Die Welt der Anime-YouTuber Teil 1: Große Vielfalt im Ausland

Die Welt der Anime-YouTuber Teil 1: Große Vielfalt im Ausland

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Anime sind sicherlich mein größtes Hobby. Daraus folgt, dass ich mich auch außerhalb des Konsums neuer Serien mit dem Medium auseinandersetze. Hierbei spielt insbesondere „YouTube“ eine große Rolle. Beim Scrollen durch die Abo-Box ist mir etwas Erschreckendes aufgefallen: Ich beschäftige mich kaum mit deutschsprachigen Anime-YouTubern. Doch welche Gründe kann es hierfür geben?

In den letzten Tagen habe ich versucht, mich intensiv mit der deutschsprachigen Anime-YouTube-Szene auseinanderzusetzen, um mir ein Bild von den großen, aktiven Kanälen zu machen. Da meine Zeit natürlich begrenzt ist und die Zahl der existenten YouTube-Kanäle unvorstellbar groß, kann ich hier auf Jimoku nur einen Bruchteil der Gesamtheit betrachten, weshalb ich mich freuen würde, wenn ihr mich auf Personen hinweist, die ich vielleicht übersehen habe.

Ich werde zu Beginn versuchen euch zu erklären, weshalb YouTube auch für die Anime-Community wichtig ist und daraufhin erst einmal den Blick ins Ausland werfen. In einem zweiten Artikel werde ich euch dann die deutsche YouTube-Landschaft vorstellen, um aufzuzeigen, weshalb ich als Fan eher Content der amerikanischen Community konsumiere. Dabei möchte ich hier aber einen besonderen Fokus auf YouTuber legen, die sich intensiv mit Anime auseinandersetzen, diese also analysieren, reviewen oder auch News vorstellen, weil diese aktiv an der Diskussion über Anime teilhaben und nicht nur Inhalte kopieren und auf ihrem Kanal hochladen.

Die Bedeutsamkeit von YouTube für die Anime-Szene

YouTube gehört zu den wichtigsten Webseiten des Internets. Das Videoportal ist neben Google und Facebook die am meisten angesurfte Seite. Insbesondere für die junge Generation gehört YouTube zum alltäglichen Leben. Über 90% der Internetnutzer zwischen 14 und 29 Jahren benutzt YouTube. Bemerkenswert dabei ist, dass diese Zahlen immer noch steigen. Glaubt man aktuellen Statistiken, steigt die Dauer, die Personen im Durchschnitt Videos anschauen in 2018 noch stärker als bisher zuvor.

Die meisten Umfragen zum Alter von Anime-Fans zeigen, dass diese sich größtenteils auch zwischen 14 und 29 Jahren befinden. Es muss natürlich beachtet werden, dass diese Umfragen online durchgeführt werden und deshalb den wahren Anteil der älteren Fans unterschätzt, es kann aber davon ausgegangen werden, dass die meisten Animefans sich trotzdem in diesem Altersspektrum bewegen; dies wird beispielsweise auch durch den Altersdurchschnitt der Besucher auf Conventions bestätigt.Vergleicht man die Statistiken, kann man also davon ausgehen, dass für die Animefans YouTube auch eine große Rolle spielt, da diese in die selbe Alters-Kohorte fallen.

Arten von Content auf YouTube

Es gibt offensichtlich viele verschiedene Arten von Anime-Videos auf YouTube. Neben einzelnen Anime-Episoden, die man sich – meistens nicht auf legalem Wege hochgeladen – auf YouTube anschauen kann, sind insbesondere „Musikvideos“ und „Toplisten-Videos“ sehr beliebt. Musikvideos kann man dabei in Openings und Endings sowie „AMVs“ (Abkürzung für Anime Music Video) einteilen. Dies passt dazu, dass auch in anderen Studien angegeben wird, dass Konsumenten auf YouTube größtenteils Musik hören.

Ich interessiere mich aber – wie schon beschrieben – speziell für die YouTuber, die Inhalte über Anime produzieren. Auch hier gibt es unzählige Möglichkeiten der Inhaltsgestaltung. Einige verfassen Reviews über einzelne Serien, andere analysieren einzelne Episoden oder sogar Szenen und ein Teil der Community versucht witzige Videos zusammenzuschneiden, die eher unterhalten sollen. YouTube selbst gibt kein bestimmtes Genre vor, in dem sich hochgeladene Videos befinden, weshalb jeder Produzent selbst entscheiden, auf welche Weise er am Diskurs von Anime teilnehmen möchte. Welche Arten von Videos sind nun wirklich erfolgreich?

Humor als Erfolgsrezept

Betrachtet man die erfolgreichsten Anime-YouTuber fällt ein Trend auf: Sie vermischen Humor sowie bekannte YouTube-Erfolgsrezepte mit Anime. Der Kanal „MistyChronexia“ mit ungefähr 1,1 Million Abonnenten setzt beispielsweise – wie viele erfolgreiche YouTube-Kanäle aus anderen Genres – insbesondere auf sehr erotische Thumbnails und Top10-Videos. Andere Produzenten wie das Vorbild „MadeMyDay“ zeigen, dass dies ein Erfolgsrezept auf YouTube sein kann und dieser Kanal beweist, dass diese Art von Videos – gepaart mit anzüglichem Humor – auch im Anime-Sektor sehr erfolgreich sein kann.

Der wohl erfolgreichste Anime-YouTuber „TheAnimeMan“ ist ein ähnliches Beispiel. Seine Top-Videos haben zwar weniger Klicks als die von „MistyChronexia“, aber auch hier scheinen Top-10-Videos und erotischer Humor wie „ARE YOU STILL A VIRGIN!? #AnswerMeSenpai“ sehr erfolgreich zu sein. Neben seinem erotischen Humor zeigt dieser Kanal aber auch, dass andere Arten von Humor erfolgreich sein können. Dabei greift er auf typische YouTube-Formate wie „Challenges“ oder „Would You Rather“ zurück, nur dass er diese auf Anime bezieht. Beide Kanäle sind beweisführend dafür, dass man sehr erfolgreich sein kann, wenn man einfach bekannte YouTube-Formate kopiert und sie nur mit Anime-Content umrandet. Die Frage ist nun, ob es auch andere Möglichkeiten gibt, mit Anime-Inhalten erfolgreich zu sein? Ich würde hier nämlich immer noch davon ausgehen, dass die Zielgruppe dieser Kanäle nicht nur reine Animefans sind.

Der dritte sehr große Kanal ist der von „Gigguk“. Auch er erstellt überwiegend humorvolle Videos. Wirklich bekannt geworden ist er durch seine „x in 5 Minutes“ Videos, in denen er die Story bekannter Anime in 5 Minuten nacherzählt. Im Gegensatz zu den anderen Kanälen sind seine restlichen Videos aber nicht auf „Ecchi“ oder erotischen Humor ausgelegt. Vielmehr versucht er sich selbstreferentiell über die Anime Community lustig zu machen (beispielsweise seine „in a Nutshell“ Videos). Dies funktioniert, da er selbst Teil der Gemeinschaft ist und somit genau weiß, welche Teile der Szene er gut aufs Horn nehmen kann. Relativ selten versucht er auch Anime beziehungsweise Entwicklungen der Animeszene zu analysieren (beispielsweise „Why Naruto DOES have some of the best Fights in Anime“), aber auch diese Videos haben einen sehr humoristischen Unterton.

Anime als Analyseobjekt

Die genannten Kanäle können mich zwar zum Lachen bringen, wirkliche tiefgründige Analysen findet man hier (abgesehen von einigen Gigguk-Videos) aber selten. Es existieren sehr viele unterschiedliche englischsprachige Kanäle, die sich mit der Analyse und dem Reviewen von Anime beschäftigen. Diese können zwar – gemessen an Abonnenten und Klickzahlen – nicht mit den großen Comedy-Kanälen mithalten, sind aber trotzdem groß genug, um von vielen Publishern und Streaming-Anbietern wahrgenommen zu werden.

Einige Kanäle (beispielsweise „Glass Reflection“) sind dafür bekannt, relativ einfache, pointierte Reviews abzuliefern, um es insbesondere Anime-Einsteigern zu erleichtern. Andere Kanäle wie SuperEyePatchWolf analysieren hingegen einzelne Serien in sehr langen Videos und versuchen insbesondere Fans dieser Serien zu erklären, weshalb diese so erfolgreich sind. Auch Analysen von einzelnen Szenen (bspw. Mother’s Basement) oder Darstellungen von Entwicklungen der Anime-Industrie (zum Beispiel „Digibro“) kann man im englischsprachigen Raum finden.

Die großen dieser „Analysekanäle“ bewegen sich zwischen 350.000 und 500.000 Abonnenten und erreichen somit eine Reichweite, die groß genug ist, um den Kanal hauptberuflich zu betreiben. Ähnlich wie Blogger arbeiten diese Kanäle häufig zusammen, um beispielsweise in einem gemeinsamen Podcast eine Serie zu besprechen.

Abhängigkeit vom Analyseobjekt

Natürlich sind nicht alle Videos gleich erfolgreich. Betrachtet man beispielsweise die Klickzahlen des Kanals „Mother’s Basement“ kann man einen Trend entdecken. Videos über populäre Mainstreamtitel wie „Sword Art Online“, „My Hero Academia“ und „One Punch Man“ sind sehr erfolgreich. Videos über unbekanntere oder obskure Anime wie „Baby Steps“ oder „Space Brothers“ konnten hingegen nur weniger Klicks generieren. Erfolgreiche Kanäle müssen also versuchen, sich mit den populären Serien zu beschäftigen, wenn sie weiterhin relevant sein wollen. Dies kann man bei den meisten der großen amerikanischen Kanäle beobachten.

Dabei ist es relativ wichtig, auch aktuelle Videos zu verfassen. Animefans können durch Simulcasts in der heutigen Zeit jedes Quartal direkt neue Anime schauen. Das führt dazu, dass viele Serien in den 3 Monaten ihrer Laufzeit lang und stark diskutiert (und somit auch bei YouTube gesucht) werden, nach einiger Zeit aber in Vergessenheit geraten. „Yuri! On Ice“ ist ein gutes Beispiel hierfür. Man muss also versuchen, relativ aktuelle Videos hochzuladen, wenn man versucht Anime zu analysieren, da es sonst sehr unwahrscheinlich ist, dass User zufällig solche Videos finden.

Trotzdem kann festgestellt werden, dass dies nicht dazu führt, dass immer nur die gleichen Anime analysiert werden. Nicht überraschend erstellen die großen, aktiven Kanäle häufig Videos zu ähnlichen Anime, da größtenteils pro Quartal zwei Serien wirklich stark beliebt sind. Neben diesen „Big Playern“ gibt es aber – im englischsprachigen Raum – noch sehr viele kleine Kanäle, die sich mit anderen Serien beschäftigen. Einige analysieren nur die Animation, andere beschäftigen sich mit einer einzelnen Serie, weitere versuchen nicht so beliebte Anime tiefgehend zu analysieren. Diese Kanäle sind zwar unterschiedlich erfolgreich, produzieren aber trotzdem Inhalte, die den Anime-Content auf YouTube sehr vielfältig bereichern.

Content für Jedermann!

Ich bin der Meinung, dass die großen Kanäle eher die Gelegenheitsfans ansprechen. Personen, die in ihrer Freizeit manchmal Anime schauen werden an Videos wie „The Top 10 most obscure Anime“ sicherlich ihre Freude haben, da sie das Medium einordnen können, sonst aber kaum Vorwissen benötigen. Anime-Neulinge, die mehr Interesse an dem Medium haben, können sich hingegen Reviews anschauen, um neue Perlen zu entdecken. Hardcore-Fans können sich wiederum Analysen von einzelnen Szenen anschauen, um über diese dann in den Kommentaren zu diskutieren.

Daraus folgt, dass jede Art von Animefan die Möglichkeit hat, sich Content auf YouTube anzuschauen. Das ist eine wirklich schöne Entwicklung, da es hierdurch für fast jeden Zuschauer einen passenden Kanal gibt.

Warum dies meiner Meinung nach in Deutschland nicht der Fall ist und welches Problem daraus folgt, könnt ihr im zweiten Teil nachlesen, der nächsten Montag erscheinen wird!

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

Kommentare (3)

  1. Sczepi sagt:

    Einige würden hier vermutlich noch nach Lost Pause aka. „Noble-senpai“ fragen. Aber für mich ist er nur ein Anime-meme experte.
    Und ja es ist trotzdem ziemlich witzig.
    Eher vermisse ich hier Akidearest mit ihrem „Sidekick“ Tantacle-sama.
    Wenn man sich ihren Kanal anschaut mag man auf dem ersten Blick nicht wissen was man halten soll. Alles wirkt sehr zuasmmen gewürfellt aus. Hier etwas über Yaoi-Cafés, dort über PPAP und was man mit eine Deathnote tun / nicht tun sollte.
    Schautz man aber genau hin bemerkt man schnell da steckt auch ziemlich viel Hintergrundwissen mit drinn. Nicht nur über Japan, seiner Moderne und Historie, Vocaloids, die Anime Industrie an sich, das Leben als Otaku, sondern auch über Anime und deren triefgreifenden bedeutungen. Am ehesten sieht man das an ihrem Beitrag zu „Chihiros Reise ins Zauberland“, welche bei mir gewisse Narben hinterlassen hatt.

    Aber auch hier darf der humoristische, errotische part nicht fehlen.
    Gerade bei Akidearest kommt das nicht zu kurz, weil sie sich selbst als Fujoshi mit Tentakel fetisch bezeichnet.
    Und das als Frau.
    Mut muss man haben.

    Alles in allem scheint ihr Kannal einige parallelen zu „TheAnimeMan“ zu haben.
    An sich schon, doch wird hier eher alles aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

    • Shin sagt:

      Danke lieber Sczepi!

      Auch die beiden kenne ich natürlich.
      Akidearest fand ich sehr schwer einzuordnen. Sie ist ja die Freundin von TheAnimeMan und macht deshalb natürlich ähnliche Videos.
      Insgesamt habe ich sie eher als „J-Vlogger“ eingeordnet und nicht als „AniTuber“. Ich weiß aber, dass diese Einordnung sehr schwierig und subjektiv ist, wie man beispielsweise auch nächste Woche sehen kann!

      Ich danke dir aber für den Kommentar!

  2. […] ich euch in Teil 1 der Artikelserie dargestellt habe, warum YouTube für die heutige Anime-Community sehr wichtig ist und aufgezeigt […]

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