Sport-Anime in Deutschland – Keine Liebesgeschichte

Sport-Anime in Deutschland – Keine Liebesgeschichte

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Sport-Anime in Deutschland – Keine Liebesgeschichte

Nur noch 10 Sekunden zu spielen, die Nerven liegen blank und unser Protagonist läuft mit dem Ball im Besitz direkt auf die Gegner zu. Wird er das entscheidende Tor schießen? Diese Anspannung liebe ich! Schon seit meiner Kindheit bin ich ein großer Sportsfreund und somit auch Sport-Mangafan. Kaum ein anderes Genre schafft es, mich so lange vor dem Bildschirm zu fesseln. Sträube ich mich schon davor, Serien mit über 50 Episoden anzufangen, habe ich bei Sportserien kein Problem mir gleich 200 bis 300 Folgen anzusehen, da ich weiß, dass ich auch im dritten Turnier noch mit viel Spaß zuschauen werden.

Der folgende Artikel versucht die Situation der Sport-Manga und -Anime in Deutschland zu analysieren und geht zu Beginn erst einmal auf die Geschichte dieses Genres in Deutschland ein, bevor er den „Ist-Zustand“ darstellt.

Alles beginnt mit Fußball

Wie so viele deutsche Animefans bin auch ich in den 90ern mit RTL2 aufgewachsen. Zu dieser Zeit gehörten Sportanime zu den beliebtesten Kinderserien überhaupt. Noch vor RTL2 zeigte Tele 5 ab 1992 die Fußballserie „Kickers“. Weshalb der Sender die Serie unbedingt zeigen wollte, konnte ich bisher noch nicht herausfinden. Es ist aber in jedem Fall überraschend, wenn man bedenkt, dass die Serie in Japan so unerfolgreich war, dass sie bereits nach 21 Episoden abgesetzt wurde. Die Version für unseren Markt wurde stark angepasst. Das bedeutet, dass beispielsweise die Namen der Charaktere eingedeutscht wurden. Statt Masaru Hongo und Kakeru Daichi hießen die Spieler bei uns Mario und Gregor. Auch heutzutage ist der Anime noch sehr beliebt.

Vor dem Erscheinen der Kickers im deutschen TV liefen größtenteils Zeichentrickserien aus dem Bereich Action oder Comedy, weshalb die Fußballserie stark hervorstach. Da Fußball in Deutschland schon immer die beliebteste Sportart war, sprangen die Jugendlichen schnell darauf an. Diejenigen, die in ihrer Freizeit „Ran Bundesliga“ oder „das aktuelle Sportstudio“ schauten, konnten nun ihren Lieblingssport auch animiert gucken. Bei den Kickers standen neben dem Fußball aber insbesondere auch die Handlungen außerhalb des Platzes auf dem Vordergrund, die die jungen Zuschauer aus ihrem eigenen Leben kannten. Sie konnten sich also mit den Figuren identifizieren. Die Serie konnte so einen gewissen Kultstatus erreichen. Auch Nicht-Animefans wissen heutzutage beispielsweise noch, was der Teufelsdreier ist oder kennen Torhüter Marios markante Mütze.
Sportanime als Erfolgsrezept?

Fast zeitgleich mit den Kickers lief seit 1993 die Serie „Mila Superstar“ auf RTL2. Sie zeigte ein Mädchen auf dem Weg, die beste Volleyballspielerin der Welt zu werden. Diese Serie war – im Gegensatz zu den Kickers – in Japan sehr beliebt und gehört dort auch immer noch zu den beliebtesten Sport-Anime aller Zeiten. Auch wenn Volleyball in Deutschland noch nie ein besonders beliebter Sport war (erst durch den Beachvolleyball-Boom in den mittleren 2000ern erlangte er Berühmtheit), waren deutsche Kinder große Fans der Serie. Auch heute können sehr viele immer noch das Titellied der Serie auswendig mitsingen. Die ersten beiden in Deutschland erschienenen Sport-Anime waren also außergewöhnlich beliebt. Der nächste Kandidat dieses Genres im deutschen Fernsehen, „Die kleinen Superstars“, befasste sich mit rhythmischer Sportgymnastik. Doch obwohl auch dieser einige Fans hatte, konnte er niemals den Kultstatus der anderen beiden Serien erreichen.

Der Erfolg der Kickers führte dazu, dass auch weitere Fußball-Anime ins deutsche Fernsehen geholt wurden: „Die tollen Fußballstars“ (im japanischen „Captain Tsubasa“) lief ab 1995 auf RTL2. Die Mangavorlage der Serie erschien schon 1981 in Japan und löste damals einen regelrechten Fußballboom aus, der sich auch auf andere Länder übertrug. Viele derzeitige Profi-Fußballer begannen die intensivere Ausübung des Sports, weil sie Fan von Tsubasa und seinen Freunden waren. Ein Beispiel hierfür ist Lukas Podolski. Generell erfreute sich die Serie unfassbarer Beliebtheit, obwohl sie über 100 Folgen hatte und im Vergleich mit dem heutigen Anime-Standard einige Schwächen besaß (hierzu hat Youtuber „Baka Critic“ ein sehr schönes Video gemacht). Die tollen Fußballstars lief jahrelang in Dauerschleife auf verschiedenen Sendern (genauso wie die Kickers) und wird in diversen „Retro-Top-Listen“ fortlaufend genannt. Im Gegensatz zu den Kickers war die Serie aber deutlich unrealistischer gehalten. Schüsse, die Mauern durchbrechen und akrobatische Tricks waren hier an der Tagesordnung. Der Fußball- und Personenkult stand ganz klar im Vordergrund. Es ging darum, Kindern ein Idol vorzustellen und sie mit diesem mitfiebern zu lassen: Jeder wollte wie Tsubasa sein!

Im Jahr 1997 versuchte sich Kabel 1 ebenfalls an Sportanime mit der Serie „Die Champions – Anpfiff für 11 Freunde“ (im Original: „Aoki Densetsu Shoto“). Im Gegensatz zu den anderen war diese Serie aber nur bedingt erfolgreich. Und auch nachdem der Sender weitere Anime zeigte, beschäftigten sich die meisten Fans eher mit dem Programm auf RTL2, weshalb nur sehr Wenige überhaupt jemals von der Serie gehört haben.

Und danach?

Nach den Erfolgen von „Mila Superstar“ und den anderen beiden Fußballanime passierte sehr lange überhaupt nichts in puncto Sport-Anime. Bis Anfang April 2011 zeigte RTL2 zwar Anime im Nachmittagsprogramm und wiederholte die „Kickers“ und „Captain Tsubasa“ einige Male- neue Sportanime konnte man jedoch sehr lange nicht sehen. Auch auf dem deutschen DVD- und VHS-Markt, der zugegebenermaßen noch sehr klein war, erschienen keinerlei Serien des Genres. Man könnte an dieser Stelle aber noch „Beyblade“ erwähnen, da dieser Franchise teilweise als Sportanime angesehen wird. Die Serie war bei Kindern relativ erfolgreich, unterschied sich aber stark von anderen Sportanime, da sie keine reale sportliche Disziplin zum Vorbild hatte.

Erst im Jahr 2005 schaffte es ein weiterer Sportanime in Deutschland: „Super Kickers 2006 – Captain Tsubasa“ (eigentlich „Captain Tsubasa – Road to 2002“) erschien kurz vor der damaligen Fußball-Weltmeisterschaft (in Japan erschien er witzigerweise direkt vor der WM 2002, die auch im selben Land stattfand). Zu dieser Zeit hatte das Fernsehen zwar seine wichtige Rolle für viele Jugendliche schon eingebüßt, trotzdem erreichte der Anime sehr viele neue Fans. Jüngere Personen aus meinem Freundeskreis haben Tsubasa erst durch diese Serie kennengelernt und auch wenn sie relativ viele Schwachstellen hat, konnte sie abermals immerhin ein Teilpublikum begeistern.

Im Jahr 2012 lief dann der bisher letzte Fußballanime im deutschen Fernsehen. Das in Japan extrem erfolgreiche „Inazuma Eleven“, welches die Idee der „Superschüsse“ von Captain Tsubasa noch weitertrieb, wurde Sonntagvormittags auf RTL2 gezeigt, wodurch viel weniger Kinder erreicht werden konnten als noch in den 90er-Jahren. Auch die Popularität des Internets – Kinder hatten zu dieser Zeit schon andere Hobbies als das Fernsehen – war sicherlich ein Grund für den ausbleibenden Erfolg der Serie.

Kurzer Ausflug in die Welt der Manga

Fans des „animierten Sportgenres“ mussten sich nach dieser Zeit also andere Medien suchen, um spannende Wettkämpfe konsumieren zu können. Eine Möglichkeit dazu bieteten natürlich Manga. Bei diesen sah es aber lange Zeit in Deutschland noch viel schlechter aus als im TV. Den ersten Versuch der Veröffentlichung gab es von Planet Manga im Jahr 1999. Sie brachten die ersten zwei Bände von „Slam Dunk“ in Deutschland heraus. Da diese aber voller Rechtschreibfehler waren und auch eine relativ schlechte Druckqualität hatten, ernteten sie sehr viel Kritik und wurden nicht besonders gut verkauft. 2002 brachte Panini Manga dann den Basketball-Comic erneut auf den Markt, aber auch dieser verlag konnte nur insgesamt 8 der 31 Bände veröffentlichen. Der entscheidende Grund hierfür waren wohl die schlechten Verkaufszahlen, wie ein Panini-Mitarbeiter 2002 im offiziellen Forum bekanntgab. Schon damals verkauften sich Sportmanga also eher schleppend. Ähnlich erging es etwas später auch „Air Gear“, von dem wir in Deutschland nur 8 Bände bekamen, weil der Verlag im Jahr 2010 seine Manga-Abteilung schloss.

Aufgrund der Beliebtheit der TV-Serie erschien bei Carlsen Comics ab 2002 auch der Manga zu „Captain Tsubasa“. Wenn man damaligen Gerüchten Glauben schenken kann, war aber auch diese Serie lange nicht so beliebt, wie man es sich erhofft hatte. Der Hype war inzwischen schon einige Jahre verstrichen. Nachdem zu Beginn der Veröffentlichung 2 bis 3 Bände pro Monat erschienen waren, hat sich der Rhythmus immer stärker verlangsamt, sodass die Fans mittlerweile nur noch alle 3 Monate einen Band kaufen können. Die Serie wird aber immerhin fortgesetzt.

Der nächste – und für lange Zeit letzte – wirklich bekannte und erfolgreiche japanische Sportcomic, der in Deutschland erschien war „Prince of Tennis“. Der 2004 gegründete Verlag Tokyopop sicherte sich die Rechte an dem Manga und veröffentlichte ihn ab 2006 komplett. Zur damaligen Zeit war auch die dazugehörige Animeserie in Deutschland – jedenfalls unter Cosplayern – ziemlich beliebt. Im Gegensatz zu den anderen Sportserien, die eher ein männliches Publikum ansprachen, waren die größten „Prince of Tennis“ Fans eher weiblich. Zusätzlich gab es aber mit „Gothic Sports“ noch einen deutschen Sport-Manga und dank der Zeitschrift „Banzai!!“, konnten Fans in den Genuss von „Hikaru no Go“ kommen, welchen man mit etwas Fantasie auch als Sport-Manga bezeichnen kann.

Heute ist alles besser?

Jeder, der Japan einmal besucht hat, weiß, dass Sport-Anime in der heutigen Zeit eines der wichtigsten Genres überhaupt ist. Serien wie „Yowamushi Pedal“, „Kuroko no Basuke“ oder „Ace of Diamond“ können ihren Merchandise sogar in normalen japanischen Supermärkten verkaufen. Auch die aktuellen Manga-Verkaufszahlen sprechen für den Erfolg dieses Genres. In Deutschland hingegen hat sich wenig geändert. Besonders im Manga-Segment sind kaum neue Serien erschienen. Kleinere Reihen wie „Mai Ball – Fußball ist Sexy“ sprechen sicherlich ein komplett anderes Zielpublikum kann. Immerhin erscheint dankt dem Publisher Kazé seit Oktober 2017 der Shounen Jump Manga „Haikyu!“ in Deutschland.

Auch für Animefans sieht es – betrachtet man die physischen Releases – nicht viel besser aus. Im Jahr 2007 ist immerhin Air Gear bei Anime Virtual (dem Vorgänger von Kazé) erschienen. Erst 2016 kam dann bei peppermint anime der Schwimm-Anime „Free“ in Deutschland heraus. Seit Ende 2017 erscheint als neuester Sport-Anime „Haikyu!“ auch bei diesem Publisher. Abgesehen davon erhielten deutsche Fans nur DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen von Retro-Serien wie „Captain Tsubasa“ und „Kickers“.

Durch diverse Simulcast-Angebote sieht es für deutsche Fans seit einigen Jahren insgesamt jedoch wieder etwas besser aus. Es erschienen Sport-Anime wie „Yowamushi Pedal“, „Yuri! On Ice“ und „Ace of Diamond“, als auch weitere eher unbekanntere Serien auf Crunchyroll in Deutschland. Mit „Eyeshield 21“ können Fans immerhin auch eine ältere Sportserie mit englischen Untertiteln genießen.
Insgesamt hat sich die Situation für Sportfans zwar – bezogen auf Anime – verbessert, im Vergleich mit anderen Ländern hängen wir aber immer noch klar zurück. So kann man in der aktuellen Spring Season 2018 den Baseball-Anime „Gurazeni“ und die Box-Serie „Megalo Box“ beispielsweise nicht in Deutschland schauen.

Sportanime sind für Männer!

Über die Gründe des früheren Misserfolges von Sportanime in Deutschland kann nur spekuliert werden. Das Geschlecht der Fans spielt hier aber sicherlich eine große Rolle: Waren in Japan Animefans größtenteils männlich, ergab sich hier in Deutschland ein anderes Bild. Nach dem Anime-Boom der 90er-Jahre kamen immer mehr weibliche Fans in die Community, sodass laut Umfragen der frühen bis mittleren 2000er zwischen 60 und 75% aller Animefans weiblich waren. Dieser Wert scheint sich laut der Mertens-Schulz Umfrage von 2013 zwar prozentual etwas zu senken, die Dominanz der Frauen bleibt aber bestehen (für noch genauere Informationen empfehle ich hier die Lektüre des Buches: „Der Manga- und Animefan: Vorurteil und Wirklichkeit – Gestern und heute“ von Eva Mertens).

Sportanime haben lange Zeit eher das männliche Publikum angesprochen. Sie liefen im beliebten Shounen-Jump (oder anderen Shounen-Magazinen) und zeigten häufig starke männliche Figuren in der Hauptrolle, die versuchen, sich gegen ihre Gegner durchzusetzen (zum Beispiel „Captain Tsubasa“, „Hajime no Ippo“ oder „Slam Dunk“). Der Zeichenstil dieser Serien war ebenfalls stark an die männliche Zielgruppe angelehnt. Diese Anime hatten in Deutschland also einfach einen geringeren Markt. Der Misserfolg der wenigen getätigten Sport-Manga-Veröffentlichungen (insbesondere „Slam Dunk“) hatte sicherlich einen großen Einfluss darauf, dass deutsche Publisher sich zukünftig eher vorsichtig an dieses Genre heranwagten.

Dies änderte sich aber mit der Zeit:

Sportanime sind für Frauen!

Eine japanische Umfrage aus dem Jahr 2013 untersuchte, welches die beliebtesten Anime für Frauen beziehungsweise Männer sind (leider ist die Original-Quelle nicht mehr verfügbar). Sah man früher noch ausschließlich kleine Jungen den Tigerschuss nachahmen, so zeigt die Liste der bei Frauen beliebtesten Anime ein überraschendes Bild: Mit „Prince of Tennis“, „Kuroko no Basuke“ und „Inazuma Eleven“ waren gleich drei Sport-Anime in den Top15 der Frauenliste (im Gegensatz zur Männerliste). Dieses Genre scheint heute also gerade Frauen anzusprechen.

Ein ähnliches Bild zeigt eine sehr aktuelle, interessante Analyse eines Reddit-Users. Er untersuchte, welche Genres eher von Frauen und welche eher von Männern geguckt werden und konnte zeigen, dass Sport-Anime bei Frauen besonders beliebt sind. Das zeigt auch die Durchschnittsbewertung: Frauen bewerten Sportanime im Schnitt weitaus besser als Männer es tun. Auch andere Statistiken sprechen für diese Feststellung. Serien wie „Free!“ haben eine sehr große weibliche Fanbase und erhalten im Schnitt von weiblichen Zuschauern auch eine bessere Bewertung.

Der wohl bekannteste Sport-Anime in den letzten Jahren war wohl „Yuri! On Ice“, da er auch Shounen-Ai Elemente beinhaltete (die Statistiken des Reddit-Users zeigen, dass dies ebenfalls ein sehr relevantes Genre für weibliche Fans ist). Dieser Genremix enthält definitiv das Potential, den Sport-Animes in den nächsten Jahren eine noch höhere Relevanz zu generieren. Generell kann schon jetzt eine positive Entwicklung erkannt werden: Erschienen im Jahr 2010 lediglich sechs neue Sportanime (größtenteils für Kinder) waren es im Jahr 2015 schon elf und 2016 sogar ganze siebzehn Neuerscheinungen.
Auch in Deutschland sind einige dieser Sport-Anime nach wie vor sehr beliebt. Nicht zuletzt lässt sich dies auch an den Trends in der deutschen Cosplay-Szene festmachen. Betrachtet man die Kostüme auf Animexx (die Zahlen sind sicherlich nicht mehr aktuell, da die Relevanz von Animexx stark gesunken ist, trotzdem sollte man eine Tendenz erkennen), ist sehr auffällig, dass Serien wie „Prince of Tennis“ (die erste wirklich beliebte Sport-Serie seit den 90ern in Deutschland) und „Kuroko no Basuke“ fast 1000 registrierte Cosplay-Kostüme haben und somit zu den beliebtesten Vorbildern für Cosplays überhaupt gehören.

Verschiedene Zielgruppen als Rettung für Deutschland?

Die Zielgruppe für Sport-Anime hat sich augenscheinlich stark geändert. Statt Jungen sind nun besonders Mädchen Fans von neu-erscheinenden Serien. Gründe hierfür gibt es viele: Der Zeichenstil ist im Laufe der Zeit immer weicher geworden: Statt muskelbepackten Action-Helden wie Ippo sind nun eher hübsche Jungs die Protagonisten, die eher das weibliche Publikum ansprechen. Ein großer männlicher Cast verleitet die Fanbase auch dazu, Doujinshis oder Fanfictions anzufertigen. Auch steht der Sport in diesen Serien immer weniger im Vordergrund. Wo es früher story-technisch nur von Spiel zu Spiel ging, sieht man heutzutage die Spieler auch vermehrt in ihren Alltagssituationen. Generell verschwimmt in der westlichen Welt immer mehr auch die klare Trennung zwischen „Jungs-Sachen“ und „Mädchen-Sachen“. Es bleibt also schwierig, einen genauen Grund für die Änderung, bzw. Erweiterung der Zielgruppe herauszufiltern, der Trend ist aber erkennbar.

Was bedeutet das für uns? Da Deutschland schon immer von weiblichen Fans dominiert wurde und diese somit auch die wichtigere Zielgruppe sind, werden Sportanime nun auch für deutsche Publisher relevant. Mit „Prince of Tennis“ (als Manga), „Haikyu!“ und „Free!“ sind in den letzten Jahren in Deutschland gerade auch die Serien erschienen, die eher das weibliche Publikum ansprechen. Da anscheinend insbesondere die letztgenannten hier relativ erfolgreich waren, kann man davon ausgehen, dass die Publisher nun immer mutiger werden.

Nicht vergessen sollte man außerdem die Nostalgiker: Eine derzeit wohl noch relevantere Gruppe. Nicht ohne Grund sind in den letzten Jahren viele Retro-Anime wie „Captain Tsubasa“ und „Kickers“ bei uns in Deutschland erschienen. Dies bestätigte auch KSM Anime in einer Anfrage: „Captain Tsubasa erfreut sich heute wie damals großer Beliebtheit, was sich an den Verkaufszahlen ablesen lässt. Nicht umsonst zählt Captain Tsubasa zu einem der erfolgreichsten Anime unseres Portfolios.“

Eine strahlende Zukunft für Sportfans?

Sportserien hatten es in Deutschland nie besonders leicht. Nach dem ersten großen Boom konnte man über Jahre Serien nur aus anderen Ländern importieren. Erst seitdem Sport-Anime auch vermehrt weibliche Fans ansprechen, scheinen sich deutsche Publisher zu trauen, diese in Deutschland zu veröffentlichen.

Gemeinsamen mit den Simulcasts, die immer wichtiger für den deutschen Markt werden, kann man erfreulicherweise davon ausgehen, dass die Auswahl an Sport-Anime in Deutschland immer größer werden wird. Dass die Publisher sich aber auch an alte Klassiker wie beispielsweise „Hajime no Ippo“ wagen werden, bezweifle ich noch. Hierfür bräuchte das Genre einen noch größeren Schub, den ich bisher leider nicht erwarte.

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
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Kommentare (2)

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  2. Eyeshield 21 sagt:

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