Interview mit Makoto Uezu auf der Connichi 2018

Interview mit Makoto Uezu auf der Connichi 2018

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Makoto Uezu ist Drehbuchautor und hat in dieser Rolle schon an vielen verschiedenen Anime gearbeitet. Bekannt wurde er durch seine Arbeit an Serien wie  „Assassination Classroom“, „Boruto : Naruto Next Generations“ oder „Akame ga Kill!“.

Gemeinsam mit seinem Freund und Partner Seiji Kishi besuchte er die Connichi 2018 und wir hatten die Möglichkeit ihn zu interviewen.

Interview

Shin: Guten Tag, Herr Uezu! Wir möchten Sie zunächst ganz herzlich in Deutschland begrüßen und würden gerne wissen, ob sie das erste Mal hier sind und wie es Ihnen gefällt?

Makoto Uezu: Ja, es ist mein erstes Mal hier in Deutschland und mir gefällt es sehr gut! Ich war gestern ein bisschen spazieren und die Landschaft ist wunderschön, die Luft ist sehr sauber und frisch und das Essen schmeckt hervorragend – ich bin sehr begeistert von Deutschland!

Shin: Wunderbar, wir freuen uns auch sehr, Sie hier zu haben! Sie arbeiten bei den meisten Anime an der Komposition der Serien, aber auch am Skript. Welche unterschiedlichen Aufgaben haben Sie dabei und welche Arbeit machen Sie am liebsten?

Makoto Uezu: Vorab – Ich mag beides! Die Komposition und das Drehbuch schreiben sind zwei unterschiedliche Berufe. Bei der Komposition bespreche ich mit dem Regisseur den Inhalt des Animes. Wenn dann inhaltlich soweit alles geregelt ist und mit dem Regisseur abgesprochen, wird für jede einzelne Episode ein Drehbuch geschrieben. Und auch dieses kann an verschiedene Drehbuchautoren weitergeleitet werden und das Oberhaupt davon bildet auch derjenige, der die Komposition macht.

Shin: Das finde ich sehr spannend, dass Sie auf der einen Seite mit der Komposition die Komplettübersicht haben, aber auch an einzelnen Punkten im Detail arbeiten können!

Makoto Uezu: Ja genau!

Shin: Sie arbeiten an mehreren Projekten im Laufe eines Jahres. Arbeiten Sie denn auch gleichzeitig an mehreren Serien und was sind die Herausforderungen dabei?

Makoto Uezu: Ich gehöre in Japan eher zu denen, die besonders viel beschäftigt sind. Deshalb arbeite ich immer an mehreren Sachen gleichzeitig. Die Herausforderung dabei ist, dass sich im Kopf alles etwas vermischt und ich manchmal leicht verwirrt bin. In meinem Kopf agieren dann hunderte Charaktere aus verschiedenen Serien… aber da ich Profi bin, kriege ich das doch irgendwie unter einen Hut.

Shin: Ich finde, das merkt man bei Ihren Werken auch. Sie sind gemeinsam mit Ihrem Freund Seiji Kishi hergekommen, mit dem Sie auch schon oft zusammengearbeitet haben. Vor einiger Zeit wurde bekannt, dass Sie für Netflix „Kengan Ashura“ produzieren werden. Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit mit Netflix von der bei normalen TV-Produktionen?

Makoto Uezu: Wenn wir über „Kengan Ashura“ reden, besteht absolut kein Unterschied, gerade weil es für Netflix ist. Allerdings haben wir bei diesem Anime von Anfang an und auch vor der Entscheidung für Netflix darauf geachtet, dass Menschen aus der ganzen Welt die Serie sehen werden und Spaß dabei haben sollen. Netflix hat das glücklicherweise erkannt und dann im Nachhinein zugesagt. Das heißt, die Serie ist zwar noch nicht ausgestrahlt, aber es läuft alles nach Plan.

Shin: Perfekt! Sie arbeiten hieran auch wieder mit Seiji Kishi zusammen – ist es gut für Sie, dass Sie in ihm quasi einen festen Arbeitspartner haben?

Makoto Uezu: Es gibt positive und negative Seiten, aber erstere überwiegen! Wir haben sowohl die erfolgreichen Seiten als auch die Niederlagen gemeinsam erlebt und uns so ein spezielles Wissen angeeignet. Gleichzeitig konnten wir aber dadurch auch unser Teamwork stärken und das funktioniert dann bei jedem weiteren Projekt auf Anhieb sehr gut.

Shin: Wie schön, dass Sie dann dieses Mal auch gemeinsam nach Deutschland kommen konnten!

Makoto Uezu: Das ist so, weil ich ihn eingeladen habe. Ich erzählte es ihm und er sagte, er komme mit. Wir haben es mit der Dolmetscherin Jasmin Dose abgesprochen und so sind wir jetzt in Deutschland und haben sehr viel Spaß! Ich wollte schon immer mal mit Kishi-san ins Ausland gehen und deshalb freue ich mich sehr, dass dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Wir hatten vom Flughafen aus eine dreistündige Busfahrt und so machte ich ein langes Meeting mit ihm!

Shin: Immer am arbeiten – Sie lieben es zu arbeiten, oder?

Makoto Uezu: Ich hasse es zu arbeiten, aber ich liebe Anime – deswegen strenge ich mich an.

Shin: Bleiben wir doch bei Animes: Eines Ihrer kontroversesten Werke ist „School Days“. Im Internet gibt es sehr viele Fans, die die Serie besonders aufgrund ihres Endes kritisiert haben. Dachten Sie schon während der Arbeit daran, dass es so stark diskutiert werden würde?

Makoto Uezu: „School Days“ ist tatsächlich ein Werk, das besonders viele Schockmomente im Zuschauer auslöst und dementsprechend haben wir es auch fortgesetzt. Es war von vornherein klar, dass die Serie ein „Bad Ending“ haben wird und die Herausforderung dabei war, sie so zu gestalten, dass es trotzdem erfolgreich wird und spannend bleibt für die Zuschauer.

Shin: Aufgrund des großen Diskussionsbedarfs der Fans, der auch heute noch besteht, denke ich, dass das hervorragend funktioniert hat!

Makoto Uezu: Ja, wir waren mit der Arbeit tatsächlich erfolgreich, aber da es eine traurige Geschichte ist, tut es mir auch nach vielen Jahren immer noch ein bisschen weh. Es ist schon irgendwie eine Geschichte, die eine Randgruppe anspricht, aber vielleicht ist das auch irgendwo eine Art Kunst.

Shin: Im Endeffekt ist es für uns Westler einfach das, was „Anime“ ausmacht.

Makoto Uezu: Es freut mich, dass das so rezipiert wird.

Shin: School Days hatte eine Visual Novel als Vorlage, Sie haben aber mal in einem Interview zu „Yuki Yuna is a Hero“ erwähnt, dass Sie auch gerne an Original-Anime arbeiten. Warum ist das so und wie unterscheidet sich die Arbeit zu der an Werken mit Vorlage?

Makoto Uezu: Die Arbeit unterscheidet sich komplett, wobei aber beides Spaß macht. Wenn man eine Vorlage hat, ist es die Komposition, die daran spannend ist. Mit der Vorlage in der Hand überlege ich mir, wie es besonders gut wird, wenn ich daraus eine Anime-Adaption mache. Und bei dem Original ist die Freude dabei, dass ich dem Publikum meine eigenen Ideen nahebringen kann.

Shin: Haben Sie denn weitere Originalideen im Kopf, die Sie gerne umsetzen würden?

Makoto Uezu: Immer ganz viele!

Shin: Dann würden wir uns natürlich sehr freuen, wenn wir diese bald zu sehen bekämen!

Makoto Uezu: Da kommen in Zukunft noch ganz viele!

Shin: Was ich sehr faszinierend fand, ist, dass Sie auch an der Serie „Boruto“ gearbeitet haben. Haben Sie bei der Mitarbeit an einem so großen Franchise besonderen Druck verspürt?

Makoto Uezu: Ganz genau das! Es war ein unglaublicher Druck.

Shin: Und können Sie uns sagen, was Ihre größte Angst dabei war?

Makoto Uezu: Ich arbeite eigentlich eher an Animes für eine ältere Zielgruppe, die abends ausgestrahlt werden. „Boruto“ hingegen ist eine Serie, die nachmittags und für die ganze Familie gezeigt wird. Also wenn ich es mit Boxsport vergleichen würde, ist es eine vollkommen andere Gewichtsklasse. Das heißt, ich musste mich als Neuling in einer unbekannten Klasse beweisen, was ein besonderer Druck für mich war. Da ich davor schon an „Assassination Classroom“ mitgearbeitet hatte, gab mir Shueisha jedoch eine Art Vertrauensvorschuss. Durch meine Etablierung in diesem Projekt habe ich wahrscheinlich dann auch „Boruto“ übernehmen dürfen.

Shin: Da wir gerade von „Assassination Classroom“ sprachen – Sie arbeiten sehr oft an Anime mit hohem Comedy-Anteil. Macht Ihnen dies besonders Spaß oder arbeiten Sie lieber an Dramen wie beispielsweise „Kuzu no Honkai“?

Makoto Uezu: Ich mag beides, aber ich glaube, dass die Produzenten glauben, dass ich eher für Comedy geeignet bin.

Shin: Das finde ich etwas schade, da man in Ihren anderen Serien mit Comedy-Gehalt merkt, dass auch die Drama-Elemente gleichermaßen gut ausgearbeitet sind.

Makoto Uezu: Das ist ein komplexeres Thema, aber ich finde, dass Komödien weitaus schwieriger zu schreiben sind. Man muss daran viel strenger arbeiten, als wenn man in jemandem Emotionen auslösen möchte. Also unter diesem Aspekt gesehen, mag ich es schon gerne, Comedy zu schreiben.

Shin: Es scheint ja gerade fast schon eine Renaissance der lustigen Serien zu geben, wie beispielsweise „Shinya Tensai Bakabon“.

Makoto Uezu: Ich weiß gar nicht, wie weit ich da jetzt ausholen soll, aber der Autor von Bakabon, Akatsuka Fujio, war einfach ein Genie und ich glaube alle schauen zu ihm auf und finden ihn großartig. Auch ich finde es beeindruckend, wie er andere Menschen zum Lachen bringen kann und habe ganz viel Respekt vor diesem Mann.

Shin: Sie arbeiten gerade am Anime zum französischen Manga „Radiant“. Ist es etwas anderes, eine nicht-japanische Vorlage zu haben?

Makoto Uezu: Ja, es gibt definitiv Unterschiede. Bei der Optik vielleicht nicht unbedingt, denn „Radiant“ sieht genauso aus wie ein Jump-Werk. Auch die Leser werden den Manga wohl mit der Erwartung konsumieren, dass es sich um ein Jump-Werk handelt. Weil aber der Autor, Tony Valente, Franzose ist, werden Themen behandelt, die ein japanischer Autor nie ansprechen würde. Dazu zählen zum Beispiel Rassismus, die Kluft zwischen Arm und Reich oder Migrationsprobleme. Das sind Themen, mit denen sich japanische Autoren niemals konfrontieren würden. Tony verbindet die Optik des typischen Shounen Jump-Mangas mit sehr tiefgehenden, seriösen Themen, die sehr gesellschaftskritisch sind und das ist extrem interessant!

Shin: Mich überrascht es auch immer, wenn zum Beispiel ein japanischer Anime wie „Grand Blue Dreaming“ aus der aktuellen Season plötzlich amerikanischen Humor verwendet, welchen man bis dato nur aus Filmen wie zum Beispiel „American Pie“ kannte.

Makoto Uezu: Ja, immer mehr Menschen bekommen glücklicherweise ein Bewusstsein dafür, dass man Projekte international und eben „für die Welt“ produzieren sollte.

Shin: Dann wären wir schon bei der letzten Frage angekommen. Unsere Fans fragen sich immer, welche Anime-Serien unsere Interviewpartner gern in der Freizeit anschauen. Was können Sie also empfehlen?

Makoto Uezu: Beispielsweise „Osomatsu-san“ habe ich in meiner Freizeit immer gerne geschaut. Als Teenager mochte ich „Ninja Scroll“, „Gunbuster“, „Patlabor – The Movie“ und „Neon Genesis Evangelion“.

Shin: Meine absolute Lieblingsserie ist „Space Brothers“, darum an dieser Stelle ein Danke, dass Sie diese umgesetzt haben. Jetzt aber wirklich zur letzten Frage: Wie realistisch sind die Darstellungen im Anime über die Produktion eines Anime namens „Shirobako“?

Makoto Uezu: Er ist tatsächlich sehr realistisch, außer dass die Charaktere viel zu niedlich sind! Shirobako ist übrigens auch eine sehr gute Serie!

Shin: Danke, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben und ich wünsche Ihnen noch eine schöne Zeit in Deutschland und dass Sie bald mal wiederkommen!

Makoto Uezu: Ich komme nächstes Jahr sicher wieder – Vielen Dank, ich hatte sehr viel Spaß! Ich würde mich freuen, wenn die Fans von Jimoku in meine neusten Werke „Radiant“, „Kengan Ashura“ und „Konosuba – The Movie“ reinschauen würden!

Das Jimoku-Team richtet an dieser Stelle einen besonderen Dank an die Dolmetscherin Jasmin Dose.

About Shin

Shin hat im Jahr 2016 sein Masterstudium in Soziologie abgeschlossen und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Anime mag Shin schon seit sehr vielen Jahren. Spätestens seit dem Besuch seiner ersten Convention - der Connichi 2003 - ist er fasziniert von der Welt der Anime. Seit August 2016 ist Shin festes Mitglied von Jimoku und kümmert sich zum größten Teil um das Schreiben von Reviews. Sein Lieblingsanime ist "Space Brothers".
Shin

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