“), konnte ich mir dank Crunchyroll den kompletten Anime anschauen und werde Euch im Folgenden meine Gedanken zu dem Anime erläutern.

Ein Genie, das nicht gewinnen möchte

Die Geschichte spielt an der Kiyosumi-Oberschule. Hauptcharakter Saki Miyanaga ist gerade erst auf diese Schule gewechselt. Als einer ihrer Freunde (Kyoutaro Suga) bemerkt, dass sie Interesse an einem Mah-Jongg Handyspiel zeigt, lädt er sie in den Mah-Jongg-Club der Schule ein. Eigentlich hat Saki kein besonders großes Interesse daran, da sie mit damit nur schlechte Erinnerungen verbindet. Als Kind musste sie das Spiel nämlich immer mit ihrer Familie spielen. Wenn sie gewann, waren ihre Eltern böse auf sie, doch auch wenn sie verlor wurde sie von ihnen bestraft. Spaß konnte Saki beim Spielen also nie haben.

Aufgrund der schwierigen Situation versuchte sie immer so zu spielen, dass sie am Ende mit einer Bilanz von Null aus dem Spiel geht. Dadurch, dass sie dies so oft machen musste, hat sie die Fähigkeit entwickelt dies in jeder Runde zu schaffen. In einem ersten Spiel mit einigen Mitgliedern des Mah-Jongg-Clubs (Nodoka Hanamura, Yuuki Kataoka und Mako Someya), bemerkt die Club-Präsidentin Hisa Takei Sakis besondere Fähigkeit. Da Glück eigentlich ein großer Faktor in diesem Spiel ist, wirkt ihre Leistung herausragend, weshalb der Club sie unbedingt als neues Mitglied gewinnen will.

Nach einiger Zeit merkt Saki, dass Mah-Jongg doch ein spaßiges Spiel sein kann und beginnt es ernst zu nehmen. Relativ schnell erkennen die anderen Clubmitglieder sowie sie selbst, dass sie ein großes Talent hat. Zusätzlich freundet sie sich mit den anderen 4 Mädchen an – insbesondere zu Nodoka scheint sie ein inniges Verhältnis aufbauen zu können. Man begleitet im Anime die Kiyosumi-Oberschule auf dem Weg, die beste Mah-Jongg Schulmannschaft Japans zu werden. Welche Gegner sich dabei in den Weg stellen, könnt ihr nur wissen, wenn ihr euch die Serie selbst anschaut.

Kleine Mädchen, die einen Sport für alte Männer spielen?

Saki wirkte auf den ersten Blick etwas abschreckend für mich. Der Zeichenstil erinnert mich eher an Slice of Life Anime wie „Girls und Panzer“ als an andere Sportanime. Das liegt daran, dass sich – abgesehen von Suga – kein männlicher Charakter im Hauptcast befindet. Wir beobachten also nur Oberschülerinnen. Diese sind häufig sehr süß und kindlich dargestellt, sodass sie (beispielsweise Koromo und Yuuki) viel jünger aussehen als sie eigentlich sind. Die sehr bunten Hintergründe unterstützen diese Atmosphäre noch zusätzlich.

Wenn man sich aber auf den Anime einlässt merkt man, dass die zuerst gewöhnungsbedürftigen Charakterdesigns zu den Stärken des Anime gehören. Die Figuren unterscheiden sich in ihren Eigenschaften stark; diese Unterschiede kann man schon beim direkten Anblick erkennen. Hierdurch ist es sehr einfach, den Überblick zu behalten, auch wenn der Cast wirklich sehr groß ist. Diese Vielfalt an Charakteren führt auch dazu, dass jeder Zuschauer seinen Lieblingscharakter findet. Egal ob man extrovertierte oder introvertierte Protagonisten lieber mag, man findet hier seine Favoritin!

Neben den Designs bekommen alle wichtigen Charaktere ihre geheimen „Superkräfte“. Ähnlich wie in anderen Sportanime (beispielsweise „Kuroko no Basuke“ oder „Captain Tsubasa“) können die wichtigsten Mädchen in brenzligen Situationen bestimmte Geheimtechniken verwenden. Dies kann die Mah-Jongg-Duelle sehr spannend, aber auch unrealistisch machen.

Ist es manchmal doch zu viel?

Der große Cast birgt leider auch seine Probleme. Einige Nebencharaktere bekommen zu viel Screentime, obwohl sie nicht besonders interessant oder wichtig für die Geschichte sind. Fans dieser Figuren freuen sich sicher hierüber, es wäre aber schön, wenn man diese Zeit genutzt hätte, um das Turnier weiterzuführen oder um den Hauptcharakteren noch mehr Zeit zu geben. Ich hätte beispielsweise gerne mehr über Hisas Vergangenheit erfahren, hingegen musste ich mir minutenlange Flashbacks zu Charakteren anschauen, die mich nicht besonders interessierten. Besonders störend empfand ich dies im Finale des Teamturniers.

Weiterhin muss erwähnt werden, dass man in „Saki“ sehr viele „Yuri-Elemente“ (Yuri ist ein Begriff für Liebe zwischen Frauen) wiederfindet. Die Szenen zwischen den Spielen werden häufig dazu genutzt, die Beziehungen zwischen den Charakteren aufzubauen. Dabei werden häufig Anspielungen gemacht, die weit über eine Freundschaft hinausgehen. Wirkliche Entwicklung in dieser Richtung kann man aber nicht erwarten, sodass es die Aufgabe der Fans ist, über die Beziehungen zwischen den Charakteren zu spekulieren.

Hieraus folgt für mich das vielleicht größte Problem der Serie. Die Turnierspiele sind spannend, meiner Meinung nach wird aber zu viel Zeit für „Filler-Szenen“ verschwendet. Besonders Episode 4 und Episode 8 sind dabei negativ aufgefallen. Diese dienen dazu, die Beziehungen zwischen den Charakteren weiterzuentwickeln, schaffen es aber nicht wirklich, da Witze über die stereotypen Charaktereigenschaften im Vordergrund stehen. Nur Saki und Nodoka bekommen wirklich wichtige Szenen. Auch das Einzelturnier gegen Ende der Serie bekommt aufgrund der vielen Filler zu wenig Aufmerksamkeit.

Spannung bei einem Brettspiel?

Trotz aller negativen Punkte würde ich Saki als einen guten Anime bezeichnen. Der wichtigste Grund hierfür sind die spannenden Mah-Jongg-Duelle selbst. Wir verfolgen diese Spiele durch die Augen unterschiedlicher Charaktere. Hierdurch kann man als Zuschauer die vielfältigen Strategien der Spielerinnen verstehen und ihre Züge nachvollziehen. Durch die verschiedenen Spezialmanöver entsteht noch zusätzlich Spannung, da diese schon verlorene Spiele wiedergutmachen können. Einen großen Einfluss hierauf hat auch der sehr gute Soundtrack, der die Atmosphäre der Spiele immer einfängt.

Vor dem Schauen sollte man sich unbedingt Mah-Jongg Regeln durchlesen und bestenfalls ein paar Begriffe auswendig lernen. Die Crunchyroll-Untertitel versuchen zwar einige Termini zu erklären, dies ist aber häufig zu schwierig, da Sekunden nach der Erklärung der nächste Begriff fällt. Die Charaktere benutzen Terminologien wie „Riichi“, „Tsumo“ oder „Mangan“, ohne dass sie erklären, wie die Regeln wirklich funktionieren. Etwas überrascht war ich davon, dass in den Untertiteln „Kong“ und „Pung“ statt „Kan“ oder „Pon“ benutzt werden. Diese Begriffe können zwar synonym verwendet werden, es ist aber verwirrend, wenn die Charaktere klar „Kan“ sagen und in den Untertiteln ein „Kong“ zu lesen ist.

Eine Empfehlung für Sportanime-Fans

Insgesamt hat mir „Saki“ wirklich sehr viel Spaß gemacht. Die spannenden Turnierspiele, die anderen Sportanime in Nichts nachstehen, konnten größtenteils über die Schwächen des Animes hinwegtäuschen und zeigen, dass Anime über Brettspiele sehr interessant sein können. Auch wenn ich mich beim Schauen häufig über bestimmte Nebenplots aufregte, konnte ich nicht aufhören, die Serie weiterzuschauen und werde mir im Anschluss sicherlich auch die zweite Staffel angucken.

Fans von Sportanime, die kein Problem mit dem sehr niedlichen Charakterdesign haben sollten „Saki“ auf jeden Fall eine Chance geben, insbesondere wenn man eher unrealistische Sportserien wie „Kuroko no Basuke“ mag. Wenn ihr strategische Duelle oder realistische Dramatik erwartet, solltet ihr lieber einen anderen Anime schauen.

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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